
Armenischer Chatschkar in Zamość: Geschichte und Symbolik
Das armenische Erbe von Zamość
Der armenische Chatschkar (pomnik ormiański) ist ein traditionell behauener Kreuzstein an der Ulica Waleriana Łukasińskiego am Rande der Zamośćer Altstadt. Am 16. September 2018 enthüllt und geweiht, feiert das Denkmal die polnisch-armenische Freundschaft und hält mehr als vier Jahrhunderte armenisches Erbe in der Stadt lebendig. Während die prächtigen, farbenfrohen armenischen Bürgerhäuser am Großen Markt vom historischen Wohlstand der Handelsgemeinschaft künden, setzt der Chatschkar einen dauerhaften spirituellen und gemeinschaftlichen Kontrapunkt.
Die verlorene Kirche Mariä Himmelfahrt
Der Boden unter dem Chatschkar wiegt historisch schwer: Er steht exakt auf den Grundmauern der ehemaligen armenischen Kirche Mariä Himmelfahrt, die Ende des 16. Jahrhunderts mitsamt Friedhof und Hospital errichtet wurde.
Die armenische Geschichte der Stadt begann, als Stadtgründer Jan Zamoyski der Gemeinde am 30. April 1585 weitgehende Siedlungsprivilegien gewährte. Sie sicherten den Armeniern rechtliche Selbstverwaltung, Handelsrechte und freie Religionsausübung. Um 1678 machten sie bereits rund 15 Prozent der Bevölkerung von Zamość aus. Als versierte Goldschmiede oder Lederhandwerker prägten sie das städtische Handwerk und kurbelten den lebenswichtigen Handel zwischen Polen-Litauen, Persien und dem Osmanischen Reich an.
Unter österreichischer Herrschaft wurde die Gemeinde 1786 aufgelöst. Das Kircheninventar kam unter den Hammer, in den 1820er-Jahren folgte der Abriss des Gotteshauses. Seine Fundamente blieben im Verborgenen, bis 1968 die Aushubarbeiten für das Hotel Renesans begannen. Genau fünfzig Jahre nach diesem Fund fand der Chatschkar seinen Platz, um der verschwundenen Kirche und dem Friedhof wieder ein sichtbares Zeichen zu setzen.
Kunstfertigkeit und städtische Symbolik
Rund dreieinhalb Meter ragt der Chatschkar empor, gehauen aus porösem, mattem armenischem Vulkantuff in warmem Terrakotta-Rosa. Seine lebendige Textur und der erdige Farbton setzen einen markanten Kontrast zum satten Grün des Rasens und dem grauen Pflaster. Geschaffen wurde das Werk in Eriwan vom armenischen Steinmetzmeister Varazdat Hambardzumyan. Er überzog den Stein mit dichten, spitzenartigen Flachreliefs: Palmetten, die vom Sockel emporstreben, kunstvoll verschlungene Knotenmuster und Blattmotive, die sich von den Armen des zentralen Flügelkreuzes ausbreiten.
Statt starr bei mittelalterlichen armenischen Konventionen zu verweilen, schlägt das Denkmal eine Brücke zur lokalen Stadtgeschichte: Es zeigt den Apostel Thomas mit Lanze, das Wappenzeichen von Zamość, flankiert von einem Basrelief, das die Architektur der abgerissenen armenischen Kirche aus dem 17. Jahrhundert wiederaufleben lässt. Die Inschriften sind auf Polnisch, Armenisch und Englisch eingemeißelt.
Entstehung und Weihe
Die Initiative für das Denkmal ging vom ehemaligen armenischen Botschafter in Polen, Edgar Ghazaryan, aus. Finanziert wurde es von dem Philanthropen Arsen Ovsepyan, dem Präsidenten der Polnisch-Armenischen Stiftung. Nach seiner Fertigstellung in Armenien trat der 3,5 Meter hohe Steinriese eine weite Reise auf dem Landweg durch Russland und Belarus an, um Zamość zu erreichen.
Die Weihe fiel auf ein symbolträchtiges Datum: das Fest der Kreuzerhöhung sowie die jeweiligen Hundertjahrfeiern der polnischen Unabhängigkeit und der Ersten Republik Armenien. Unter den Gästen der Einweihungszeremonie im September 2018 war auch Mirosław Hermaszewski, der erste polnische Kosmonaut. Heute setzt das Freiluftdenkmal ein dauerhaftes Zeichen für die multikonfessionellen Wurzeln von Zamość.
FAQ
Wo befindet sich der armenische Chatschkar in Zamość?
Das Denkmal befindet sich an der Ulica Waleriana Łukasińskiego nahe dem Hotel Renesans, genau an der Stelle, an der einst die armenische Kirche Mariä Himmelfahrt aus dem 16. Jahrhundert samt Friedhof stand.
Aus welchem Material besteht das Denkmal?
Es wurde in Eriwan von Steinmetzmeister Varazdat Hambardzumyan aus terrakotta-rosafarbenem Vulkantuff gemeißelt, der eigens aus Armenien stammt.
Welche besonderen Verzierungen sind auf dem Chatschkar in Zamość zu sehen?
Neben traditionellen armenischen Flügelkreuzmotiven und Flechtwerk zeigt er den Apostel Thomas mit Lanze (das Wappensymbol von Zamość), ein Basrelief der abgerissenen armenischen Kirche aus dem 17. Jahrhundert sowie Inschriften auf Polnisch, Armenisch und Englisch.



