Ziel

San Maurizio al Monastero Maggiore: Geschichte und Fresken

Milan, Italy

Die geteilte Kirche am Corso Magenta

Mitten in Mailand, am Corso Magenta, liegt San Maurizio al Monastero Maggiore auf einer geschichtsträchtigen Kulturachse unweit von Santa Maria delle Grazie und dem Castello Sforzesco. Zwischen 1503 und 1518 im Stil der Renaissance neu erbaut, vereint die Kirche Entwürfe der Architekten Gian Giacomo Dolcebuono und Giovanni Antonio Amadeo, vollendet unter der Leitung von Cristoforo Solari. Nach außen gibt sie sich betont bescheiden: Die schlichte Fassade aus grauem Ornavasso-Marmor wurde erst 1574 fertiggestellt.

Doch hinter dem nüchternen Straßeneingang verbirgt sich ein genialer architektonischer Kniff: Das Bauwerk ist als einschiffige Kirche konzipiert, die von einer massiven Trennwand aus Stein mitten entzweigeschnitten wird. Dieser Schnitt schuf zwei völlig getrennte Welten unter einem Dach. Vorn der äußere Saal (Aula dei Fedeli), reserviert für das normale Kirchenvolk, dahinter die innere Kammer (Aula delle Monache), das streng abgeschottete Refugium der Benediktinerinnen.

Öffentlicher Saal und die Klausur der Nonnen

Die Trennwand diente der kompromisslosen Klausur des Klosters. Hinter der Barriere offenbart sich der Nonnenchor, der deutlich weitläufiger ausfällt als der öffentliche Teil des Gotteshauses. Hier nahmen die adligen Nonnen an der Liturgie teil, ohne je von den Gläubigen draußen erblickt zu werden. Sie verfolgten die Messe durch ein hoch gelegenes Eisengitter in der Zwischenwand und empfingen die Kommunion durch eine winzige Luke mit Schiebeladen.

Ein niedriger, schmaler Seitengang neben dem Hochaltar führt direkt in diesen verborgenen Raum. Unter einem gewölbten Sternenhimmel voller gemalter Engel und Evangelisten entfaltet sich hier eine überwältigende Akustik. Im Nonnenchor steht zudem eine historische mechanische Orgel, meisterhaft erbaut im Jahr 1554 von Gian Giacomo Antegnati.

Die Freskenzyklen der Mailänder Renaissance

Nicht ohne Grund gilt die Kirche als „Sixtinische Kapelle Mailands“: Das Innere birgt einen schier lückenlosen Freskenzyklus aus dem 16. Jahrhundert. Es ist die dichteste In-situ-Sammlung Mailands von Werken der Leonardeschi, jener Künstler, die direkt im Bannkreis von Leonardo da Vincis Mailänder Werkstatt arbeiteten. Allen voran stand Meister Bernardino Luini, dessen Söhne Aurelio, Giovan Pietro und Evangelista maßgeblich mitwirkten, ergänzt durch Simone Peterzano und Antonio Campi.

In den Wandbildern wimmelt es von originellen Details. Auf einer Darstellung der Arche Noah von Aurelio Luini spazieren neben Giraffen und Nutztieren ganz selbstverständlich auch Einhörner an Bord. In der Besozzi-Kapelle hielt Bernardino Luini die Enthauptung der heiligen Katharina fest. Schenkt man den Aufzeichnungen des zeitgenössischen Schriftstellers Matteo Bandello Glauben, lieh Luini der Märtyrerin die Züge von Bianca Maria Scapardone, der Gräfin von Challant. Sie war 1526 wegen Anstiftung zum Mord am nahe gelegenen Castello Sforzesco öffentlich enthauptet worden.

Antike Ursprünge und adlige Gönner

San Maurizio steht buchstäblich auf den Trümmern des römischen Mediolanum und bezieht Reste des antiken Zirkus sowie Befestigungen aus dem vierten Jahrhundert ein. Zwei römische Türme überragen bis heute den Kreuzgang des Klosters. Benediktinerinnen lebten hier bereits seit dem 8. oder 9. Jahrhundert; das Kloster war ursprünglich der Jungfrau Maria geweiht. Als Kaiser Otto I. dem Konvent im Jahr 964 eine Reliquie des heiligen Mauritius stiftete, erhielt die Anlage ihren neuen Namen.

Im 16. Jahrhundert finanzierten einflussreiche Mailänder Adelsfamilien den prächtigen Neubau und die monumentalen Wandmalereien. Zu den prominentesten Mäzenen gehörten Alessandro Bentivoglio und seine Frau Ippolita Sforza, deren Tochter als Nonne hinter den Klostermauern lebte. Das klösterliche Leben endete 1798 jäh mit den Säkularisationsdekreten Napoleons. Danach diente die Anlage mal als Kaserne, mal als Schule und Lazarett. Seit den 1960er-Jahren beherbergt der Kreuzgang das Civico Museo Archeologico di Milano.

Liturgisches Leben und Besuch

San Maurizio al Monastero Maggiore ist bis heute ein geweihtes katholisches Gotteshaus. Von Oktober bis Juni finden hier sonntags Liturgien im byzantinischen Ritus statt, zelebriert auf Griechisch nach italo-albanischer Tradition. Dank seiner außergewöhnlichen Akustik dient der Raum zudem regelmäßig als Bühne für geistliche und klassische Konzerte.

Die Kirche ist von Dienstag bis Sonntag bei freiem Eintritt für die Öffentlichkeit zugänglich. Den täglichen Empfang und die Betreuung der Besucher übernehmen ehrenamtliche Mitglieder des Touring Club Italiano im Rahmen der Initiative Aperti per voi.

FAQ

Warum ist San Maurizio al Monastero Maggiore durch eine Wand geteilt?

Die Kirche wurde mit einer zentralen Trennwand errichtet, um die Öffentlichkeit in der Aula dei Fedeli strikt von den Benediktinerinnen in der Aula delle Monache zu trennen. Die Klausurschwestern verfolgten die Gottesdienste lediglich durch ein hoch angebrachtes Eisengitter.

Wer malte die Fresken in San Maurizio al Monastero Maggiore?

Die Fresken aus dem 16. Jahrhundert stammen vor allem von Bernardino Luini und seinen Söhnen Aurelio, Giovan Pietro und Evangelista, unterstützt von Simone Peterzano und Antonio Campi.

Welche antiken Ruinen befinden sich an diesem Ort?

Der Gebäudekomplex steht auf den Überresten des antiken Zirkus von Mediolanum und Befestigungsanlagen aus dem vierten Jahrhundert. Im Kreuzgang ragen bis heute zwei römische Türme auf.

Wie kann man die Kirche besichtigen?

San Maurizio ist von Dienstag bis Sonntag bei freiem Eintritt geöffnet. Betreut werden die Besucher von ehrenamtlichen Helfern der Initiative *Aperti per voi* des Touring Club Italiano.

More places in Milan