
Statue von König Alfons II.: Der erste Jakobspilger
Auf der Praza de Entrepaciñas in Santiago de Compostela steht ein Denkmal zu Ehren einer Schlüsselfigur in der Geschichte der Stadt: König Alfons II. von Asturien, bekannt als „El Casto“ (der Keusche). Diese Statue erinnert an den Monarchen, dessen Reise im 9. Jahrhundert den weltberühmten Pilgerweg, den Jakobsweg, begründete.
Die Herrschaft von Alfons II., dem Keuschen
König Alfons II. herrschte von 791 bis 842 n. Chr. über das Königreich Asturien. Seine 50-jährige Herrschaft war geprägt von politischer Stabilität, ständigen Feldzügen gegen das Emirat von Córdoba und diplomatischen Beziehungen zu Herrschern wie Karl dem Großen. Er wurde um 759 geboren und erhielt wegen seines asketischen Privatlebens den Beinamen „der Keusche“. Berichten zufolge vollzog er seine Ehe nie und hinterließ keine Nachkommen, was für einen Monarchen seiner Zeit eine bemerkenswerte Eigenschaft war.
Der erste Pilger und der Camino Primitivo
Ein entscheidender Moment seiner Herrschaft ereignete sich um 813 n. Chr., als Bischof Theodomir von Iria Flavia die Entdeckung des Grabes des Apostels Jakobus meldete. Um den Anspruch zu bestätigen, unternahm König Alfons II. eine über 300 Kilometer lange Reise von seiner Hauptstadt Oviedo zum Fundort. Dieser Akt machte ihn zum ersten urkundlich erwähnten Pilger nach Compostela und begründete die Route, die heute als Camino Primitivo oder „Ursprünglicher Weg“ bekannt ist.
Ein Denkmal mit einem Zwilling
Die Bronzestatue zu Ehren des Königs in Santiago de Compostela wurde 1965 eingeweiht. Sie befindet sich in einem Garten in der Nähe des alten Universitätsgebäudes. Interessanterweise ist diese Statue eine Replik. Die Originalskulptur wurde 1942 von Víctor Hevia Granda geschaffen und befindet sich in Oviedo, der Stadt, die als Ausgangspunkt für die historische Pilgerreise von Alfons II. diente. Das Denkmal dient als greifbare Verbindung zu den Ursprüngen des Jakobswegs und zieht Einheimische, Touristen und Pilger an.
Die Gründung eines Pilgerziels
Nachdem Alfons II. die Entdeckung des Grabes bestätigt hatte, befahl er den Bau einer kleinen Kirche über den Reliquien, um sie zu schützen. Dieser erste, 834 n. Chr. geweihte Tempel war ein bescheidener Bau, der in Texten als „de piedra y barro“ (aus Stein und Lehm) beschrieben wird. Dies war nicht nur ein religiöser, sondern auch ein strategischer Akt. Er legitimierte den Ort mit dem Ziel, die christlichen Königreiche der Iberischen Halbinsel zu vereinen und Siedler anzuziehen. Sein Handeln legte den Grundstein für die Entwicklung Santiago de Compostelas zu einem bedeutenden spirituellen Zentrum und führte schließlich zum Bau der großen Kathedrale, die heute dort steht.
FAQ
Wer war König Alfons II. von Asturien?
König Alfons II., „der Keusche“, war von 791 bis 842 n. Chr. König von Asturien. Er gilt als der erste offizielle Pilger zum Grab des Heiligen Jakobus und begründete damit den Jakobsweg.
Warum ist die Statue von Alfons II. in Santiago de Compostela eine Replik?
Die Statue in Santiago ist die Replik eines Werks des Bildhauers Víctor Hevia Granda aus dem Jahr 1942. Das Original befindet sich in Oviedo, der Hauptstadt Asturiens und dem Ausgangspunkt der Pilgerreise von König Alfons II., was eine symbolische Verbindung zwischen den beiden Städten schafft.
Warum wurde König Alfons II. „der Keusche“ genannt?
Er erhielt den Beinamen „el Casto“ oder „der Keusche“ aufgrund seines strengen christlichen Lebens. Berichten zufolge soll er seine Ehe nie vollzogen und keine Kinder gehabt haben.
Welche war die erste Kirche, die über dem Grab des Heiligen Jakobus erbaut wurde?
König Alfons II. befahl den Bau des ersten Tempels. Es war eine bescheidene Kirche aus Stein und Lehm, die 834 n. Chr. geweiht wurde und später unter Alfons III. durch eine größere Basilika ersetzt wurde.



