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St.-Jakobs-Kirche in Brünn: Geschichte und Turmfigur

Brno, Czechia

Hoch oben auf Mährens höchstem Kirchturm streckt eine winzige Steinfigur einer rivalisierenden Kathedrale seit Jahrhunderten ihren blanken Hintern entgegen. Die St.-Jakobs-Kirche (Kostel sv. Jakuba) ist eine spätgotische, dreischiffige Hallenkirche am Jakubské náměstí, direkt nördlich des Freiheitsplatzes im Zentrum von Brünn. Als nationales Kulturdenkmal Tschechiens verkörpert sie auf steinerne Weise die jahrhundertealte bürgerliche und architektonische Rivalität zwischen der Pfarrei des Unterstadt-Bürgertums und der Kathedrale auf der Höhe der Stadt.

Das unanständige Männlein

Hoch oben am südlichen Fensterbogen des Turms sitzt eine kleine spätgotische Steinfigur, bekannt als „Nehaňba“ oder „Neslušný mužíček“ (das unanständige Männlein). Um die unscheinbare Figur zu entdecken, muss man sich unten auf den Platz stellen und den Hals weit zum hohen Maßwerk des Fensters strecken. Vor der emporragenden Fassade übersieht man sie nur zu leicht.

Aus der Straßenperspektive sieht sie wie ein einzelner kleiner Mann aus, doch bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die Skulptur als doppelköpfige Doppelfigur. Ihr entblößter Hintern zeigt schnurgerade nach Süden, exakt auf die rivalisierende Kathedrale St. Peter und Paul auf dem Petrov-Hügel.

Der örtlichen Überlieferung nach war die Figur eine freche Geste, nachdem St. Jakob den Wettbewerb um den höchsten Turm der Stadt gegen die Kathedrale St. Peter und Paul gewonnen hatte. Eine andere Legende erzählt von einem vertriebenen Baumeister, der das unanständige Männchen als Abschiedsgruß für die neidischen Förderer auf dem Petrov meißelte, die ihn mit politischem Einfluss aus Brünn gejagt hatten. Trotz dieser farbenfrohen Geschichten weisen Historiker darauf hin, dass humorvolle und deftige Steingrotesken in ganz Europa eine etablierte Tradition gotischer Bauschmuckkunst waren.

Acht Jahrhunderte Geschichte

Die erste schriftlich erwähnte romanische Kirche an dieser Stelle wurde zwischen 1228 und 1231 für deutsche, flämische und wallonische Siedler geweiht, die sich im mittelalterlichen Brünn niederließen. Sie wurde später durch einen hochgotischen Bau ersetzt, bevor ab Mitte des 15. Jahrhunderts unter Baumeistern wie Anton Pilgram die heutige spätgotische Gestalt entstand. Der italienische Architekt Antonio Gabri errichtete zwischen 1581 und 1592 den Hauptturm samt Helm.

Im Inneren befindet sich das Grab von Feldmarschall Jean-Louis Raduit de Souches, dem Militärkommandanten, der Brünn 1645 während der schwedischen Belagerung verteidigte. Im Laufe der Jahrhunderte erhielt die Kirche in den 1750er- und 1760er-Jahren barocke Marmoraltäre, gefolgt von einer neugotischen Restaurierung unter Heinrich von Ferstel in den 1870er-Jahren.

Moderne Restaurierung und heutige Nutzung

Nach einer dreijährigen Restaurierung wurde die Kirche im Juni 2024 als aktive katholische Pfarrkirche wieder für die Öffentlichkeit geöffnet. Der beeindruckende Turm misst zwischen 92 und 94 Meter und ist damit der höchste Kirchturm Mährens.

Besucher können den vierstöckigen hölzernen Dachstuhl erkunden, in dem eine audiovisuelle Hologramm-Lichtshow geboten wird. Führungen auf den Turm bieten Zugang zu historischen Glocken, darunter eine gewaltige, 7,5 Tonnen schwere Glocke, sowie zu alten Uhrwerken und einer Aussichtsplattform in 43 Metern Höhe. Direkt neben der Kirche befindet sich der Eingang zum Gebeinhaus St. Jakob, das 2001 entdeckt wurde und heute als eigenständige Gedenkstätte zugänglich ist.

FAQ

Was hat es mit der Statue am Turm der St.-Jakobs-Kirche auf sich?

Hoch oben am südlichen Fensterbogen des Turms sitzt eine spätgotische Steinfigur, bekannt als „das unanständige Männlein“ (Neslušný mužíček). Sie zeigt eine doppelköpfige Gestalt mit entblößtem Hintern, der direkt auf die rivalisierende Kathedrale St. Peter und Paul auf dem Petrov-Hügel gerichtet ist.

Wie hoch ist die St.-Jakobs-Kirche in Brünn?

Der Kirchturm misst zwischen 92 und 94 Meter und ist damit der höchste Kirchturm in der Region Mähren.

Kann man die St.-Jakobs-Kirche besichtigen?

Ja, nach einer dreijährigen Restaurierung ist die Kirche seit Juni 2024 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Besucher können den Innenraum besichtigen, den vierstöckigen hölzernen Dachstuhl mit seiner Hologramm-Lichtshow erkunden und eine Aussichtsplattform in 43 Metern Höhe auf dem Turm besuchen.

Wer ist in der St.-Jakobs-Kirche begraben?

In der Kirche befindet sich das Grab von Feldmarschall Jean-Louis Raduit de Souches, dem Militärkommandanten, der Brünn 1645 während der schwedischen Belagerung erfolgreich verteidigte.

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