Armenische Bürgerhäuser in Zamość: Kamienice Ormiańskie - Zamosc
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Armenische Bürgerhäuser in Zamość: Kamienice Ormiańskie

Zamosc, Poland

An der Nordseite des Großen Marktplatzes, entlang der Ormiańska-Straße, reihen sich die Armenischen Bürgerhäuser (Kamienice Ormiańskie) aneinander: fünf Prachtbauten aus der Zeit des Manierismus und Frühbarocks. Mit ihren einheitlichen Erdgeschossarkaden, den leuchtenden Fassaden und den reich verzierten Attiken (attyki) flankieren sie das Rathaus nach Osten, ein steinernes Denkmal für den wirtschaftlichen Triumph der frühen Zamośćer Kaufmannselite.

Bernardo Morandos Stadtplan und der Handel mit dem Osten

Als Jan Zamoyski seine Stadt 1580 aus dem Boden stampfte, war der Zuzug eigentlich streng katholischen Gläubigen vorbehalten. Doch hehre Prinzipien füllen keine Stadtkassen: Um den Handel anzukurbeln, erließ Zamoyski am 30. April 1585 ein Siedlungsprivileg und lud gezielt armenische Kaufleute ein. Das Dekret versprach ihnen Religionsfreiheit, das Recht auf eine eigene Kirche und ab 1589 sogar eine eigene Verwaltung samt Gerichtsbarkeit.

Die Händler strömten aus dem Osmanischen Reich und aus Persien herbei, aus Anatolien und Kaffa, aber auch aus Handelsmetropolen wie Lemberg (Lwów) und Kamjanez-Podilskyj. Sie beherrschten die Korridore zwischen der Levante, dem Schwarzen Meer und Mitteleuropa und brachten das Beste mit, was Geld damals kaufen konnte: persische und türkische Teppiche (kobierce adziamskie), schimmernde Seide, feinstes Saffianleder, Prunkwaffen aus dem Orient und schwere Weine. Im anthropomorphen Masterplan des Hofarchitekten Bernardo Morando, in dem der Palast als Kopf und der Marktplatz als Rumpf gedacht war, floss genau dieser Luxusreichtum direkt in den Ausbau und die Garnison der Festung Zamość.

Die fünf Bürgerhäuser und die Ikonografie der Fassaden

Mitte des 17. Jahrhunderts ersetzte die armenische Gemeinde ihre früheren Holzbauten durch massive Residenzen aus Stein und Backstein. Gebaut nach Morandos vorgegebenem Straßenrhythmus und mit einheitlicher Arkadenhöhe, verschmelzen an den Fassaden italienische Renaissanceproportionen, niederländischer Manierismus und orientalische Zierelemente:

  • Kamienica Wilczkowska (Nr. 30): In sattem Grün gehalten, entstand dieses Haus zwischen 1665 und 1674 für den Ratsherrn Jan Wilczek. Dass hier ein Mann von Rang wohnte, übersieht man nicht: Dessen Monogramm „JWRZ“ (Jan Wilczek Rajca Zamojski) ist gleich viermal in Friese und Kartuschen gemeißelt.
  • Kamienica Rudomiczowska (Nr. 28): Das dunkelgelbe Gebäude aus der Mitte des 17. Jahrhunderts gehörte Bazyli Rudomicz, einem Universalgelehrten, der gleichzeitig als Arzt, Chronist und Rektor der Zamość-Akademie (Akademia Zamojska) wirkte.
  • Kamienica Pod Aniołem (Nr. 26): In den 1630er-Jahren für den Kaufmann Gabriel Bartoszewicz erbaut, zieht dieses rote Haus mit einem Relief des Erzengels Gabriel die Blicke auf sich. Flankiert wird er von zwei Löwen, die einem in Weinranken verfangenen Drachen die Stirn bieten. Ein apotropäischer Zauber aus Stein, der böse Mächte zuverlässig vor der Haustür halten sollte.
  • Kamienica Pod Małżeństwem (Nr. 24): Das blaue Haus stammt aus der Zeit vor Mitte des 17. Jahrhunderts und trägt Porträtmedaillons eines Paares an der Fassade. Die Stadtlegende dichtet den beiden gern eine Verstrickung in einen Hexenprozess des 17. Jahrhunderts an, auch wenn die historische Forschung das eher ins Reich der Schauermärchen verweist.
  • Kamienica Pod Madonną (Nr. 22): Mit nur zwei Stockwerken tanzt dieses zartgelbe Haus bewusst aus der Reihe. Erbaut wurde es Mitte des 17. Jahrhunderts für den Kaufmann Sołtan Sachwelowicz.

Auf Straßenhöhe sorgen die kreuz- und tonnengewölbten Laubengänge (podcienia) für kühlen Schatten und hallende Schritte. Sie schützten flanierende Bürger vor sengender Sommersonne wie vor Regengüssen und schneiden bis heute tiefe, dramatische Schatten in die leuchtend bunten Fassaden.

Rückbau und Rekonstruktion der Attiken

Die aufwendigen Zierattiken, die die Häuser krönen, sind allerdings keine unberührten Überbleibsel aus der Renaissance. Im 19. Jahrhundert machten die österreichisch-russischen Militärbehörden kurzen Prozess und rissen die kunstvollen Dachaufbauten ab, um die Festung zweckmäßig zu modernisieren.

Erst in den 1970er-Jahren brachte eine groß angelegte Restaurierung unter Architekt Wiktor Zin die historische Dachlandschaft zurück. Akribisch rekonstruierten Denkmalpfleger anhand alter Dokumente das Rollwerk, die Ziergiebel und Wappenaufsätze, sodass die Nordseite des Platzes heute wieder ihre unverwechselbare Silhouette des 17. Jahrhunderts zeigt.

Heutige Nutzung und Denkmalpflege

Heute bilden die Häuser 24, 26, 28 und 30 die Kulisse für das Zamość-Museum (Muzeum Zamojskie). Neben Regionalgeschichte und archäologischen Schätzen kannst du hier originale Bausubstanz aus nächster Nähe bewundern, von meisterhaft behauenen Steinportalen über bemalte Holzbalkendecken bis zu barockem Stuck.

Haus Nr. 22 ist Teil der staatlichen Bernardo-Morando-Kunstoberschule und beherbergt den Ausstellungsraum Galeria Pod Madonną. Und tief unter dem Pflaster pulsiert das Leben in den historischen Gewölbekellern weiter, etwa bei einer Einkehr im Restaurant Ormiańskie Piwnice in der Ormiańska 30.

FAQ

Was sind die Armenischen Bürgerhäuser in Zamość?

Die Armenischen Bürgerhäuser (Kamienice Ormiańskie) sind ein Ensemble aus fünf Kaufmannshäusern des Manierismus und Frühbarocks aus dem 17. Jahrhundert. Sie säumen die Ormiańska-Straße an der Nordseite des Großen Marktplatzes in Zamość.

Sind die kunstvollen Dachattiken auf den Bürgerhäusern original?

Die originalen Attiken aus dem 17. Jahrhundert fielen im 19. Jahrhundert militärischen Modernisierungen der österreichisch-russischen Verwaltung zum Opfer. Die heutigen Zierbrüstungen wurden in den 1970er-Jahren unter der Leitung des Architekten Wiktor Zin anhand historischer Quellen rekonstruiert.

Was befindet sich heute in den Armenischen Bürgerhäusern?

In den Häusern 24, 26, 28 und 30 ist das Zamość-Museum (Muzeum Zamojskie) mit seinen Sammlungen untergebracht. Haus Nr. 22 beherbergt die Galeria Pod Madonną der örtlichen Kunstoberschule, und in den historischen Gewölbekellern laden Lokale wie das Restaurant Ormiańskie Piwnice zu einem Besuch ein.

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