
Die Ritterstraße auf Rhodos: Ein mittelalterlicher Reiseführer
Die Ritterstraße auf Rhodos ist ein bemerkenswertes Beispiel gotischer Stadtplanung. Ihr scheinbar perfektes mittelalterliches Erscheinungsbild ist jedoch größtenteils das Ergebnis umfassender Restaurierungen im 20. Jahrhundert. Die italienischen Behörden rekonstruierten die Straße sorgfältig, entfernten bewusst Anbauten aus der osmanischen Zeit wie Holzbalkone, um eine einheitliche gotische Ästhetik des 15. Jahrhunderts durchzusetzen, und schufen so das Geschichtsbild, das wir heute sehen.
Das Herz der Johanniterwelt
Die im 14. Jahrhundert vom Johanniterorden, auch bekannt als Orden des Heiligen Johannes, erbaute Straße war das Verwaltungs- und Wohnzentrum ihres Viertels. Ihre ungewöhnlich gerade und breite Anlage war für militärische Manöver und die Verteidigung konzipiert und verband strategisch den Großmeisterpalast am oberen Ende mit dem Hospital der Ritter und dem Hafen am unteren Ende. Die Straße diente dem Orden auch als zeremonielle Achse für wichtige Prozessionen.
Die Straße war von „Auberges“ oder Herbergen für die verschiedenen „Zungen“ des Ordens – die nationalen Gliederungen der Ritter – gesäumt. Jede Auberge beherbergte Ritter einer bestimmten Nationalität. Wichtige Persönlichkeiten wie die Großmeister Jean de Lastic, Pierre d'Aubusson und Fabrizio del Carretto leiteten den Bau und die Erweiterung bedeutender Gebäude entlang der Straße, darunter das Hospital und die Auberge d'Italie.
Eine Geschichte von Belagerungen und Wandel
Die Johanniter herrschten von 1309 bis 1522 über Rhodos. In dieser Zeit war die Ritterstraße eine wichtige Verteidigungsstellung. Bei der erfolglosen osmanischen Belagerung von 1480 sollen die Verteidiger brennende Fässer die Straße hinuntergerollt und brennendes Öl auf die Angreifer gegossen haben. Brandspuren von diesem Ereignis sind noch heute an einem der auskragenden Balkone zu sehen. Die Herrschaft der Ritter endete nach der erfolgreichen Belagerung von 1522 unter der Führung von Süleyman dem Prächtigen, die sie zur Kapitulation und zum Abzug zwang.
Ein weiteres bedeutendes Ereignis fand 1856 statt, als ein Blitz in eine nahegelegene Kirche einschlug und in deren Kellern gelagertes Schießpulver entzündete. Die daraus resultierende Explosion zerstörte Teile des oberen Großmeisterpalastes und der nördlichen Altstadt.
Architektur und moderne Restaurierung
Die Architektur der Straße ist überwiegend gotisch, mit einigen fränkischen und byzantinischen Verzierungen. Während viele der Herbergen aus dem 15. und 16. Jahrhundert stammen, wurde das heutige Erscheinungsbild der Straße stark durch die italienischen Restaurierungen in den 1910er und 1930er Jahren geprägt. Diese Bemühungen zielten darauf ab, eine romantisierte Vision des Mittelalters zu schaffen, indem spätere historische Schichten entfernt wurden, um einen einheitlichen gotischen Stil zu erzielen.
Trotz der Rekonstruktionen sind originale mittelalterliche Details erhalten geblieben. Winzige Steinmetzzeichen, wie Zirkel und Sterne, finden sich an den Basen von Türstürzen und weisen auf die multinationalen Bautrupps hin, die die Straße errichteten. Eine halb zugemauerte Türöffnung in der Nähe der Auberge d'Aragon zeigt das lateinische Motto „Deus lo vult“ (Gott will es).
Die Ritterstraße heute
Heute ist die Ritterstraße eine reine Fußgängerzone und Touristenattraktion. Die historischen Auberges wurden umfunktioniert. Die Auberge de France zum Beispiel dient heute als französisches Konsulat. Das ehemalige Hospital der Ritter beherbergt das Archäologische Museum von Rhodos, und der restaurierte Großmeisterpalast am oberen Ende der Straße ist ebenfalls ein Museum. Die historischen Gebäude beherbergen zudem verschiedene Geschäfte und Restaurants und machen die Straße zu einem lebendigen Teil der Altstadt von Rhodos.
FAQ
Wann wurde die Ritterstraße auf Rhodos gebaut?
Die Ritterstraße wurde im 14. Jahrhundert vom Johanniterorden erbaut, wobei viele ihrer Herbergen oder „Auberges“ aus dem 15. und 16. Jahrhundert stammen.
Wer waren die Johanniter?
Die Johanniter, auch Hospitaliter genannt, waren ein christlicher Militär- und Krankenpflegeorden, der von 1309 bis 1522 über Rhodos herrschte. Sie waren für ihre medizinische Arbeit und ihre militärische Expertise bekannt.
Ist das mittelalterliche Erscheinungsbild der Ritterstraße authentisch?
Die Straße wurde im 20. Jahrhundert von den italienischen Behörden umfassend rekonstruiert. Sie entfernten Anbauten aus der osmanischen Zeit, um ein einheitliches gotisches Erscheinungsbild des 15. Jahrhunderts zu schaffen. Ihr heutiger Zustand ist also eine gezielt gestaltete Restaurierung und kein perfekt erhaltenes Original.
Wofür werden die Gebäude in der Ritterstraße heute genutzt?
Heute wurden die historischen Herbergen zu Museen, Geschäften und Restaurants umfunktioniert. Einige Gebäude beherbergen Konsulate, wie zum Beispiel die Auberge de France, die das französische Konsulat ist. Das ehemalige Hospital ist das Archäologische Museum von Rhodos.



