Iglesia de San Servacio in Valladolid, Yucatán
Die Iglesia de San Servacio ist eine historische katholische Kirche, die mit ihrer wuchtigen Steinfassade und den Zwillingsglockentürmen sofort ins Auge sticht. 1545 gegründet und im 18. Jahrhundert direkt am Hauptplatz neu errichtet, thront sie an der Südseite des Parque Principal Francisco Cantón Rosado in Valladolid, Yucatán. Das Bauwerk ist der traditionelle Ausgangspunkt für den klassischen Spaziergang zur Calzada de los Frailes. Ursprünglich von Pater Francisco Hernández während der Kolonialisierung der Maya-Stadt Zací gegründet, birgt die Kirche eine dramatische Vergangenheit, die ihre Architektur für immer verändert hat.
Das Verbrechen der Bürgermeister
Im Juli 1703 wurde das Gotteshaus zum Schauplatz eines blutigen Dramas, das als „Verbrechen der Bürgermeister“ in die Geschichte einging. Der gestürzte Bürgermeister Fernando Hipólito de Osorno und sein Verbündeter Gabriel Covarrubias suchten im Kirchenschiff Zuflucht vor politischer Verfolgung. Doch die neugewählten Stadträte führten einen wütenden Mob direkt in den geweihten Raum und prügelten die beiden Männer zu Tode.
Nach dieser Entweihung erklärte Bischof Pedro de los Reyes Ríos das Gebäude durch das vergossene Blut für entheiligt und ordnete 1705 den Abriss an. Als 1706 der Wiederaufbau begann, drehte man den Grundriss kurzerhand um 90 Grad. Deshalb blickt die Iglesia de San Servacio heute direkt nach Norden auf den Hauptplatz, ganz anders als die typischen Kolonialkirchen Yucatáns, die traditionell nach Westen ausgerichtet sind. Durch diese Neuausrichtung stellte man sicher, dass der neue Altar nicht auf dem blutgetränkten Boden des Mordes von 1703 stand.
Festungsmauern und Maya-Mauerwerk
Wie viele Gebäude aus dem 16. Jahrhundert in der Stadt bestehen auch die Fundamente und Mauern der Kirche aus recyceltem Kalkstein, der aus den vorspanischen Maya-Pyramiden des antiken Zací gebrochen wurde. Beim Wiederaufbau 1706 wurden die Steinstatuen von Petrus und Paulus, die im ursprünglichen Bau von 1545 noch das westliche Hauptportal flankiert hatten, an die Außenwände versetzt.
Die spanische Kolonialkirche mit ihrem Tonnengewölbe besticht durch eine schlichte Kalksteinfassade, verziert mit einem gemeißelten königlichen Wappen samt Arabesken, Krone, Falke und Palme. Später erfüllten die dicken Mauern einen handfesten Verteidigungszweck: Bis heute sind in der Fassade und den dreistöckigen, quadratischen Zwillingsglockentürmen vertikale Schießluken und schmale Schießscharten zu erkennen. Dank dieser Umbauten diente die Kirche den Kolonialtruppen während des 1847 ausgebrochenen Kastenkriegs als regelrechte Festung.
Ein lebendiges Wahrzeichen der Stadt
Heute ist die Iglesia de San Servacio eine lebendige römisch-katholische Pfarrgemeinde mit täglichen Messen, Taufen und Hochzeiten. Im Inneren sticht besonders das Altarretabel im barocken und churrigueresken Stil hervor. Zwischen den oberen Glockenstühlen sitzt eine öffentliche Uhr aus dem 19. Jahrhundert, die bis heute von alteingesessenen Uhrmacherfamilien gepflegt wird.
Abends tauchen warme Scheinwerfer die Zwillingstürme in ein stimmungsvolles Licht, das sich vom nächtlichen Himmel Yucatáns abhebt. Die Kirche ist der zentrale Blickfang und Treffpunkt der Stadt, sie blickt gelassen auf die Parkbänke und Imbissstände herab, die den benachbarten Hauptplatz mit Leben füllen.
FAQ
Warum ist die Iglesia de San Servacio nach Norden ausgerichtet?
Die Kirche blickt nach Norden, weil ihr Grundriss beim Wiederaufbau 1706 um 90 Grad gedreht wurde. So stellte man sicher, dass der neue Altar nicht über jenem blutgetränkten Boden stand, auf dem 1703 beim sogenannten „Verbrechen der Bürgermeister“ zwei Männer im ursprünglichen Gotteshaus ermordet worden waren.
In welchem architektonischen Stil ist die Iglesia de San Servacio erbaut?
Die Kirche präsentiert sich im spanischen Kolonialstil mit Tonnengewölbe, einer schlichten Kalksteinfassade, dreistöckigen quadratischen Zwillingsglockentürmen und einem Altarretabel im barocken und churrigueresken Stil im Inneren. Ihr Fundament enthält zudem wiederverwendetes Kalksteinmauerwerk aus antiken Maya-Pyramiden.
Gibt es militärische Elemente an der Kirche?
Ja, in das dicke Kalksteinmauerwerk der Fassade und Türme sind vertikale Schießluken und schmale Schießscharten eingelassen. Sie wurden genutzt, als die Kirche während des 1847 ausgebrochenen Kastenkriegs als Verteidigungsfestung diente.
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