Bastion VII: Das wehrhafte Herz der Festung Zamość - Zamosc
© Gorofil | CC BY-SA 4.0
Ziel

Bastion VII: Das wehrhafte Herz der Festung Zamość

Zamosc, Poland

Bastion VII ist der massivste, wehrhafteste und am besten erhaltene Pfeiler der historischen Festung Zamość. Gelegen am östlichen Rand der Altstadt, direkt neben dem Alten und dem Neuen Lemberger Tor, bildete dieses Bollwerk den eisernen Schutzschild für Jan Zamoyskis Renaissance-„Idealstadt“. Zwischen 1596 und 1600 vom italienischen Baumeister Bernardo Morando entworfen und später von Andrea dell'Aqua verfeinert, spiegelt die Anlage Jahrhunderte militärischer Baukunst wider, vom italienischen Festungsbau der Spätrenaissance bis zur zaristischen Ingenieurskunst des 19. Jahrhunderts.

Die Architektur des Nadszaniec

In den 1820er-Jahren brachte der Militäringenieur General Jan Mallet-Malletski die Verteidigungslinien für die russischen Besatzer auf den neuesten Stand. Zwischen 1825 und 1830 entstand in der Kehle von Bastion VII ein gewaltiger, geschwungener zweigeschossiger Backsteinkavalier, der sogenannte Nadszaniec. Konzipiert, um jeden toten Winkel im Vorfeld auszumerzen, ermöglichte das Bauwerk Artilleriefeuer auf gleich drei Ebenen.

Die modernisierte Bastion verfügte über 46 Schießscharten für die Infanterie, 17 kasemattierte Artilleriescharten und eine verstärkte, erdüberdeckte Dachplattform, die 12 bis 15 schwere Kanonen tragen konnte. In Friedenszeiten diente das Innere des Nadszaniec als Kaserne für bis zu 380 Soldaten.

Im Mauerwerk haben sich auch die politischen Spannungen der Teilungszeit verewigt. Über dem Eingang sind noch Reste einer russischen Stifterinschrift von 1825 zu erkennen, während die Fassade zum Alten Lemberger Tor eine gemeißelte polnische Widmung trägt. Sie ehrt Hauptmann Engbricht und Leutnant Rossmann, die beiden Offiziere, die den Bau leiteten.

Eine Chronik historischer Belagerungen

Im Laufe ihrer aktiven Dienstzeit erwarb sich Zamość europaweit den Ruf einer schier uneinnehmbaren Zitadelle. Nur ein einziges Mal wurde die Festung im Sturm genommen, 1809, als polnische Truppen unter Fürst Józef Poniatowski sie den Österreichern entrissen. Bei etlichen historischen Schlachten bildete Bastion VII den unerschütterlichen Ankerpunkt der Verteidigungslinie.

1648 trotzten die Mauern einer 17-tägigen Belagerung durch Kosaken und Tataren unter Bohdan Chmielnicki und Tugay Bey, bis Lösegeldverhandlungen die Blockade beendeten. Während der „Schwedischen Sintflut“ von 1656 biss sich König Karl X. Gustav die Zähne an den Wällen aus. Zamość gehörte damit zu den einzigen drei großen polnischen Festungen, neben Częstochowa und Danzig, die sich den schwedischen Invasoren nicht ergaben. 1813 hielten napoleonische Truppen unter General Maurycy Hauke einer russischen Belagerung fast zehn Monate lang stand, die Kapitulation folgte erst, als nach Napoleons Niederlage bei Leipzig der Hunger unerträglich wurde. Während des Novemberaufstands von 1831 war die Festung schließlich die allerletzte polnische Bastion, die vor den kaiserlichen Truppen die Waffen streckte.

Schleifung und Umnutzung

Am 21. November 1866 ordnete Zar Alexander II. die Schleifung der Festung Zamość an. Während die meisten Wälle und Bastionen der Stadt dem Erdboden gleichgemacht oder gesprengt wurden, kamen Bastion VII und ihr Nadszaniec davon. Ihre weitläufigen Kasematten waren schlicht zu praktisch als städtischer Lagerraum und Wirtschaftshof.

Die spätere Umnutzung nahm im späten 20. Jahrhundert eine ziemlich kuriose Wendung. In den 1980er-Jahren, noch vor den städtischen Sanierungswellen, quartierte sich in Teilen der historischen Kasematten eine Autowerkstatt ein. Spuren dieser Ära sind bis heute im Gemäuer zu entdecken, etwa eine Inspektionsgrube und der nachträglich herausgebrochene Rahmen eines Einfahrtstors für Fahrzeuge.

Unterirdische Gänge und heutige Nutzung

Heute ist Bastion VII das kulturelle und historische Herzstück von Zamość. Unter der Erde erstreckt sich die Unterirdische Touristenroute (Podziemna Trasa Turystyczna), ein rund 500 Meter langer Rundgang durch alte Kasematten, Schützengänge und Kontereskarpen.

Steigst du in diese Gewölbe hinab, schlägt dir sofort kühle Luft entgegen, begleitet vom unverwechselbaren Geruch alter Ziegel und feuchtem Kalkmörtel. Durch schmale Schießscharten fallen messerscharfe Lichtkegel in die tonnengewölbten Gänge. Dass dieser Komplex ein echtes Labyrinth ist, bewies ein Zwischenfall im Mai 1999: Ein Besucher verlor den Anschluss an seine Reisegruppe, wurde bei Feierabend in den stockdunklen Gängen eingeschlossen und musste, nach einer bangen Stunde im Dunkeln, mit einem der ersten Mobiltelefone die Polizei zu Hilfe rufen.

Wieder über Tage dient das flache Dachplateau des Nadszaniec als Aussichtsterrasse, bestückt mit historischen Kanonen und mit weitem Blick über die Altstadt und die ehemaligen Festungsgräben. In den Innenräumen findest du Dauerausstellungen zur Festungsgeschichte, ergänzt durch lokale Läden und Gastronomie.

FAQ

Warum wurde Bastion VII bei der Schleifung der Festung 1866 verschont?

Als Zar Alexander II. am 21. November 1866 die Schleifung der Festung Zamość anordnete, blieben Bastion VII und ihr Nadszaniec verschont, da ihre riesigen Kasematten ideal als städtische Lager und Wirtschaftsräume genutzt werden konnten.

Was ist die Unterirdische Touristenroute in Bastion VII?

Die Unterirdische Touristenroute ist ein rund 500 Meter langer Rundgang, der durch historische Kontereskarpengänge, Kasematten und Schützengalerien unter der Bastion VII und ihrem Kavalier führt.

Wer hat Bastion VII entworfen und modernisiert?

Die Bastion wurde ursprünglich zwischen 1596 und 1600 vom italienischen Baumeister Bernardo Morando für Jan Zamoyski entworfen und später von Andrea dell'Aqua verfeinert. In den 1820er-Jahren leitete der Militäringenieur General Jan Mallet-Malletski die Modernisierung, bei der auch der gemauerte Nadszaniec entstand.

More places in Zamosc