Ziel

Kathedrale Notre-Dame: Fassade, Könige und Point Zéro

Paris, France

Die monumentale Westfassade

Mitten auf der Île de la Cité im historischen Herzen von Paris besitzt die Kathedrale Notre-Dame eine der berühmtesten gotischen Fassaden überhaupt. Die Westfront misst rund 41 bis 43,5 Meter in der Breite und ragt bis zu den Spitzen ihrer beiden viereckigen Türme stolze 69 Meter in die Höhe. Der Bau dieser gewaltigen Steinwand begann um 1200 und fand zwischen 1240 und 1250 seinen Abschluss.

Direkt über den drei mächtigen Eingangsportalen verläuft die Königsgalerie. Auf diesem markanten Querband stehen 28 Steinfiguren hoch über dem Vorplatz. Sie stellen die biblischen Könige von Juda dar, die Vorfahren Christi.

Fall und Rückkehr der Könige

Die Statuen, die heute die Königsgalerie zieren, sind keine mittelalterlichen Originale. 1793, auf dem Höhepunkt der Französischen Revolution, verwechselte die antimonarchistische Menge die biblischen Herrscher mit französischen Königen. Der Mob riss die Skulpturen von der Fassade und köpfte sie unten auf dem Platz.

Jahrzehnte später entfachte Victor Hugos Roman von 1831 neue Begeisterung für das Bauwerk. Der Architekt Eugène Viollet-le-Duc leitete im 19. Jahrhundert eine umfassende Restaurierung in die Wege und beauftragte den Bildhauer Adolphe-Victor Geoffroy-Dechaume damit, die 28 fehlenden Figuren neu zu schaffen.

Was aus den echten Statuen des 13. Jahrhunderts geworden war, blieb bis 1977 ein Rätsel. Bei Bauarbeiten im Keller einer Bank in der Rue de la Chaussée-d’Antin stießen Arbeiter schließlich auf 21 der originalen, abgeschlagenen Köpfe, die in den Wirren der Revolution mit dem Gesicht nach unten vergraben worden waren.

Chimären des 19. Jahrhunderts

Zu den berühmtesten Skulpturen der Kathedrale gehören die düsteren Steinungeheuer auf den oberen Balustraden, allen voran der legendäre Le Stryge, der versonnen den Kopf in die Hände stützt. Auch wenn man sie oft für mittelalterliche Wasserspeier hält: Diese Wesen dienen nicht dem Wasserabfluss und stammen keineswegs aus dem Mittelalter.

Es handelt sich um rein dekorative Chimären, die komplett in den 1850er-Jahren entstanden. Viollet-le-Duc entwarf sie, Bildhauer Emmanuel Frémiet schlug sie in Stein, mitten im Geist der Neugotik der Romantik.

Point Zéro und der Parvis

Der weite gepflasterte Platz vor der Kathedrale, der sogenannte Parvis, ist ein lebendiger Treffpunkt für Besucher und Gläubige. Direkt in das Steinpflaster eingelassen ist der Point Zéro des routes de France, ein achteckiges Medaillon aus Stein und Bronze, eingeweiht im Jahr 1924.

Diese bronzene Windrose markiert den nationalen Bezugspunkt, von dem aus alle Entfernungen französischer Fernstraßen offiziell gemessen werden. Wenn Straßenschilder in ganz Frankreich die Distanz nach Paris anzeigen, endet die Messung genau an dieser Plakette und nicht etwa an der Stadtgrenze. Glatt und glänzend gelaufen von den Schuhen von Millionen Passanten, ranken sich um die Bronze zahlreiche Bräuche: Man dreht sich auf einem Fuß darauf im Kreis oder wirft Münzen darauf, um die eigene Rückkehr nach Paris zu sichern.

Jahrhunderte vor dieser geografischen Markierung erfüllte derselbe Ort eine weitaus unbarmherzigere Funktion. Im Mittelalter stand hier die échelle de justice (die Leiter der Gerechtigkeit), von der aus Urteile öffentlich vor der versammelten Menge verkündet wurden.

Nach dem verheerenden Brand im April 2019 wurde die Kathedrale aufwendig restauriert, um wie geplant im Dezember 2024 wieder zu öffnen. Der Parvis und der Point Zéro bleiben dabei zentrale Fixpunkte auf dem Vorplatz dieses weltberühmten Wahrzeichens.

FAQ

Was ist der Point Zéro vor der Kathedrale Notre-Dame?

Der 1924 eingeweihte Point Zéro des routes de France ist ein achteckiges Medaillon aus Stein und Bronze im Pflaster des Parvis. Er dient als offizieller Bezugspunkt, von dem aus alle Straßenentfernungen nach Paris berechnet werden.

Sind die Statuen der Königsgalerie mittelalterliche Originale?

Nein. Die ursprünglichen Statuen aus dem 13. Jahrhundert wurden 1793 während der Französischen Revolution gestürzt und geköpft, weil man sie fälschlicherweise für französische Monarchen hielt. Die heutigen Statuen wurden im 19. Jahrhundert vom Bildhauer Adolphe-Victor Geoffroy-Dechaume unter Architekt Eugène Viollet-le-Duc neu geschaffen.

Dienen die berühmten Ungeheuer auf Notre-Dame als Wasserspeier?

Nein. Grüblerische Gestalten wie *Le Stryge* sind rein dekorative Chimären und keine funktionalen Wasserspeier. Sie wurden in den 1850er-Jahren von Viollet-le-Duc und dem Bildhauer Emmanuel Frémiet auf den Balustraden platziert.