
Mauritshuis: Niederländische Kunst und komplexe Geschichte in Den Haag
Das im Herzen von Den Haag gelegene Mauritshuis ist ein Stadtpalais aus dem 17. Jahrhundert, das heute als weltberühmtes Kunstmuseum dient. Seine elegante Fassade im Stil des niederländischen Klassizismus steht direkt neben dem historischen Binnenhof und dem malerischen Hofvijver-Teich. Obwohl es für seine Sammlung von Meisterwerken aus dem Goldenen Zeitalter der Niederlande gefeiert wird, ist die Geschichte des Gebäudes untrennbar mit seinem Gründer und dem in der Kolonialzeit erwirtschafteten Reichtum verbunden.
Ein Palast mit komplexen Wurzeln
Das Mauritshuis wurde zwischen 1633 und 1644 als Privathaus für Graf Johann Moritz von Nassau-Siegen erbaut. Der Entwurf wird dem Architekten Jacob van Campen zugeschrieben. Ein Großteil des Vermögens, das zur Finanzierung dieser prächtigen Residenz verwendet wurde, stammte aus der Amtszeit von Johann Moritz als Generalgouverneur von Niederländisch-Brasilien von 1636 bis 1644. In dieser Zeit war er für den Transport von etwa 24.000 versklavten Menschen verantwortlich und profitierte erheblich vom Zucker- und Sklavenhandel, was dazu führte, dass einige Zeitgenossen das Gebäude abfällig den „Zuckerpalast“ nannten.
Die ursprüngliche Innenausstattung spiegelte seine Zeit in Südamerika wider und war mit tropischem Hartholz und Fresken brasilianischer Landschaften geschmückt. Im großen Saal wurden aus Brasilien mitgebrachte Gegenstände ausgestellt, darunter Kopfschmuck, Edelsteine und ausgestopfte Tiere. Nachdem Johann Moritz 1647 nach Deutschland umgezogen war, wurde das Haus oft zur Unterbringung von Gästen der niederländischen Regierung genutzt.
Von der Residenz zum königlichen Museum
Ein verheerendes Feuer, das angeblich von einem Diener verursacht wurde, zerstörte 1704 einen Großteil der Innenausstattung. Zwischen 1708 und 1718 wurde das Gebäude umfassend restauriert. 1820 kaufte der niederländische Staat das Mauritshuis, um das Königliche Gemäldekabinett unterzubringen, eine Sammlung, die größtenteils auf der des Statthalters Prinz Wilhelm V. basierte. König Wilhelm I. weihte das Gebäude am 5. Januar 1822 offiziell als öffentliches Museum ein, was einen entscheidenden Moment für die Demokratisierung der Kunst in den Niederlanden darstellte.
Ab 1875 war das gesamte Gebäude der Kunstsammlung gewidmet. Unter der Leitung von Abraham Bredius wuchs die Sammlung ab 1889 durch wichtige Ankäufe, darunter Carel Fabritius‘ „Der Distelfink“, erheblich.
Ein Schmuckkästchen der niederländischen Kunst
Heute beherbergt das Mauritshuis, offiziell das Königliche Gemäldekabinett, eine Sammlung von 854 Objekten. Am berühmtesten ist es für seine Gemälde aus dem Goldenen Zeitalter der Niederlande von Meistern wie Rembrandt van Rijn, Jan Steen, Paulus Potter und Frans Hals. Eines seiner ikonischsten Werke, Johannes Vermeers „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“, wurde 1882 bei einer Auktion für den Spottpreis von nur zwei Gulden und dreißig Cent erworben.
Eine umfassende Renovierung von 2012 bis 2014 verdoppelte die Ausstellungsfläche des Museums. Ein unterirdisches Foyer verbindet heute das ursprüngliche Gebäude mit dem benachbarten Sociëteit-de-Witte-Gebäude, das zusätzliche Ausstellungsräume, eine Brasserie und eine Bibliothek beherbergt. Das Museum setzt sich aktiv mit seiner Geschichte auseinander und bietet Programme an, die Besucher über die koloniale Vergangenheit seines Gründers aufklären.
FAQ
Wofür ist das Mauritshuis berühmt?
Das Mauritshuis ist berühmt für seine erstklassige Sammlung von Gemälden aus dem Goldenen Zeitalter der Niederlande, darunter Johannes Vermeers „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“, Rembrandts „Die Anatomie des Dr. Nicolaes Tulp“ und Carel Fabritius‘ „Der Distelfink“.
Wer hat das Mauritshuis gebaut?
Das Mauritshuis wurde zwischen 1633 und 1644 als private Residenz für Graf Johann Moritz von Nassau-Siegen erbaut. Der Entwurf im Stil des niederländischen Klassizismus stammt von dem Architekten Jacob van Campen.
Was ist die umstrittene Geschichte des Mauritshuis?
Der Gründer des Gebäudes, Johann Moritz, finanzierte den Bau mit dem Vermögen, das er als Generalgouverneur von Niederländisch-Brasilien erworben hatte. Dort war sein Reichtum eng mit der Zuckerindustrie und dem transatlantischen Sklavenhandel verbunden. Dies führte dazu, dass das Gebäude den Spitznamen „Zuckerpalast“ erhielt.
Wann wurde das Mauritshuis zu einem Museum?
Nachdem es 1820 vom niederländischen Staat gekauft worden war, wurde das Mauritshuis am 5. Januar 1822 von König Wilhelm I. offiziell als öffentliches Museum, das Königliche Gemäldekabinett, eröffnet.



