
Sebilj: Sarajevos ikonischer Brunnen im osmanischen Stil
Der Sebilj ist ein öffentlicher Trinkbrunnen aus Holz im osmanischen Stil und eines der bekanntesten Wahrzeichen Sarajevos. Dieses kioskähnliche Bauwerk im Zentrum des Baščaršija-Platzes ist zugleich historisches Wahrzeichen und lebendiger Treffpunkt.
Die Geschichte zweier Reiche
Der ursprüngliche Sebilj wurde 1753 von Mehmed-Pascha Kukavica, dem osmanischen Gouverneur von Bosnien, in Auftrag gegeben. Der Begriff „Sebilj“ stammt von einem arabischen Wort für einen öffentlichen Brunnen ab und spiegelt seinen Zweck als wohltätige Stiftung (Vakıf) wider, die die Öffentlichkeit kostenlos mit Wasser versorgte. Dieses erste Bauwerk wurde 1852 bei einem Brand zerstört.
Jahrzehnte später, unter der österreichisch-ungarischen Verwaltung, wurde der heutige Sebilj 1891 wieder aufgebaut. Er wurde vom österreichischen Architekten Alexander Wittek in einem pseudomaurischen Stil entworfen, der orientalische Motive mit dem europäischen Historismus verband. Der Brunnen wurde 1913 an seine heutige zentrale Position auf dem Platz verlegt.
Architektonische Bedeutung
Der Sebilj ist ein Paradebeispiel für die vielschichtige Geschichte Sarajevos, in der osmanische und österreichisch-ungarische Einflüsse verschmelzen. Obwohl seine Form osmanisch inspiriert ist, verdeutlicht sein Wiederaufbau durch einen österreichischen Architekten, wie das nachfolgende Reich bestehende kulturelle Symbole integrierte und neu interpretierte.
Ein überraschendes Detail ist die Inschrift des Brunnens. Der osmanisch-türkische Text, der seine Geschichte und islamische Phrasen beschreibt, wurde während des Wiederaufbaus 1891 von Wittek hinzugefügt. Historische Aufzeichnungen deuten darauf hin, dass der ursprüngliche Brunnen von 1753 keine solche Inschrift trug.
Der Sebilj heute
Heute ist der Sebilj ein zentraler Treffpunkt für Einheimische und Besucher im Herzen der Baščaršija. Wegen der vielen Taubenschwärme, die sich hier versammeln, wird der Platz oft „Taubenplatz“ genannt. Der Brunnen erfüllt auch heute noch seinen ursprünglichen Zweck und spendet frisches, kühles Trinkwasser. Dieses stammt aus den Quellen des Berges Trebević und wird über ein Aquäduktsystem aus dem 16. Jahrhundert hierher geleitet. Der umliegende Platz ist ein geschäftiger Ort mit Cafés, Souvenirläden und Straßenkünstlern.
Obwohl der heutige Sebilj einzigartig ist, deuten historische Quellen darauf hin, dass es in Sarajevo während der osmanischen Zeit bis zu 300 solcher Brunnen gab, die meisten jedoch bei einem Brand im Jahr 1697 zerstört wurden. Als Beweis seiner symbolischen Bedeutung wurden Nachbildungen des Sebilj von Sarajevo an Städte in aller Welt verschenkt, darunter Belgrad, St. Louis und Novi Pazar.
FAQ
Wer hat den Sebilj in Sarajevo gebaut?
Der ursprüngliche Sebilj wurde 1753 vom osmanischen Gouverneur Mehmed-Pascha Kukavica in Auftrag gegeben. Das heutige Bauwerk ist ein Wiederaufbau aus dem Jahr 1891, entworfen vom österreichischen Architekten Alexander Wittek.
Kann man das Wasser aus dem Sebilj-Brunnen trinken?
Ja, das Wasser aus dem Sebilj ist Trinkwasser. Es ist frisches, kühles Wasser, das aus den Quellen des Berges Trebević stammt und durch ein unterirdisches Aquädukt aus dem 16. Jahrhundert hierher geleitet wird.
Was bedeutet das Wort „Sebilj“?
Das Wort „Sebilj“ stammt aus dem Arabischen und bedeutet „öffentlicher Brunnen“ oder „ein Ort, an dem Wasser gegeben wird“. Dies spiegelt seinen traditionellen Zweck als wohltätiger Wasserspender für die Öffentlichkeit wider.



