Piazza del Municipio: Ferraras herzoglicher Innenhof - Ferrara
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Ziel

Piazza del Municipio: Ferraras herzoglicher Innenhof

Ferrara, Italy

Bevor das Herrschergeschlecht der Este in sein berühmtes Wasserschloss umzog, regierte es von diesem geschlossenen Innenhof aus und inszenierte hier ganz nebenbei bahnbrechendes Renaissancetheater. Direkt gegenüber der Kathedrale San Giorgio gelegen, diente die Piazza del Municipio (einst Cortile Ducale) als Hauptresidenz des Hofes der Este, nachdem die Anlage 1245 als Palazzo Ducale ihren Ursprung genommen hatte. Tritt man vom belebten Domplatz durch den tiefen, schattigen Bogen des Volto del Cavallo, vollzieht sich ein spürbarer akustischer wie räumlicher Wechsel: Unvermittelt öffnet sich ein ruhiger, steingepflasterter Innenhof, eingefasst von rotem Backstein und weißem Marmor.\n\n## Architektonische Meisterwerke und die Prunktreppe\n\nMan betritt den Innenhof durch drei gewölbte Durchgänge: den Volto del Cavallo, den Volto della Colombina und den Volto del Cavalletto. Im Inneren wird der Raum von der Scalone d'Onore, der prachtvollen Ehrentreppe, beherrscht. Vom herzoglichen Architekten Pietro Benvenuto dagli Ordini entworfen und zwischen 1473 und 1481 errichtet, besticht die Treppe durch weiße Marmorbögen, ein Tonnengewölbe mit kleiner Zentralkuppel und eine Balustrade, die spätgotische Formen mit Motiven der frühen Renaissance verbindet. Rund um den Hof markieren dreipassförmige Marmorfenster die historischen herzoglichen Gemächer, während die Nordseite die einstige Hofkapelle beherbergt, die heutige Sala Estense. An der Wand gegenüber der Ehrentreppe prangt eine restaurierte vertikale Sonnenuhr, die 1869 vom Gnomonisten Giovanni Zaffi geschaffen wurde.\n\n## Die Statuen der Este-Herzöge\n\nDen Haupteingang am Volto del Cavallo flankieren zwei markante Statuen: Markgraf Niccolò III. d'Este hoch zu Ross und Herzog Borso d'Este auf einem Faltstuhl. Der Bogenstock, der das Reiterstandbild Niccolòs III. trägt, wird dem berühmten Renaissance-Architekten Leon Battista Alberti zugeschrieben. Bei den heutigen Bronzefiguren handelt es sich um Nachbildungen aus dem Jahr 1927 von Giacomo Zilocchi; die Originale aus dem 15. Jahrhundert fielen 1796 den französischen Revolutionstruppen zum Opfer und wurden eingeschmolzen. Historische Quellen belegen zudem, dass Sockel und Säule der Borso-Statue aus beschlagnahmten Grabsteinen des jüdischen Friedhofs von Ferrara zur Zeit der Inquisition neu errichtet wurden.\n\n## Vom Renaissancetheater zum modernen Zentrum\n\nIm späten 15. Jahrhundert unter Herzog Ercole I. d'Este entwickelte sich der Hof zu einer wegweisenden Freilichtbühne für das klassische Renaissancetheater. Hier fanden frühe Aufführungen von Komödien in italienischer Volkssprache statt, darunter 1486 eine Inszenierung von Plautus' „Menaechmi“, im Publikum saß damals der junge Ludovico Ariosto. Heute schlägt hier das administrative Herz Ferraras: Der Komplex dient als Rathaus (Comune di Ferrara), und die Scalone d'Onore fungiert als Haupteingang zu den städtischen Büros und den Prunkräumen im Piano Nobile. Als autofreier Stadtplatz ist der Hof bis heute Bühne für Kulturveranstaltungen, Open-Air-Ausstellungen, Konzerte und die zeremoniellen Proben der Fahnenschwinger (sbandieratori) vor dem traditionsreichen Palio di Ferrara.

FAQ

Sind die Bronzestatuen auf der Piazza del Municipio die Originale?

Nein, die Bronzestatuen von Niccolò III. und Borso d'Este sind Nachbildungen aus dem Jahr 1927, geschaffen von Giacomo Zilocchi. Die Originale aus dem 15. Jahrhundert wurden 1796 während der französischen Besatzung eingeschmolzen.

Was ist die Scalone d'Onore?

Die Scalone d'Onore ist eine monumentale Prunktreppe, die von Pietro Benvenuto dagli Ordini entworfen und zwischen 1473 und 1481 erbaut wurde. Mit ihren weißen Marmorbögen und dem Gewölbedach dient sie heute als öffentlicher Haupteingang zur Stadtverwaltung von Ferrara.

Welche historischen Ereignisse fanden in diesem Innenhof statt?

Unter Herzog Ercole I. d'Este wurde der Innenhof im späten 15. Jahrhundert zu einer bahnbrechenden Freilichtbühne für das klassische Renaissancetheater. Berühmtheit erlangte er 1486 durch eine frühe Inszenierung von Plautus' Komödie „Menaechmi“.

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