
Collégiale Saint-Martin de Colmar: Ein gotisches Juwel
Die Stiftskirche Sankt Martin, eine monumentale römisch-katholische Kirche, ist ein Hauptwerk der elsässischen Gotik und das bedeutendste Sakralgebäude in Colmar. Sie liegt am treffend benannten Place de la Cathédrale, dessen Bild sie mit ihrer eindrucksvollen Silhouette und ihrem alten Gestein beherrscht. Obwohl sie weithin als das Colmarer Münster bekannt ist, ist ihre Geschichte komplexer, als der Name vermuten lässt.
Eine jahrhundertelange Geschichte
Die religiöse Geschichte des Ortes reicht mit einer frühen Kapelle bis in die Zeit vor dem Jahr 1000 zurück. Nach einem Brand im Jahr 1106 wurde eine romanische Kirche errichtet, die später durch den heutigen gotischen Bau ersetzt wurde. Der Bau der Stiftskirche Sankt Martin erstreckte sich von 1235 bis 1365. Zu den wichtigsten Architekten zählten Maître Humbret, der das Querschiff und das Langhaus entwarf, und Guillaume de Marbourg, der für den Chor verantwortlich war.
Ein entscheidender Moment in ihrer Geschichte ereignete sich während der Französischen Revolution. Von 1790 bis 1801/1802 wurde die Kirche für das Departement Haut-Rhin kurzzeitig in den Rang einer „konstitutionellen Kathedrale“ erhoben. Diesen Titel verlor sie nach dem Konkordat wieder, doch der volkstümliche Name „Colmarer Münster“ hat sich bis heute gehalten. 1840 wurde das Gebäude als historisches Denkmal eingestuft, was seine kulturelle Bedeutung festigte.
Architektonische Höhepunkte
Die Kirche wurde aus Vogesensandstein erbaut, der in Farbtönen von hellem Gelb bis Violett schimmert, und ist ein Paradebeispiel für den regionalen gotischen Stil. Eines ihrer markantesten Merkmale ist der einzelne Südturm, da der geplante Nordturm nie gebaut wurde. Dieser Turm wird von einer einzigartigen, zwiebelförmigen Laterne im Renaissancestil gekrönt, die 1575 hinzugefügt wurde, nachdem ein Brand 1572 den ursprünglichen Turmhelm und das Dach zerstört hatte.
Zu ihren versteckten Kuriositäten gehört eine Glocke mit „doppeltem Geläut“. Zwei Minuten nach dem ersten Läuten ertönt ein zweiter Schlag von einer Glocke in der Laterne, eine Besonderheit, die sogar den Zweiten Weltkrieg überdauert hat.
Die Kirche heute
Heute dient die Stiftskirche Sankt Martin als aktive römisch-katholische Pfarrkirche und als lebendiges kulturelles Zentrum, in dem Konzerte und Ausstellungen stattfinden. Sie ist nach wie vor eine Hauptattraktion für Besucher, die ihre Architektur, die Glasfenster und die historischen Orgeln bewundern. Auch ein Storchenpaar, liebevoll „Martin und Martine“ genannt, ist auf der Kirche zu Hause und nistet jedes Jahr auf einem der Türme.
Um ihren Erhalt für zukünftige Generationen zu sichern, wurde 2024 ein groß angelegtes Restaurierungsprojekt begonnen, das 2030 abgeschlossen sein soll. Diese umfassenden Arbeiten erstrecken sich auf die Fassaden, Skulpturen, das Dach und die Statik der Kirche.
FAQ
Warum wird die Martinskirche oft als Colmarer Münster bezeichnet?
Sie wurde während der Französischen Revolution, von 1790 bis 1801/1802, für das Departement Haut-Rhin kurzzeitig zur „konstitutionellen Kathedrale“ ernannt. Obwohl sie diesen offiziellen Status wieder verlor, ist der Name bei Einheimischen und Besuchern beliebt geblieben.
Was ist das markante Merkmal auf der Spitze des Kirchturms?
Den Südturm krönt eine einzigartige zwiebelförmige Laterne. Dieses Element im Renaissancestil war nicht Teil des ursprünglichen gotischen Entwurfs, sondern wurde 1575 hinzugefügt, nachdem ein Brand 1572 den ursprünglichen Turmhelm zerstört hatte.
Wann wurde die Stiftskirche Sankt Martin erbaut?
Die heutige gotische Kirche wurde über einen langen Zeitraum von 1235 bis 1365 erbaut. Sie ersetzte eine frühere romanische Kirche am selben Ort, die wiederum auf eine Kapelle aus der Zeit vor dem Jahr 1000 folgte.
Gibt es wirklich Störche auf der Kirche?
Ja, ein Storchenpaar mit dem liebevollen Spitznamen „Martin und Martine“ kehrt jedes Jahr zurück, um auf einem der Kirchtürme zu nisten und dort seine Jungen aufzuziehen.



