
Gemaltes Haus: Das bemalte Götterhaus von Graz
Im Herzen der Grazer Altstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, steht das Gemalte Haus. Dieses auch als Herzogshof bekannte Wahrzeichen ist eines der meistfotografierten Gebäude der Stadt und berühmt für seine vollständig mit leuchtenden Fresken bemalte Fassade.
Ein herzogliches Verwaltungszentrum
Die Geschichte des Gebäudes beginnt im 14. Jahrhundert. Erstmals 1360 als Herzogshof urkundlich erwähnt, diente es den Herzögen der Steiermark als Verwaltungszentrum. Hier erledigten sie ihre Amtsgeschäfte und verliehen Land an Untertanen. Der Hausverwalter war sogar von den Steuern befreit, im Gegenzug für die Bereitstellung des „Fürstenstuhls“ für diese Anlässe. Seine Rolle als herzogliches Zentrum behielt es bis zur Fertigstellung der Grazer Burg um 1450.
Ein bedeutendes historisches Ereignis fand 1382 im Herzogshof statt, als eine Delegation aus Triest bei den Habsburgern Schutz vor einer Eroberung durch Venedig suchte. Dieses Gesuch war erfolgreich und Triest blieb bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Teil des Habsburgerreiches.
Die Geschichte zweier Fassaden
Die berühmte Bemalung des Gebäudes hat eine vielschichtige Geschichte. Die erste Fassadenmalerei wurde um 1600 von Giovanni Pietro de Pomis geschaffen, dem Hofmaler von Kaiser Ferdinand II. und Architekten seines Mausoleums. Von diesem Originalwerk ist jedoch keine Spur mehr erhalten.
Im Jahr 1742 gab der damalige Besitzer des Gebäudes, der Geldwechsler Franz von Lathurner, einen komplett neuen Freskenzyklus beim Barockmaler Johann Mayer in Auftrag. Mayers Werk ersetzte die früheren Malereien von de Pomis vollständig. Dies sind die kunstvollen Fresken, die heute zu sehen sind. Sie bedecken über 220 Quadratmeter und zeigen Darstellungen griechischer und römischer Götter sowie mythologischer Figuren. Das Kunstwerk umfasst auch illusionistische Architekturmalerei, die den Eindruck von Säulen und Gesimsen erweckt, ein Merkmal, das es in Österreich einzigartig macht. Lange Zeit war die Identität vieler Figuren in den Fresken vergessen und konnte erst in den letzten Jahren wieder entschlüsselt werden.
Das Gemalte Haus heute
Heute ist das Gemalte Haus ein Wahrzeichen, das die reiche Kunstgeschichte von Graz und seine Entwicklung von einem mittelalterlichen Zentrum zu einer Barockstadt verkörpert. Über seine künstlerische Bedeutung hinaus ist das Gebäude ein lebendiger Teil der Stadt und beherbergt ein traditionelles steirisches Gasthaus, das als beliebter Treffpunkt für Einheimische und Touristen dient.
FAQ
Was zeigen die Malereien am Gemalten Haus?
Es handelt sich um Barockfresken des Künstlers Johann Mayer aus dem Jahr 1742. Sie zeigen verschiedene griechische und römische Götter und mythologische Figuren auf der gesamten, über 220 Quadratmeter großen Fassade.
Wie alt ist das Gemalte Haus?
Das Gebäude, ursprünglich als Herzogshof bekannt, wurde 1360 erstmals urkundlich erwähnt. Die heutigen Fresken, die ihm sein berühmtes Aussehen verleihen, wurden 1742 gemalt.
Wer hat das Gemalte Haus bemalt?
Die heutigen leuchtenden Fresken wurden 1742 vom Barockkünstler Johann Mayer gemalt. Eine frühere Bemalung von Giovanni Pietro de Pomis aus dem Jahr 1600 wurde vollständig übermalt und existiert nicht mehr.
Was befindet sich heute im Gemalten Haus?
Heute beherbergt das Gemalte Haus ein traditionelles steirisches Gasthaus und ist damit ein Treffpunkt für Einheimische und Touristen, die die kunstvolle Fassade und die traditionelle Gastfreundschaft genießen können.




