
Santa Maria Foris Portam: ein Wahrzeichen von Lucca
Die Chiesa di Santa Maria Foris Portam, wegen ihrer Fassade aus weißem Kalkstein auch Santa Maria Bianca genannt, ist eine romanische Kirche in Lucca, Italien. Ihr Name, der auf Latein „vor dem Tor“ bedeutet, erinnert an ihre ursprüngliche Lage außerhalb der antiken römischen Stadtmauern, obwohl sie heute mitten im historischen Zentrum der Stadt steht.
Eine jahrhundertelange Geschichte
Archivdokumente belegen, dass an dieser Stelle bereits 768 eine Kirche existierte. Die ursprüngliche Kirche und ein dazugehöriges Hospiz wurden außerhalb der römischen Stadtmauern von Lucca in der Nähe des Osttors errichtet. Während der Stadterweiterung im 12. Jahrhundert wurde das Bauwerk größtenteils im romanischen Stil umgebaut, beeinflusst vom Dom zu Pisa, und von den neuen mittelalterlichen Mauern umschlossen.
Wesentliche Umbauten fanden im 16. Jahrhundert statt, nachdem die Kirche, die sich damals in einem baufälligen Zustand befand, 1512 den Regularkanonikern von San Salvatore aus Bologna anvertraut wurde. Dieser Orden führte umfangreiche Restaurierungen durch, die teilweise von dem Gönner Giovanni Guinigi finanziert wurden. Dabei wurden unter anderem das Mittelschiff und das Querschiff mit Backsteinen erhöht. Diese Aufstockungen aus Backstein sind an der Außenseite noch heute sichtbar und bilden einen deutlichen Kontrast zum älteren, weißen Steinmauerwerk. Der Glockenturm wurde um 1619 fertiggestellt.
Kunst und Architektur
Das Äußere der Kirche ist ein bemerkenswertes Beispiel für die romanische Architektur Luccas. Im Inneren bewahrt sie ein reiches künstlerisches Erbe. Die Kirche beherbergt zwei bedeutende Gemälde aus dem 17. Jahrhundert von Giovanni Francesco Barbieri, besser bekannt als Guercino: die „Heilige Lucia“ (1642) und „Mariä Himmelfahrt mit den Heiligen Franziskus und Alexander“ (1643). Außerdem befindet sich in der Kirche eine Kapelle mit dem Grabmal von Chiara Matraini, einer Renaissance-Dichterin aus Lucca.
Luccas offizieller Zeitmesser
Ein faszinierendes Merkmal in Santa Maria Foris Portam ist ihre Sonnenuhr nach dem Prinzip der Camera Obscura. Durch eine kleine Öffnung in der Wand fällt ein einzelner Sonnenstrahl ins Innere. Dieser Lichtstrahl trifft auf eine in den Boden vor dem Hauptaltar eingravierte Linie. Wenn das Licht die Linie kreuzt, zeigt dies den genauen lokalen Sonnenmittag an. Historisch diente diese Meridianlinie der wichtigen Aufgabe, die Uhren der Stadt zu regulieren.
Die Piazza della Colonna Mozza
Der angrenzende Platz, Piazza Santa Maria Foris Portam, hat einen lokalen Spitznamen: Piazza della Colonna Mozza, oder „Platz der zerbrochenen Säule“. Dieser Name leitet sich von den Überresten einer römischen Granitsäule ab, die sich auf dem Platz befindet. Diese Säule markierte historisch den Zielpunkt für die Reiter, die an den mittelalterlichen Palio-Rennen teilnahmen.
FAQ
Warum wird die Kirche „Foris Portam“ (vor dem Tor) genannt, obwohl sie innerhalb der Mauern von Lucca liegt?
Die Kirche wurde im 8. Jahrhundert gegründet, als sie sich noch außerhalb der ursprünglichen römischen Stadtmauern von Lucca befand. Im 12. Jahrhundert dehnte sich die Stadt aus und es wurden neue mittelalterliche Mauern errichtet, die die Kirche umschlossen und sie so in die Verteidigungsanlagen der Stadt einbezogen.
Welche Bedeutung hat die Sonnenuhr in Santa Maria Foris Portam?
Die Kirche besitzt eine einzigartige „Camera-Obscura“-Sonnenuhr, bei der ein Lichtstrahl den lokalen Sonnenmittag auf einer Linie auf dem Boden markiert. Historisch wurde dieses präzise Instrument verwendet, um alle Uhren in der Stadt Lucca zu regulieren.
Gibt es berühmte Kunstwerke in der Kirche?
Ja, die Kirche beherbergt zwei bedeutende Gemälde des Künstlers Guercino aus dem 17. Jahrhundert: „Heilige Lucia“ und „Mariä Himmelfahrt mit den Heiligen Franziskus und Alexander“.
Was ist die „zerbrochene Säule“ auf dem Platz neben der Kirche?
Auf der Piazza Santa Maria Foris Portam befinden sich die Überreste einer römischen Granitsäule. Der Platz ist vor Ort als „Piazza della Colonna Mozza“ (Platz der zerbrochenen Säule) bekannt, da diese Säule als Ziellinie für die mittelalterlichen Palio-Rennen diente.



