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Stuttgart auf eigene Faust: 7 Stationen in 70 Minuten

Stand: August 2026

hi.ciceru@gmail.comStuttgart

Einführung

Die meisten Suchergebnisse für einen Stadtrundgang durch Stuttgart drehen sich eigentlich um zwei Automuseen: Mercedes-Benz und Porsche. Beide liegen weit außerhalb des historischen Zentrums, um das es auf dieser Route geht. Hier läuft es anders: sieben Stationen durch den alten Stadtkern in etwas mehr als einer Stunde, plus eine kurze Liste mit Ideen, falls du mehr Zeit mitbringst.

Die Route führt vom Renaissance-Innenhof eines Schlosses über den Schillerplatz, vorbei an einem Regierungspalast, hinein in eine ehemalige Gestapo-Zentrale, deren Abriss engagierte Bürger verhindert haben. Weiter geht es durch ein Museum im einstigen Wohnsitz eines Königs, quer durch eine Parkanlage und schließlich in einen Bahnhof, der 2026 immer noch umgebaut wird. Das Ziel ist der Hauptbahnhof, perfekt für deinen nächsten Zug.

Auf einen Blick

Dauer: 65 bis 70 Minuten für die komplette Route (nur Außenbereiche und Innenhof)

Distanz: etwa 1,9 km

Reine Gehzeit: 27 bis 29 Minuten

Stationen: 7

Start: Altes Schloss / Landesmuseum Württemberg, Eingang am Schillerplatz 6

Ziel: Stuttgart Hauptbahnhof, Arnulf-Klett-Platz 2

Preis: kostenlos zu Fuß

Höhenunterschied: unter 20 Meter, flach im Stuttgarter Talkessel

Die gleichen sieben Stationen gibt es auch als selbstgeführte Tour in der Ciceru-App, mit Geschichten und einer Quizfrage zu jedem Stopp sowie einer kostenlosen globalen 500-MB-eSIM, damit du direkt nach der Ankunft online bist.

Die Route

Auf den ersten Blick wirkt die Reihenfolge wie ein Umweg: Vom Neuen Schloss geht es nach Süden zum Hotel Silber und zum StadtPalais, dann wieder nordwärts in den Oberen Schlossgarten.

Ist es aber nicht, und kaum ein anderer Stuttgart-Guide geht darauf ein. Mit dem Alten Schloss als Start und dem Hauptbahnhof als Ziel bilden Hotel Silber und StadtPalais einen südöstlichen Bogen, der sich ganz natürlich wieder Richtung Park und Bahnhof öffnet. Eine andere Reihenfolge würde bedeuten, dieselbe vielbefahrene Konrad-Adenauer-Straße zweimal statt einmal zu überqueren, ohne jeden echten Gewinn. Diese beiden Stationen liegen nicht einfach auf dem Weg zum Bahnhof; sie sind der bewusste Abstecher, der aus einem simplen Spaziergang zwischen zwei Plätzen einen echten historischen Rundgang macht.

Reihenfolge der Stationen: Altes Schloss, Schillerplatz, Neues Schloss, Hotel Silber, Wilhelmspalais (StadtPalais), Oberer Schlossgarten, Stuttgart Hauptbahnhof.

Station 1: Altes Schloss

Schillerplatz 6. Den Arkadenhof aus der Renaissance kannst du kostenlos und ganz ohne Ticket betreten. Herzog Christoph ließ die alte Wasserburg zwischen 1550 und 1570 von den Baumeistern Aberlin Tretsch und Blasius Berwart zu einer Residenz umbauen. Der Bronzereiter in der Mitte ist Eberhard im Bart, der erste Herzog von Württemberg, 1859 gegossen von Ludwig von Hofer. Im Jahr 1944 zerstörten Bomben etwa zwei Drittel des Innenhofs. Der Architekt Paul Schmitthenner baute ihn bis 1971 wieder auf, allerdings nicht als exakte Kopie. Das Landesmuseum Württemberg im Inneren kostet 8 € regulär, 6 € ermäßigt, unter 18 Jahren frei, Dienstag bis Sonntag 11:00 bis 17:00 Uhr, montags außer an Feiertagen geschlossen.

Der Renaissance-Arkadenhof des Alten Schlosses, Sitz des Landesmuseums Württemberg. Kommunikation LMW
Der Renaissance-Arkadenhof des Alten Schlosses, Sitz des Landesmuseums Württemberg. Kommunikation LMW

Station 2: Schillerplatz

Kostenlos. Keine Öffnungszeiten, kein Ticket. Seinen Namen verdankt der Platz dem bronzenen Friedrich-Schiller-Denkmal von Bertel Thorvaldsen. Bei der Enthüllung im Jahr 1839 kamen rund 30.000 Menschen zusammen, in einer Stadt mit damals weniger als 40.000 Einwohnern. Schiller studierte ganz in der Nähe an der Hohen Karlsschule, die sich einst hinter dem Neuen Schloss befand, unter demselben Herzog, dessen Vorfahren du gerade als Reiterstandbild am Alten Schloss gesehen hast. Das Kopfsteinpflaster hier ist uneben, wovor das Landesmuseum für das gesamte Areal warnt. Vom 25. November bis 23. Dezember 2026 breitet sich auch der Weihnachtsmarkt über diesen Platz aus.

Das bronzene Schillerdenkmal, dem der Schillerplatz seinen Namen verdankt. GFreihalter
Das bronzene Schillerdenkmal, dem der Schillerplatz seinen Namen verdankt. GFreihalter

Station 3: Neues Schloss

Schlossplatz 4. Das hier ist kein Museum. Das Schloss beherbergt das Finanz- und das Wirtschaftsministerium von Baden-Württemberg und hat keine regulären Besuchszeiten. Gelegentliche Sonderführungen werden separat angekündigt; mit Stand Ende August 2026 waren keine geplant. Für Spaziergänger lohnt sich vor allem der Blick auf den Ehrenhof und die Fassade, direkt ebenerdig vom Schlossplatz aus erreichbar. Was du siehst, ist größtenteils ein Wiederaufbau: Im Krieg völlig ausgebrannt, stand das Schloss als Ruine da, bis der Landtag 1957 beschloss, es wieder aufzubauen statt abzureißen. Die Arbeiten dauerten von 1958 bis 1964. Nur ein Teil der Innenräume im Corps de Logis erhielt seine barocke Gestalt zurück, der Rest wurde zu Ministeriumsbüros.

Das Neue Schloss mit Blick über den Schlossplatz, samt Brunnen und Jubiläumssäule. Julian Herzog
Das Neue Schloss mit Blick über den Schlossplatz, samt Brunnen und Jubiläumssäule. Julian Herzog

Station 4: Hotel Silber

Dorotheenstraße 10. Dies war die Gestapo-Zentrale für Württemberg und Hohenzollern. Ab 1936 steuerte die Gestapo von hier aus Überwachung, Verfolgung politischer Gegner und Minderheiten, Zwangsarbeit und die Deportation jüdischer Bürger. 1944 zerstörten Bomben den Westflügel. Nach dem Krieg zog die Polizei wieder ein, nutzte die Kellerzellen bis 1948 als Arrestbereich und blieb bis 1984 vor Ort.

Dass das Gebäude heute noch steht, ist engagierten Bürgern zu verdanken. Eine Bürgerinitiative verhinderte 2008 den geplanten Abriss und ging in der 2012 gegründeten Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber auf. Die Gedenkstätte wurde am 3. Dezember 2018 eröffnet.

Eintritt frei, Dienstag bis Sonntag 10:00 bis 18:00 Uhr, Mittwoch bis 21:00 Uhr, montags geschlossen, außerdem geschlossen an Neujahr, Karfreitag sowie am 24., 25. und 31. Dezember. Audioguide auf Deutsch, Englisch und Französisch: 2 €.

Das Hotel Silber, die ehemalige Gestapo-Zentrale, heute ein Lern- und Gedenkort. MSeses
Das Hotel Silber, die ehemalige Gestapo-Zentrale, heute ein Lern- und Gedenkort. MSeses

Station 5: Wilhelmspalais (StadtPalais, Museum für Stuttgart)

Konrad-Adenauer-Straße 2. Wilhelm II. von Württemberg, nicht der gleichnamige preußische Kaiser, lebte hier ab 1887 mit seiner Frau Charlotte. Am 9. November 1918 drangen Revolutionäre in das Palais ein. Er verließ Stuttgart, dankte am 30. November ab und lebte fortan als Privatmann. Von 1965 bis 2011 diente das Gebäude als Stadtbibliothek, bevor es 2018 als StadtPalais, Stuttgarts Museum für Stadtgeschichte, wiedereröffnet wurde. Die Dauerausstellung „Stuttgarter Stadtgeschichten“ ist kostenlos, Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr, mit freiem Eintritt zu den Wechselausstellungen freitagsabends von 18:00 bis 21:00 Uhr. Ein barrierefreier Eingang befindet sich in der Urbanstraße 7.

Station 6: Oberer Schlossgarten

Das Wilhelmspalais, 2018 als StadtPalais wiedereröffnet, Stuttgarts Stadtmuseum. Pjt56
Das Wilhelmspalais, 2018 als StadtPalais wiedereröffnet, Stuttgarts Stadtmuseum. Pjt56

Station 6: Oberer Schlossgarten

Kostenlos. Kein Ticket, keine Öffnungszeiten. Das hier ist der obere Teil von Stuttgarts zentralem Park, gelegen zwischen Neuem Schloss, Opernhaus und Landtag. Eine Richtigstellung vorab: Die Baumfällungen und Polizeieinsätze vom 30. September 2010, der bei Stuttgart 21 als „Schwarzer Donnerstag“ in die Geschichte einging, fanden weiter nördlich im Mittleren Schlossgarten statt, nicht hier. Mehr als 100 Menschen wurden damals verletzt, und die Ereignisse führten später zu einem Untersuchungsausschuss des Landtags. Was das über politische Verantwortung aussagt, wird bis heute heiß diskutiert, doch diese Debatte überlassen wir anderen. Im Jahr 2026 prägen Bauzäune und Umleitungen nahe der Staatsgalerie noch immer die Fußwege am Rande des Gartens.

Der Obere Schlossgarten, der obere Teil von Stuttgarts zentralem Park. Martin Hahn
Der Obere Schlossgarten, der obere Teil von Stuttgarts zentralem Park. Martin Hahn

Station 7: Stuttgart Hauptbahnhof

Arnulf-Klett-Platz 2. Ende 2026 triffst du Stuttgart 21 mit voller Wucht an: eine aktive Großbaustelle rund um das Bahnhofsgebäude von Paul Bonatz, von einem restaurierten Bonatzbau noch keine Spur. Der Zeitplan der Deutschen Bahn von Juni 2026 verschiebt den direkten Durchgang durch den Bonatzbau auf Dezember 2027, Geschäfte und Gastronomie folgen erst 2028. Der Mercedes-Stern, der sich seit 1952 auf dem Turm drehte, ist derzeit abmontiert und soll 2027 zurückkehren. Der Stopp lohnt sich trotzdem für zwei Minuten: Es ist der ehrlichste Abschluss für diesen Spaziergang, und der Bahnhof bietet freien Zugang, DB-Informationen rund um die Uhr sowie Schließfächer mit Münzeinwurf, klein 3 €, groß 5 €.

Der Eingang zum Stuttgarter Hauptbahnhof, das Bahnhofsgebäude von Paul Bonatz. Saptarshi2005
Der Eingang zum Stuttgarter Hauptbahnhof, das Bahnhofsgebäude von Paul Bonatz. Saptarshi2005

Tickets und Praktisches

Anreise: Das Landesmuseum veranschlagt für den Weg vom Hauptbahnhof zum Schlossplatz etwa 10 Minuten. Rechne 2026 wegen der Baustellenumleitungen am Bahnhof lieber mit 12 bis 15 Minuten.

  • Beste Startzeit: Dienstag bis Freitag ab 11:00 Uhr, wenn Landesmuseum, Hotel Silber und StadtPalais alle geöffnet sind. Montags bleiben Landesmuseum und Hotel Silber geschlossen.
  • Innenbesichtigungen: Plane 20 bis 30 Minuten zusätzlich pro Museum ein, oder insgesamt 90 bis 110 Minuten für einen ausführlichen Besuch im Hotel Silber.
  • Meide die Zeit vom 25. November bis 23. Dezember 2026, wenn du dich an die Stunde halten willst: Dann breitet sich der Weihnachtsmarkt über den Schillerplatz und den Innenhof des Alten Schlosses aus.
  • Gelände: Flach. Zu den wenigen Hürden gehören unebenes Kopfsteinpflaster beim Alten Schloss und baustellenbedingte Umleitungen an der Staatsgalerie und am Bahnhof.
  • Wichtigste Straßenüberquerung: Vom Hotel Silber zum StadtPalais überquerst du den Charlottenplatz und die B14, eine vielbefahrene Bundesstraße. Nutze unbedingt die Fußgängerampeln.
  • Schließfächer am Hauptbahnhof: Münzbetrieb, klein 3 €, groß 5 €, rund um die Uhr zugänglich.

Häufig gestellte Fragen

Reicht eine Stunde wirklich für diesen Spaziergang? Im strengsten Sinne ja, wenn du keine Innenräume betrittst und nirgends trödelst. Realistischer sind 65 bis 70 Minuten, sobald man das Lesen von Schillers Sockelinschriften und die aktuellen Umleitungen am Bahnhof einberechnet.

Kann man das Neue Schloss von innen besichtigen? Nein, nicht bei einem normalen Besuch. Es ist ein aktiver Regierungssitz ohne reguläre Öffnungszeiten für die Öffentlichkeit. Gelegentliche Sonderführungen werden separat angekündigt, mit Stand August 2026 waren jedoch keine geplant.

Brauche ich die Ciceru-App, um diese Route zu laufen? Nein. Die Informationen hier reichen völlig aus, um die Route mit dem Smartphone abzugehen. Dieselben sieben Stationen gibt es auch als Audiotour in der App, komplett mit allen Geschichten, einem Quiz zu jedem Stopp und kostenlosen 500 MB eSIM-Daten.

Bevor es losgeht

Sieben Stationen, etwa 1,9 km, gut eine Stunde, mit dem Finale an einem Bahnhof, der sich noch immer neu erfindet.

Wenn du die Route wie beschrieben läufst, bekommt das Hotel Silber genau den Raum, den seine Geschichte verlangt, ohne dass der Rest der Stuttgarter Innenstadt zum reinen Beiwerk verkommt. Hast du mehr Zeit, liegen die Stiftskirche und die Stuttgarter Markthalle nah genug, um sie spontan einzubauen, und die Staatsgalerie verdient ohnehin einen eigenen Nachmittag.

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