Festung Palamidi: Nafplios historische venezianische Zitadelle
Ein Meisterwerk venezianischer Ingenieurskunst
Auf einem 216 Meter hohen, steilen Kalksteinhügel über Nafplio thront die Festung Palamidi, ein beeindruckendes Beispiel barocker Militärarchitektur. Erbaut während der zweiten venezianischen Herrschaft über die Peloponnes, wurde die Anlage zwischen 1711 und 1714 vollendet. Die Ingenieure Antonio Giaxich und Pierre de la Salle entwarfen acht terrassierte, voneinander unabhängige Bastionen. Diese waren strategisch durch Wehrmauern verbunden: Fiel eine Bastion, konnten die anderen die Verteidigung eigenständig fortsetzen. Blickt man von der Stadt nach oben, ragt eine schroffe Kalksteinwand auf, beherrscht von kaskadenartigen Steinwällen, Zinnen und einer im Zickzack an den Fels geklammerten, überdachten Treppe.
Die uneinnehmbare Zitadelle, die fiel
Venedig pumpte gewaltige Summen aus seiner Schatzkammer und drei Jahre harter Arbeit in das Projekt, um die ultimative Festung des Mittelmeers zu errichten. Doch trotz modernster Bauweise fiel die Anlage bereits 1715 an osmanische Angreifer, kaum ein Jahr nach ihrer Fertigstellung. In einer überraschenden Wendung verloren die venezianischen Truppen nach nur rund zwei Wochen Kampf die Kontrolle über das gewaltige Bauwerk.
Revolution und Gefängnisjahre
Im griechischen Unabhängigkeitskrieg spielte die Festung eine entscheidende Rolle. In der Nacht zum 29. November 1822 wagten griechische Kämpfer unter Staikos Staikopoulos einen Überraschungsangriff auf die Achilles-Bastion. Das zwang die osmanische Besatzung dazu, Nafplio an General Theodoros Kolokotronis zu übergeben. Da die Befreiung am 30. November endete, dem Festtag des heiligen Andreas, wurden die zentrale Bastion und ihre tonnengewölbte Kapelle dem Agios Andreas geweiht. Von 1840 bis 1926 diente der Komplex als Hochsicherheitsgefängnis für Langzeithäftlinge. Bittere Ironie der Geschichte: Ausgerechnet Theodoros Kolokotronis selbst schmorte von 1834 bis 1835 unter dem Vorwurf des Hochverrats in einem sonnenlosen Verlies der Miltiades-Bastion.
Mythen und moderne Bedeutung
Da Nafplio von 1827 bis 1834 die erste Hauptstadt des neu gegründeten griechischen Staates war, erwies sich die Kontrolle über die Festung Palamidi als der entscheidende Schlüssel zur Macht in diesen prägenden Jahren. Der Hügel selbst verdankt seinen Namen Palamedes, dem mythologischen Erfinder, der einst Odysseus' vorgetäuschten Wahnsinn vor dem Trojanischen Krieg entlarvt haben soll. Einer beliebten lokalen Legende nach zählt die Festungstreppe 999 Stufen, während die tausendste vom Huf von Kolokotronis' Pferd zerschmettert worden sein soll. In Wirklichkeit führen 857 Stufen zum Haupttor hinauf, erbaut von Strafgefangenen unter König Otto. Heute wird die Stätte vom griechischen Kulturministerium als archäologisches Freilichtmonument betreut. Jeden 30. November feiert Nafplio den Jahrestag seiner Befreiung mit Gottesdiensten in der Kapelle von Agios Andreas.
FAQ
Wie viele Stufen führen zur Festung Palamidi?
Während die lokale Legende von 999 Stufen erzählt, führen in Wirklichkeit 857 Stufen hinauf zum Haupttor. Sie wurden während der Herrschaft von König Otto von Strafgefangenen errichtet.
Wer baute die Festung Palamidi?
Die Festung wurde während der zweiten venezianischen Herrschaft über die Peloponnes in Auftrag gegeben. Die Ingenieure Antonio Giaxich und Pierre de la Salle entwarfen die Anlage, die zwischen 1711 und 1714 errichtet wurde.
War Theodoros Kolokotronis auf der Festung Palamidi inhaftiert?
Ja, der berühmte griechische Revolutionsheld war von 1834 bis 1835 wegen Hochverrats in einem sonnenlosen Verlies der Miltiades-Bastion eingesperrt.
