
Die Pommern: Ein erhaltener Windjammer in Mariehamn
Die Viermastbark Pommern, die im Westhafen von Mariehamn vor Anker liegt, ist ein eindrucksvolles Symbol für das reiche maritime Erbe Ålands. Sie gilt als das weltweit einzige viermastige Handelsschiff, das in seinem ursprünglichen, unveränderten Zustand erhalten geblieben ist – ein echtes Überbleibsel aus dem Goldenen Zeitalter der kommerziellen Segelschifffahrt.
Vom Bau bis zu den Getreiderennen
1903 auf der J. Reid & Co Werft in Glasgow, Schottland, gebaut, erhielt das Stahlschiff zuerst den Namen Mneme. Nachdem es einem deutschen Unternehmen gedient und als Kriegsreparation an Griechenland übergeben worden war, wurde es 1923 vom bekannten Åländer Reeder Gustaf Erikson für 3.900 Pfund Sterling gekauft und in Pommern umbenannt.
Unter Eriksons Führung spielte die Pommern eine Schlüsselrolle in der letzten Ära der kommerziellen Segelschifffahrt, indem sie Getreide von Australien nach Europa transportierte. Das Schiff nahm an den informellen, aber hart umkämpften „Getreiderennen“ teil und gewann zweimal, nämlich 1930 und 1937. Die Pommern galt als „Glücksschiff“: Sie überstand beide Weltkriege unversehrt und verlor während ihrer gesamten kommerziellen Laufbahn nur vier Besatzungsmitglieder auf See. Ihre letzte kommerzielle Reise endete 1939 in Mariehamn, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs.
Ein Flaggschiff der letzten Windjammer
Die Pommern war ein Kronjuwel in Gustaf Eriksons Flotte, die die weltweit größte Flotte von Handelsschiffen – Windjammern – in einer Zeit darstellte, als die Dampfkraft bereits dominant war. Eriksons Unternehmen war eine einzigartige Fortsetzung der Hochseeschifffahrt unter Segeln, lange nachdem diese anderswo bereits aufgegeben worden war, was Mariehamns Identität als Zentrum maritimer Leistungsfähigkeit festigte.
Das Schiff selbst ist eine „bald-headed barque“ (eine Bark ohne Royal-Segel), ein spezifischer Takelagetyp, dem über den oberen Bramsegeln die Royals fehlen. Ihr Großmast ragt 50 Meter hoch, und ihre gesamte Segelfläche umfasst beeindruckende 3.240 Quadratmeter. Diese Merkmale, zusammen mit ihren geteilten Mars- und Bramsegeln, wurden für eine einfachere Handhabung durch die Besatzung entwickelt.
Ein erhaltenes Erbe
Nach Gustaf Eriksons Tod im Jahr 1947 erkannten seine Kinder, Edgar Erikson und Eva Hohental, die unerschwinglichen Kosten für die Reparatur des alternden Schiffes. 1953 stifteten sie die Pommern der Stadt Mariehamn, um sie als Museumsschiff zu erhalten.
Heute ist die Pommern eine prominente kulturelle Attraktion und Teil des Schifffahrtsmuseums Åland. Seit 2019 liegt sie in einem speziell angefertigten Dock, das zur Wartung trockengepumpt werden kann, was ihre langfristige Erhaltung sichert. Das Schiff bietet Besuchern ein immersives Erlebnis in das Leben eines Seemanns der 1930er Jahre, mit Ausstellungen, die Artefakte, Fotografien und Filme aus ihrer Zeit als Frachtsegler präsentieren.
FAQ
Was macht die Pommern einzigartig?
Die Pommern gilt als die weltweit einzige viermastige Stahlbark, die in ihrem ursprünglichen, unveränderten Zustand als Frachtsegler erhalten geblieben ist. Andere ähnliche Schiffe gingen entweder verloren, wurden verschrottet oder erheblich modifiziert.
Wer war Gustaf Erikson?
Gustaf Erikson war ein finnischer Reeder aus Åland, der die weltweit größte Flotte von Handelsschiffen – sogenannten Windjammern – zusammenstellte und betrieb, in einer Zeit, als die Dampfkraft bereits dominant war.
Wo liegt die Pommern?
Die Pommern ist ein Museumsschiff, das im Westhafen von Mariehamn, Åland, vor Anker liegt. Sie ist Teil des Schifffahrtsmuseums Åland.
Hatte die Pommern schon immer diesen Namen?
Nein, das Schiff hieß ursprünglich Mneme, als es 1903 gebaut wurde. Es wurde 1908 von seinen deutschen Eignern, F. Laeisz, in Pommern umbenannt, um ihrer Tradition zu entsprechen, Schiffsnamen mit dem Buchstaben „P“ zu beginnen.



