
Kazandžiluk: Sarajevos 500 Jahre alte Kupferschmiedegasse
Im Herzen von Sarajevos Altstadt, der Baščaršija, liegt die Kazandžiluk, auch bekannt als Kupferschmiedegasse. Diese historische Gasse ist ein lebendiges Zeugnis einer Handwerkstradition, die seit über fünf Jahrhunderten besteht. Die Luft ist erfüllt vom charakteristischen, rhythmischen Klang der Hämmer, die auf Kupfer schlagen, einem ständigen Echo des Handwerks, das der Straße ihren Namen und Charakter verleiht.
Ein in Kupfer geschmiedetes Erbe
Die Kazandžiluk entstand im 16. Jahrhundert, irgendwann nach 1528, als spezialisierter Markt für Kupferschmiede (kazandžije). Ihr Name leitet sich vom türkischen Wort „kazan“ ab, was Kessel bedeutet, da diese Handwerker ursprünglich Kupferkessel für die osmanische Armee herstellten. Die Straße entwickelte sich auf einem Grundstück, das einem wohlhabenden Gerber, Sagrakči hadži-Mahmut, gehörte, innerhalb des größeren Bezirks Baščaršija, der 1462 vom osmanischen Befehlshaber Isa-beg Ishaković gegründet wurde.
Das 16. Jahrhundert war ein goldenes Zeitalter für das Viertel, das unter dem Stifter Gazi Husrev-bey erheblich erweitert wurde. Während es in der Baščaršija einst rund 80 verschiedene Handwerke gab, ist die Kupferschmiedekunst eine der wenigen, die an ihrem ursprünglichen Ort überlebt hat und so die unverwechselbare osmanische Basararchitektur und den Zweck der Straße bewahrt hat.
Widerstandsfähigkeit über Jahrhunderte
Im Laufe ihrer Geschichte standen die Kazandžiluk und die umliegende Baščaršija vor zahlreichen Herausforderungen. Das 17. Jahrhundert brachte Brände und Erdbeben, und 1697 verkleinerte ein verheerender Brand, der von österreichischen Truppen unter Prinz Eugen von Savoyen gelegt wurde, die Größe des Basars erheblich. Die Ankunft der österreichisch-ungarischen Herrschaft im Jahr 1878 brachte billige, industriell gefertigte Waren mit sich, die eine neue Bedrohung für die traditionellen Handwerker darstellten.
Trotz dieser Widrigkeiten bewahrte die Kazandžiluk auf einzigartige Weise ihr Handwerk. Während in anderen spezialisierten Straßen die namensgebenden Gewerbe verschwanden, hielten sich die Kupferschmiede der Kazandžiluk hartnäckig. In Anerkennung ihrer historischen und kulturellen Bedeutung wurde das Ensemble aus Kazandžiluk, Male Daire und der Luledžina-Straße im Jahr 2021 zum Nationaldenkmal von Bosnien und Herzegowina erklärt.
Das Handwerk heute
Heute ist die Kazandžiluk nach wie vor ein belebtes Zentrum des Handwerks. Besucher können Handwerkern wie dem Kupferschmied Kenan Hidić in dritter Generation dabei zusehen, wie sie Kupfer zu traditionellen Gegenständen wie Kaffeekannen, Teeservices, Tabletts und dekorativen Souvenirs hämmern und formen. Sie ist ein beliebtes Ziel für alle, die authentische, handgefertigte Waren suchen.
Ein ergreifender und einzigartiger Aspekt des modernen Handwerks ist die Umwandlung von Überresten des Krieges in Kunstobjekte. Handwerker verwenden Patronen- und Granathülsen aus dem jüngsten Konflikt wieder und verwandeln sie in kunstvoll gravierte Stifte, Blumentöpfe und Schirmständer. Diese Praxis dient als starkes Symbol der Widerstandsfähigkeit, indem sie aus den Werkzeugen der Zerstörung Nützliches und Schönes schafft. Für diejenigen, die das Handwerk erlernen möchten, bieten einige jüngere Handwerker, wie Sulejman Hrgić, sogar Workshops zu den Grundlagen der Kupferschmiedekunst an.
FAQ
Was ist die Kazandžiluk?
Die Kazandžiluk, oder Kupferschmiedegasse, ist eine historische Straße in Sarajevos Baščaršija (Altstadt), die sich seit dem 16. Jahrhundert auf Kupferhandwerk spezialisiert hat. Sie ist bekannt für ihre Handwerksbetriebe und die traditionelle osmanische Basararchitektur.
Was findet man in der Kupferschmiedegasse?
Besucher finden eine Vielzahl von handgefertigten Kupferwaren, darunter traditionelle Kaffeekannen (Džezve), Teeservices, Tabletts und dekorative Souvenirs. Eine Besonderheit ist, dass einige Handwerker auch Gegenstände wie Stifte und Blumentöpfe aus wiederverwendeten Patronenhülsen aus Kriegszeiten herstellen.
Wie alt ist die Kupferschmiedegasse?
Die den Kupferschmieden gewidmete Straße wurde im 16. Jahrhundert, irgendwann nach 1528, gegründet. Das Handwerk wird hier seit über 500 Jahren ununterbrochen ausgeübt.
Welches Geräusch hört man in der Kazandžiluk?
Das charakteristische, rhythmische ‚Ping, Ping, Ping‘ ist das Geräusch der Hämmer der Kupferschmiede, die auf Kupfer schlagen. In ihren Werkstätten formen und gravieren die Handwerker aktiv Metall, ein Geräusch, das die Straße seit Jahrhunderten prägt.



