
Museum der Stadt Łódź: Poznański-Palast
Schau dir die kunstvolle Fassade und die prunkvolle Architektur dieses einstigen Palastes von der Straße aus an, der heute das Geschichtsmuseum der Stadt beherbergt. In der Ogrodowa-Straße 15, direkt am Manufaktura-Komplex, steht der Izrael-Poznański-Palast als spektakuläres Denkmal für den kometenhaften Industrieaufstieg von Łódź. Als „Louvre von Łódź“ gefeiert, spiegelt das Gebäude jene Epoche wider, in der die Stadt zur Textilmetropole heranwuchs und als „polnisches Manchester“ galt.
Das Schloss des Baumwollkönigs
Izrael Kalmanowicz Poznański, einer der mächtigsten Textilbarone des 19. Jahrhunderts, ließ das Anwesen aus einem bescheidenen zweistöckigen Haus ausbauen, das er 1877 erworben hatte. Im Gegensatz zu traditionellen Adeligen, die ihre Landsitze weitab vom Trubel errichteten, setzte Poznański seine Residenz direkt neben seine Spinnereien und Webereien aus rotem Backstein. Durch diese Nähe hatte er sein riesiges Industrieimperium stets im Blick. Das Gebäude war ein echter Hybrid: zugleich privater Familiensitz und Firmenzentrale mit Direktionsbüros, Empfangssälen und Warenlagern.
Eklektische Architektur und prunkvolle Säle
Der von den Architekten Hilary Majewski, Juliusz Jung und Adolf Zeligson gemeinsam entworfene Palast wurde 1903 fertiggestellt. Die imposante, helle Fassade mit Kuppeldächern und allegorischen Statuen für Handel und Industrie setzt einen markanten Kontrast zu den benachbarten Fabrikmauern aus Backstein. Drinnen protzt der Palast mit kunstvollem Stuck, dunkler Holzvertäfelung, Deckenfresken und wuchtigen Kronleuchtern, die sich in den vergoldeten Spiegeln des monumentalen Ballsaals brechen. Der berühmte, in Łódź geborene jüdische Maler Samuel Hirszenberg schuf bedeutende Wanddekorationen und Gemälde für den großen Speisesaal und den Ballsaal.
Der Wandel zum Museum der Stadt Łódź
Nach Poznańskis Tod im Jahr 1900 und dem endgültigen Fortgang seiner Familie 1940 erlebte das Gebäude wechselvolle Zeiten. Während des Zweiten Weltkriegs diente es als deutsches Hauptquartier, danach als regionale Verwaltungsbehörde. 1975 wurde der Palast schließlich zum Museum der Stadt Łódź umgewandelt. Heute zeigt das Museum restaurierte Fabrikantenräume sowie unterirdische Ausstellungen zur multikulturellen Vergangenheit der Stadt. Ergänzt wird das Angebot durch Gedenkräume für berühmte Persönlichkeiten wie den Pianisten Artur Rubinstein und den Dichter Julian Tuwim sowie durch klassische Konzerte. Im angrenzenden historischen Garten lädt zudem eine Skulpturen-Allee zum Verweilen ein. 2015 wurde das Anwesen offiziell zum Historischen Denkmal Polens erklärt.
Legenden und Filmgeschichte
Der unermessliche Reichtum von Izrael Poznański beflügelte so manche Stadtlegende. Einer beliebten Anekdote zufolge soll der Industrielle auf die Frage, welchen Architekturstil er sich für seinen Palast wünsche, geantwortet haben: „Alle, ich kann mir schließlich jeden Stil leisten.“ Eine andere Geschichte besagt, er habe den Boden seines Ballsaals mit goldenen Rubelmünzen pflastern wollen. Den Plan ließ er aber angeblich fallen, als Zar Nikolaus II. verfügte, die Münzen müssten hochkant verlegt werden, damit niemand auf die kaiserlichen Symbole trete. Neben solchen Mythen bot der authentische Glanz des 19. Jahrhunderts die perfekte Kulisse für Andrzej Wajdas 1975 für den Oscar nominierten Filmklassiker Das gelobte Land.
FAQ
Wann wurde der Izrael-Poznański-Palast erbaut?
Der Palast entstand zwischen 1888 und 1903 in mehreren Bauphasen als Erweiterung eines zweistöckigen Wohnhauses, das Izrael Poznański 1877 erworben hatte.
In welchem Baustil ist das Museum der Stadt Łódź gehalten?
Der Palast präsentiert sich im eklektischen Stil und vereint französische sowie italienische Neorenaissance mit Neobarock, geprägt von Mansarddächern und großen Kuppeln.
Wer war Izrael Poznański?
Izrael Kalmanowicz Poznański war ein einflussreicher Textilbaron des 19. Jahrhunderts. Als einer der sogenannten Baumwollkönige baute er in Łódź ein gewaltiges Industrieimperium auf.
Welche Ausstellungen gibt es im Museum der Stadt Łódź?
Das Museum beherbergt restaurierte historische Räume wie den Spiegelsaal und den Speisesaal, Ausstellungen zur multikulturellen Industrie- und Stadtgeschichte sowie Gedenkräume für berühmte Bürger wie den Pianisten Artur Rubinstein und den Dichter Julian Tuwim.



