Castello Estense: Ferraras Wasserburg - Ferrara
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Ziel

Castello Estense: Ferraras Wasserburg

Ferrara, Italy

Eine Festung gegen das eigene Volk

Das Castello Estense ist ein monumentales Zeugnis der turbulenten Geschichte Ferraras. Mit seinen wuchtigen Backsteinmauern und dem breiten, wassergefüllten Burggraben dominiert die Festung aus dem 14. Jahrhundert das Stadtzentrum.

Der Bau begann am 29. September 1385 im Auftrag von Markgraf Niccolò II. d'Este. Nach einem gewaltsamen Volksaufstand gegen explodierende Steuern wenige Monate zuvor beauftragte der Markgraf den Militärarchitekten Bartolino da Novara mit dem Entwurf einer Trutzburg. Anders als typische mittelalterliche Festungen, die an Landesgrenzen fremde Armeen abwehren sollten, diente das Castello Estense einem ganz bestimmten Zweck: die Herrscherfamilie vor der Wut der eigenen Bürger zu schützen.

Architektonischer Wandel

Der quadratische Grundriss bezog einen älteren Wachturm aus dem 12. Jahrhundert, die Torre dei Leoni, zusammen mit drei neuen Ecktürmen ein. Ein überdachter Verbindungsgang aus Backstein, die Via Coperta, schloss die neue Militäranlage direkt an den angrenzenden Wohnpalast der Familie d'Este an, so konnte sich der Hofstaat vollkommen geschützt bewegen. Das hohle Echo der Schritte über die hölzernen Zugbrücken in den zentralen Steinhof erinnert noch heute an die wehrhafte Vergangenheit.

Unter den späteren Herzögen Ercole I., Alfonso I. und Ercole II. wandelte sich die Festung allmählich in einen eleganten Renaissancepalast. Nach einem Brand im Jahr 1554 ergänzte der Architekt Girolamo da Carpi edle Marmorbalustraden und Dachloggien. Die Herzöge ließen sogar den Giardino degli Aranci anlegen, eine hängende Terrasse unter freiem Himmel, auf der der Hofstaat Orangenduft und Zitrusfrüchte genießen konnte, wohlbehütet hinter dickem Festungsmauerwerk.

Das Herz der Stadt

Dieser architektonische Wandel ging Hand in Hand mit einer umfassenden Neugestaltung der Stadt. Als Herzog Ercole I. 1492 die meisterhaft geplante Stadterweiterung, die Addizione Erculea, in Auftrag gab, rückte die Festung von einer Bastion am nördlichen Stadtrand direkt in das geografische Herz Ferraras. Sie schlug eine nahtlose Brücke zwischen den dichten, verwinkelten Gassen des Mittelalters und den schnurgeraden, breiten Prachtstraßen der Renaissance.

Verliese und finstere Geschichten

Unter den prunkvollen herzoglichen Gemächern verbergen die feuchten, niedrigen Verliese eine düstere Geschichte. 1425 ließ Markgraf Niccolò III. seine Frau Laura „Parisina“ Malatesta und seinen Sohn Ugo d'Este in den Kellerzellen hinrichten, nachdem er ihre verbotene Liebe aufgedeckt hatte. Jahrzehnte später, im Jahr 1506, sperrte Herzog Alfonso I. seine Brüder Giulio und Ferrante in dieselben Verliese, weil sie einen Umsturzversuch geplant hatten. Giulio schmachtete mehr als fünfzig Jahre lang in der unterirdischen Dunkelheit.

Von päpstlicher Herrschaft zum modernen Museum

Die Herrschaft der Este über Ferrara endete 1598, als Herzog Alfonso II. ohne legitimen Erben starb. Papst Clemens VIII. forderte die Stadt zurück und zwang die Dynastie zum Umzug nach Modena. Bis zur Einigung Italiens im 19. Jahrhundert diente das Castello Estense daraufhin als Verwaltungssitz und Residenz der päpstlichen Kardinallegaten.

Heute fungiert die Festung als städtisches Museum im Besitz der Provinz Ferrara. Besucher können Rundgänge durch die herzoglichen Gemächer und die historischen Kerker unternehmen oder die 120 Stufen der Torre dei Leoni erklimmen. Auf dem Burggraben werden saisonale Bootsfahrten angeboten, und an jedem Silvesterabend verwandelt sich die Burg in die Kulisse eines spektakulären Feuerwerks, bei dem rotes Licht und Pyrotechnik eine brennende Festung inszenieren.

FAQ

Warum wurde das Castello Estense erbaut?

Markgraf Niccolò II. d'Este ordnete den Bau der Burg 1385 an, um die Herrscherfamilie vor den eigenen Bürgern zu schützen, nachdem es wegen hoher Steuern und Getreideabgaben zu einem gewaltsamen Volksaufstand gekommen war.

Was befindet sich heute im Castello Estense?

Die Festung wird heute als städtisches Museum genutzt. Zu den Rundgängen gehören die herzoglichen Renaissance-Gemächer, ein hängender Zitrushain und die originalen unterirdischen Verliese. Zudem lohnt sich der Aufstieg über 120 Stufen auf den Wachturm Torre dei Leoni.

Wer saß in den Verliesen des Castello Estense ein?

Zu den bekanntesten Gefangenen zählen Laura „Parisina“ Malatesta und Ugo d'Este, die dort 1425 wegen einer verbotenen Liebesbeziehung hingerichtet wurden. 1506 ließ Herzog Alfonso I. seine Brüder Giulio und Ferrante wegen eines geplanten Staatsstreichs in die Zellen sperren, wobei Giulio über 50 Jahre lang eingekerkert blieb.

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