
Piazza del Duomo, Syrakus: Vom antiken Tempel zum barocken Juwel
Die Piazza del Duomo ist ein eleganter, ovaler Platz auf der Insel Ortigia und bildet das zeremonielle und gesellschaftliche Herz von Syrakus. Eingerahmt von prächtigen Barockpalästen wird diese reine Fußgängerzone von der imposanten Fassade der Kathedrale von Syrakus dominiert. Das gesamte Areal ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes „Syrakus und die Felsnekropole von Pantalica“, das 2005 für seine tiefgreifende historische Bedeutung anerkannt wurde.
Eine Kathedrale, erbaut auf antiken Gebeinen
Das bemerkenswerteste Merkmal der Kathedrale ist ihre einzigartige Bauweise. Sie wurde nicht einfach auf den Ruinen eines antiken Tempels errichtet, sondern integriert auf geniale Weise das ursprüngliche Bauwerk in ihre Mauern. Die massiven dorischen Säulen des Athene-Tempels aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. sind noch immer sichtbar und bilden einen wesentlichen Bestandteil der Innen- und Außenstruktur der Kathedrale. Diese physische Verschmelzung eines heidnischen Tempels mit einer christlichen Kirche bietet einen greifbaren Einblick in die vielschichtige Vergangenheit der Stadt.
Ein Mosaik aus Glaube und Macht
Der Ort ist seit prähistorischen Zeiten eine Kultstätte. Um 480 v. Chr. errichtete der Tyrann Gelon den monumentalen Athene-Tempel, um einen Sieg über die Karthager zu feiern. Im Jahr 70 v. Chr. dokumentierte der römische Redner Cicero die Plünderung der reichen Ornamente durch den Statthalter Verres. Die Bestimmung des Gebäudes änderte sich im 7. Jahrhundert n. Chr. dramatisch, als Bischof Zosimo den heidnischen Tempel in eine christliche Basilika umwandelte, indem er die Zwischenräume der dorischen Säulen zumauerte.
Nach der arabischen Eroberung im Jahr 878 n. Chr. diente das Gebäude zwei Jahrhunderte lang als Moschee. 1086 wurde es vom normannischen Grafen Roger I. wieder als christliche Kathedrale geweiht, der ein neues Dach und Mosaike hinzufügen ließ. Diese kontinuierliche Anpassung spiegelt die aufeinanderfolgenden Wellen griechischer, römischer, byzantinischer, arabischer und normannischer Einflüsse wider, die Syrakus prägten.
Das barocke Meisterwerk
Ein verheerendes Erdbeben im Jahr 1693 zerstörte die normannische Fassade und den Glockenturm der Kathedrale und machte einen umfassenden Wiederaufbau erforderlich. Zwischen 1725 und 1753 entwarf der Architekt Andrea Palma die heutige Fassade im opulenten Stil des sizilianischen Hochbarocks. Das Äußere ist mit eindrucksvollen Statuen des Bildhauers Ignazio Marabitti geschmückt, die der Piazza ihr heutiges prachtvolles Erscheinungsbild verleihen.
Das Herz des modernen Ortigia
Heute ist die Piazza del Duomo ein lebhafter Treffpunkt für Einheimische und Touristen. Der Platz ist von Cafés und Restaurants mit Außenbereichen gesäumt, die für eine lebendige Atmosphäre sorgen, besonders wenn sie abends beleuchtet sind. Die Kathedrale von Syrakus ist weiterhin eine aktive katholische Kirche und der Sitz des Erzbistums Syrakus, in der täglich Messen stattfinden. Auf der Piazza finden außerdem häufig kulturelle Veranstaltungen, Kunstausstellungen und Aufführungen im Freien statt.
Verborgene Details der Piazza
Abseits der Hauptfassade birgt die Piazza feine Details. Am Palazzo Municipale, nördlich des Doms, ist eine kleine Eidechse in das Gesims gemeißelt. Dies ist die Signatur des Architekten Juan Vermexio aus dem 17. Jahrhundert, der den Spitznamen „Il Lucertolone“ (die Eidechse) trug. Unter dem Platz liegt das Hypogäum der Piazza Duomo, ein weitläufiges Tunnelnetz, das 1869 entdeckt wurde. Diese Gänge wurden später erweitert und während des Zweiten Weltkriegs als Luftschutzbunker genutzt, insbesondere zum Schutz der kostbaren Silberstatue der Heiligen Lucia, der Schutzpatronin der Stadt.
FAQ
Warum ist die Kathedrale von Syrakus so einzigartig?
Ihre Einzigartigkeit liegt in ihrer Bauweise, die die ursprünglichen dorischen Säulen des griechischen Athene-Tempels aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. direkt in ihre Mauern integriert, wodurch heidnische und christliche Architektur sichtbar miteinander verschmelzen.
Was ist die Geschichte des Gebäudes im Zentrum der Piazza del Duomo?
Der Ort hat sich über Jahrtausende entwickelt. Er begann als griechischer Athene-Tempel (ca. 480 v. Chr.), wurde in eine byzantinische Basilika umgewandelt, dann zu einer Moschee, einer normannischen Kathedrale und wurde schließlich nach dem Erdbeben von 1693 mit der heutigen Barockfassade wieder aufgebaut.
Ist die Piazza del Duomo in Syrakus ein UNESCO-Weltkulturerbe?
Ja, die Piazza und ihre Kathedrale sind Teil des UNESCO-Weltkulturerbes „Syrakus und die Felsnekropole von Pantalica“, das 2005 für sein Zeugnis der mediterranen Geschichte ausgezeichnet wurde.
Was verbirgt sich unter der Piazza del Duomo?
Unter der Piazza liegt das Hypogäum, ein Netzwerk von unterirdischen Tunneln. Sie wurden 1869 entdeckt, später erweitert und im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker genutzt, um die Bevölkerung und Schätze wie die Silberstatue der Heiligen Lucia zu schützen.



