
Plava Voda: Travniks historische Blaue Quelle
Im Herzen der Altstadt von Travnik, am Fuße des Vlašić-Gebirges und unterhalb der Burg der Stadt, liegt Plava Voda, die Blaue Quelle. Diese mächtige Karstquelle entspringt einem großen Felsspalt und bildet einen kurzen, gleichnamigen Fluss mit bemerkenswert klarem Wasser. Die Kulturlandschaft von Plava Voda wurde 2013 zum Nationaldenkmal von Bosnien und Herzegowina erklärt.
Der Fluss, der aus der Quelle entspringt, fließt nur 350 Meter, bevor er in die Lašva mündet. Heute ist die Gegend ein beliebtes Ziel für Einheimische und Touristen, gesäumt von Cafés und Restaurants, die traditionelle bosnische Küche anbieten. Sie dient als ruhiger Ort für gemütliche Spaziergänge, zum Fotografieren und zur Entspannung und ist gleichzeitig nach wie vor die wichtigste Trinkwasserquelle von Travnik.
Ein Zentrum von Geschichte und Industrie
Jahrhundertelang war Plava Voda für die Entwicklung von Travnik von grundlegender Bedeutung. Ihre starke Strömung trieb zahlreiche Wassermühlen an und war für die örtlichen Gerbereien unerlässlich, die mit Holzstangen im Wasser Eichenrinde verarbeiteten. Die Rolle der Quelle für die Industrialisierung der Stadt wurde 1906 mit der Errichtung eines kleinen Wasserkraftwerks zementiert.
Dieser von der tschechischen Firma Franjo Krizik erbaute Damm mit Kraftwerk erzeugte den ersten Strom für Travnik, ein Meilenstein, der der Elektrifizierung vieler anderer Städte im ehemaligen Jugoslawien vorausging.
Kulturelle und literarische Bedeutung
Plava Voda ist tief in das kulturelle Gefüge von Travnik eingewoben. In der Gegend befindet sich Lutvina Kahva, ein historisches Kaffeehaus aus dem 19. Jahrhundert. Dieses Kaffeehaus nimmt in der Geschichte einen besonderen Platz ein, dank eines Besuchs von Erzherzog Rudolf, dem Kronprinzen von Österreich-Ungarn, am 18. Juni 1887. Berühmterweise bezahlte er seinen Kaffee mit einem Dukaten, der zusammen mit dem Kaffeeservice aufbewahrt und ausgestellt wurde, weshalb das Kaffeehaus auch als ‚Rudolfs Taverne‘ bekannt wurde.
Der Ort hat auch eine starke literarische Verbindung durch den Nobelpreisträger Ivo Andrić. Sein Roman ‚Wesire und Konsuln‘ (‚Travnička hronika‘) beginnt und endet im Lutvina Kahva. Die historische Tiefe des Ortes wird durch das monumentale Grabmal (Turbe) von Mufti Mehmed Efendi und seiner Frau Ajiša, das sich hinter dem Kaffeehaus befindet, noch verstärkt.
Plava Voda heute
Plava Voda ist auch heute noch ein pulsierendes Zentrum des Lebens in Travnik. Der Fluss dient als Laichgrund für Salmonidenarten wie die Bachforelle und beherbergt zwei Fischzuchtbecken. Die Gegend ist ein beliebter Treffpunkt, und ein neues Luxushotel, entworfen vom Architekten Amir Vuk Zec, befindet sich im Bau. Es soll modernen Luxus mit bosnischer Tradition verbinden.
Obwohl die Quelle ein geschätztes Natur- und Kulturgut ist, gibt es anhaltende Diskussionen und Bedenken hinsichtlich eines regionalen Wasserversorgungsprojekts, das die natürliche Schüttung der Quelle beeinträchtigen könnte.
FAQ
Was ist Plava Voda?
Plava Voda, die Blaue Quelle, ist eine große Karstquelle in der Altstadt von Travnik. Sie bildet einen 350 Meter langen Fluss und ist ein ausgewiesenes Nationaldenkmal von Bosnien und Herzegowina.
Warum ist das Kaffeehaus Lutvina Kahva an der Plava Voda berühmt?
Lutvina Kahva ist ein historisches Kaffeehaus aus dem 19. Jahrhundert. Es ist bekannt, weil es in Ivo Andrićs Roman ‚Wesire und Konsuln‘ vorkommt und weil Erzherzog Rudolf von Österreich-Ungarn ihm 1887 einen berühmten Besuch abstattete, bei dem er seinen Kaffee mit einem Golddukaten bezahlte.
Wurde an der Plava Voda Strom erzeugt?
Ja, 1906 wurde an der Plava Voda ein kleines Wasserkraftwerk errichtet. Es wurde von einer tschechischen Firma gebaut und versorgte die Stadt Travnik mit ihrem ersten elektrischen Strom.



