Lohmühle: Deutschlands letzte funktionstüchtige Lohmühle - Goslar
© Photo by Torsten Hartmann via Google Maps
Ziel

Lohmühle: Deutschlands letzte funktionstüchtige Lohmühle

Goslar, Germany

Lausche dem rhythmischen Hämmern der letzten voll funktionsfähigen Lohstampfmühle Deutschlands, dem mechanischen Herzen des mittelalterlichen Handwerks in Goslar. Die Lohmühle am Klapperhagen 1, direkt an der Abzucht, ist eine Fachwerkwassermühle aus dem 16. Jahrhundert. Bereits seit dem 12. Jahrhundert wird an diesem Ort gemahlen. Die Mühle erinnert eindrucksvoll an die wasserbetriebenen Werkstätten, die Goslar im Mittelalter reich machten.

Goslars wasserbetriebenes Handwerk

Einst klapperten rund 40 Wassermühlen an den Goslarer Wasserläufen, um Metallverarbeitung, Lebensmittelproduktion und Handwerksbetriebe anzutreiben. Die Lohmühle zerkleinerte Baumrinde von Eichen, Fichten und Tannen zu feinem Pulver. Aus diesem Mahlgut gewannen die örtlichen Zunfthandwerker unverzichtbare Gerbstoffe für die Lederherstellung.

Die Mühle liegt auf dem Verbindungsweg zwischen den kaiserlichen und kirchlichen Prachtbauten wie dem Areal der Kaiserpfalz und den historischen Wasserläufen der Arbeiterviertel. Während Paläste meist die Geschichtsbücher beherrschen, steht diese Mühle für die handfeste Wirtschaft, die der Stadt neben dem berühmten Erzbergwerk Rammelsberg ihren Wohlstand sicherte.

Ein mechanisches Meisterwerk

Hier regieren die Sinne: Das Rauschen der Abzucht treibt ein schweres hölzernes Wasserrad an. Im sichtbaren Fachwerkgebälk scheppern und stampfen hölzerne Stoßbalken und Zahnräder im Takt. Einer lokalen Anekdote zufolge verdankt die benachbarte Straße Klapperhagen ihren Namen genau diesem mechanischen Geklapper.

Das Besondere an der Anlage ist die rein mechanische Kraftübertragung. Ein ausgeklügeltes Zahnradsystem verteilt die Energie des einzelnen Außenwasserrads auf mehrere Stampfwerke, ganz ohne moderne Motoren oder Strom.

Denkmalpflege und heutige Nutzung

Mit dem Aufkommen chemischer Gerbverfahren im frühen 20. Jahrhundert verlor das traditionelle Lohmahlen seine wirtschaftliche Bedeutung. Um dieses Industriedenkmal zu bewahren, wurden Gebäude und Maschinerie zwischen 2011 und 2013 umfassend restauriert. Ende 2024 erneuerte die Stadt Goslar zudem das äußere Wasserrad komplett.

Der Wasserzulauf zum Rad wird aus ökologischen Gründen streng reguliert. Bei sommerlicher Trockenheit steht das Rad still, um die Forellen in der Abzucht zu schützen.

Heute dient das Gebäude als geschütztes technisches Denkmal und beherbergt das Zinnfigurenmuseum Goslar. Bei Führungen, meist am ersten Samstag im Monat, wird das historische Stampfwerk live vorgeführt. Gleich nebenan im historischen Ensemble laden zudem eine traditionelle Gaststätte und ein Biergarten zur Einkehr ein.

FAQ

Wofür wurde die Lohmühle genutzt?

Die Lohmühle diente als Rindenmühle. Sie zermahlte Eichen-, Fichten- und Tannenrinde zu feinem Pulver, um Gerbstoffe zu gewinnen, die die Gerber vor Ort für die Lederherstellung nutzten.

Funktioniert die Mühlentechnik heute noch?

Ja, die Lohmühle ist die einzige vollständig erhaltene und funktionstüchtige Lohstampfmühle in Deutschland. Sie läuft über ein rein mechanisches Zahnradsystem, das von einem außen liegenden Wasserrad angetrieben wird.

Wo befindet sich die Lohmühle in Goslar?

Die Mühle liegt am Klapperhagen 1 direkt an der Abzucht, auf dem Verbindungsweg zwischen dem Marktviertel und dem Areal der Kaiserpfalz.

Was befindet sich heute noch im Mühlenkomplex?

Heute beherbergt das Gebäude das Zinnfigurenmuseum Goslar. In den angrenzenden Teilen des historischen Ensembles befinden sich außerdem ein traditionelles Wirtshaus und ein Biergarten.

Tours featuring Lohmühle

More places in Goslar