
Duomo di San Giorgio: Ferraras historische Kathedrale
Ein bürgerliches und religiöses Herzstück
Die 1135 begonnene und 1177 geweihte Basilica Cattedrale di San Giorgio Martire bildet das Herzstück des UNESCO-geschützten historischen Zentrums von Ferrara. Initiiert von Bischof Landolfo und finanziert durch den Adligen Guglielmo II. degli Adelardi, ersetzte der Bau eine ältere Basilika vor den Stadtmauern. Mit diesem Umzug schuf sich die mittelalterliche Stadtgemeinde ein neues politisches wie religiöses Zentrum.
Jahrhunderte architektonischer Verwandlung
Die Architektur der Kathedrale vereint die Handschriften verschiedener Jahrhunderte und Epochen. Im unteren Bereich finden sich romanische Reliefs des Bildhauermeisters Nicholaus, während die obere Fassade von filigranen gotischen Elementen aus dem 13. Jahrhundert geprägt ist.
Der Renaissance-Campanile aus weißem und rosafarbenem Marmor, 1451 von Leon Battista Alberti begonnen, blieb unvollendet und wartet bis heute auf seine geplante Spitze. Die Terrakotta-Apsis stammt aus der Feder des städtischen Baumeisters Biagio Rossetti. Im Innenraum wich das ursprüngliche mittelalterliche Ambiente im 18. Jahrhundert einem vollständigen barocken Umbau.
In Stein gemeißelte Gesetze und Mahnungen
Der Duomo di San Giorgio fungierte einst als öffentliches Schwarzes Brett, an dem städtische Verordnungen und moralische Ermahnungen buchstäblich in Stein gemeißelt wurden. Im Marmorsockel der Kathedrale sind bis heute Fragmente eines Stadterlasses aus dem Jahr 1173 verewigt.
Über der zentralen Loggia zeigt ein gotisches Hochrelief-Tympanon aus dem 13. Jahrhundert das Jüngste Gericht. Die dramatische Szene zeigt Erzengel Michael beim Wiegen menschlicher Seelen, während ein Dämon versucht, die Waage zu seinen Gunsten zu manipulieren, und die Verdammten direkt in den Höllenschlund gestoßen werden.
Die Loggia dei Merciai
An der Südwand zur Piazza Trento e Trieste verschmelzen das Sakrale und das Weltliche nahtlos miteinander. Direkt in die Flanke der Kathedrale ist ein überdachter Einkaufsgang auf Straßenniveau integriert, die sogenannte Loggia dei Merciai.
Hier wird seit dem Mittelalter ununterbrochen gehandelt. Auch heute hallen die Schritte von Passanten und geschäftiges Treiben durch die mittelalterlichen Bögen, ganz so wie einst bei den Krämern und Tuchhändlern vergangener Tage.
Lokale Mythen und verborgene Kuriositäten
An der Außenfassade verbergen sich einige Details, um die sich Legenden ranken. Ein kleiner römischer Marmorkopf über einer Seitentür wird traditionell „Madama Frara“ genannt. Der Überlieferung nach stellt er die mythische Trojanerin dar, die Ferrara gegründet haben soll.
Zudem erzählt man sich vor Ort, der Teufel höchstpersönlich habe die unregelmäßig verdrehten Steinsäulen der Südgalerie vor der Weihe aus purer Bosheit verkrümmt.
Historische Meilensteine und moderne Restaurierung
Im Laufe ihrer langen Geschichte war die Kathedrale Schauplatz bedeutender Ereignisse, darunter die ersten Sitzungen des Ökumenischen Konzils von Ferrara (1438 bis 1439). Papst Urban III., der 1187 in Ferrara starb, fand hier seine letzte Ruhestätte.
Im Januar 1944 überstand der Komplex direkte Bombentreffer der Alliierten. In jüngerer Zeit musste die Hauptkirche der Erzdiözese Ferrara-Comacchio nach den Erdbeben in der Emilia-Romagna 2012 aufwendig statisch gesichert werden. Seit März 2024 steht sie Gläubigen und Besuchern wieder für regelmäßige Gottesdienste offen.
FAQ
Wann wurde der Duomo di San Giorgio erbaut?
Der Bau der Kathedrale begann 1135, die offizielle Weihe folgte 1177. Im Laufe der Jahrhunderte kamen zahlreiche bauliche Veränderungen hinzu, darunter eine umfassende Neugestaltung des Innenraums im Barockstil des 18. Jahrhunderts.
Was ist die Loggia dei Merciai?
Die Loggia dei Merciai ist ein überdachter Bogengang auf Straßenniveau an der Südwand der Kathedrale. Vom mittelalterlichen Kurzwarenhandel bis zu heutigen Geschäften herrscht hier seit jeher reges Treiben.
Wer hat den Glockenturm der Kathedrale entworfen?
Der Renaissance-Glockenturm aus weißem und rosa Marmor wurde von Leon Battista Alberti entworfen. Die Bauarbeiten begannen 1451, der Turm blieb jedoch ohne die ursprünglich geplante Spitze unvollendet.
Was ist in den Marmorsockel der Kathedrale eingemeißelt?
In den Marmorsockel der Kathedrale sind Fragmente eines Stadterlasses von 1173 eingraviert, die das Gotteshaus in eine Art öffentliches Schwarzes Brett der mittelalterlichen Kommune verwandelten.



