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Stuttgarter Hauptbahnhof: Architektur und Geschichte

Stuttgart, Germany

Vom Arnulf-Klett-Platz aus wird der Blick auf den Stuttgarter Hauptbahnhof von einem 56 Meter hohen Steinturm dominiert: Hoch oben dreht sich gemächlich ein mechanischer Mercedes-Benz-Stern über einer monumental-strengen Kalksteinfassade. Am nordöstlichen Ende der Königstraße, Stuttgarts Haupteinkaufsmeile, schirmt der Bahnhof das Stadtzentrum von den weitläufigen Grünanlagen des Schlossgartens ab.

Die Architektur des Bonatzbaus

Das historische Bahnhofsgebäude, bekannt als Bonatzbau, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts entworfen, um den alten, überlasteten Kopfbahnhof abzulösen. Geplant von den Architekten Paul Bonatz und Friedrich Eugen Scholer, erstreckte sich der Bau über die Jahre 1914 bis 1928. Wegen der kriegsbedingten Materialknappheit im Ersten Weltkrieg und des laufenden Zugbetriebs wurde schrittweise gebaut, der erste Teil ging 1922 in Betrieb.

Architektonisch verbindet das Gebäude Neue Sachlichkeit mit monumentaler Frühmoderne. Außen prägt eine wuchtige, blockhafte Fassade aus grob behauenem Kalkstein das Bild, hinter der sich eine Konstruktion aus Ziegeln, Beton und Sandstein verbirgt.

Der historische Uhrturm

Der 56 Meter hohe, zwölfstöckige Steinturm mit seiner Uhr ist exakt auf die Achse der Königstraße ausgerichtet. Als der Turm 1916 fertiggestellt wurde, beherbergte er im obersten Stockwerk ein Restaurant und einen privaten königlichen Wartesalon für König Wilhelm II. von Württemberg.

Auf der Turmspitze thront ein rotierender, beleuchteter Mercedes-Benz-Stern aus Stahl und Glas mit einem Durchmesser von 4,2 Metern. Seit 1952 montiert, gilt das Emblem als weithin sichtbares Symbol für Stuttgarts automobile Tradition. Unter der Erde ruht der Turm auf fast 290 Gründungspfählen, die zehn bis elf Meter tief verankert sind. In Fachkreisen wurde lange darüber debattiert, ob diese historischen Pfähle aus gerammtem Eichenholz oder frühem Stahlbeton bestehen.

Stuttgart 21 und die moderne Bahnsteighalle

Der Bahnhof ist Stuttgarts zentraler Verkehrsknotenpunkt und bewältigt den regionalen, nationalen und internationalen Bahnverkehr ebenso wie unterirdische S- und Stadtbahnlinien.

Zwischen 2010 und 2012 wurde der Komplex zum Mittelpunkt massiver Bürgerproteste gegen „Stuttgart 21“, ein milliardenschweres Projekt zum Umbau des oberirdischen Kopfbahnhofs in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof. Im Zuge des kontroversen Vorhabens wurden die historischen Nord- und Südflügel des Gebäudes samt Schlossgartenflügel abgerissen.

Heute dient der erhaltene Bonatzbau als repräsentativer Eingang zur neuen unterirdischen Bahnsteighalle nach den Plänen von Christoph Ingenhoven. Geprägt wird dieser unterirdische Raum von 28 skulpturalen, kelchförmigen Betonstützen mit markanten „Lichtaugen“.

Die Hegel-Inschrift

Seit 2002 ziert ein Leuchtzitat des gebürtigen Stuttgarter Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel die Fassade: „... daß diese Furcht zu irren schon der Irrtum selbst ist“. In den hitzigen Debatten und Demonstrationen rund um das Projekt Stuttgart 21 entfaltete dieser philosophische Satz eine unerwartete, feine Ironie, für Protestierende und Bauherren gleichermaßen.

FAQ

Welcher Architekturstil prägt den Stuttgarter Hauptbahnhof?

Das historische Empfangsgebäude, der sogenannte Bonatzbau, vereint monumentale Frühmoderne mit Neuer Sachlichkeit. Seine Fassade aus grob behauenem Kalkstein verbirgt ein inneres Tragwerk aus Ziegeln, Beton und Sandstein.

Wann wurde der Mercedes-Benz-Stern auf dem Bahnhof montiert?

Der 4,2 Meter große, rotierende und beleuchtete Mercedes-Benz-Stern wurde 1952 auf dem 56 Meter hohen Uhrturm angebracht, um die automobile Tradition der Stadt zu würdigen.

Was ist das Projekt Stuttgart 21?

Stuttgart 21 ist ein gewaltiges Infrastrukturprojekt, das den Bahnhof von einem oberirdischen Kopfbahnhof in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof umwandelt. Das Vorhaben löste zwischen 2010 und 2012 massive Bürgerproteste aus und führte zum Abriss der historischen Nord- und Südflügel des Gebäudes.

Wozu diente der Bahnhofsturm ursprünglich?

Nach seiner Fertigstellung 1916 beherbergte der zwölfstöckige Uhrturm im obersten Stockwerk ein Restaurant sowie einen privaten königlichen Wartesalon für König Wilhelm II. von Württemberg.