
Die Ruine S:ta Karin: Geschichte der Franziskanerkirche von Visby
Die dramatischen gotischen Bögen der Ruine S:ta Karin, auch als Katharinenkirche bekannt, sind die skelettartigen Überreste einer einst prächtigen Franziskanerkirche. Sie liegt direkt neben dem Stora Torget, dem Hauptplatz von Visby, und ist eine der bedeutendsten Kirchenruinen in dieser UNESCO-Weltkulturerbestadt.
Franziskanische Ursprünge und Bau
Die Kirche war das Herzstück des ersten Franziskanerklosters in Visby, das 1233 von Mönchen gegründet wurde, die als „Gråbröder“ (graue Brüder) bekannt waren. Die ursprüngliche Kirche, ein langer, schmaler Bau mit hohen Rundbogenfenstern, wurde um 1250 fertiggestellt. Die Beliebtheit des Franziskanerordens führte Ende des 14. Jahrhunderts zu größeren Erweiterungen, darunter ein prachtvollerer Chor mit hohen Fenstern. Bei dieser Erweiterung, die von Bischof Niels initiiert und 1391 von Erzbischof Henrik eröffnet wurde, kam erstmals Backstein für die Gewölbe zum Einsatz, eine einzigartige Wahl im von Kalkstein dominierten Visby.
Einsturz, Verfall und Ruin
Der Bau verlief nicht ohne Schwierigkeiten. Im Jahr 1402 kam es zu einem erheblichen Rückschlag, als bei einer Verlängerung des Langhauses sechs Bögen einstürzten, was den Bau neuer Säulen und Bögen aus Backstein erforderlich machte. Obwohl die Kirche 1412 eingeweiht wurde, wurde sie nie vollständig fertiggestellt, da Gelder oft für andere Klostergebäude abgezweigt wurden. Das Ende der Kirche kam nach der Plünderung Visbys durch Lübeck im Jahr 1525. Kurz darauf führte die Reformation in den frühen 1530er-Jahren zur Auflösung der Klöster, und S:ta Karin wurde, wie die meisten Kirchen in Visby, aufgegeben und dem Verfall überlassen.
Ein mittelalterlicher Friedhof
Der Boden innerhalb der Ruine diente als Begräbnisstätte für Franziskanermönche und andere. Er ist noch immer voll von unberührten Gräbern, und es ist dokumentiert, dass menschliche Überreste nur 30 Zentimeter unter der Oberfläche zu finden sind. Historische Aufzeichnungen deuten darauf hin, dass im Mittelalter zur Eindämmung des Geruchs der verwesenden Körper manchmal das Fleisch von den Knochen gekocht wurde.
Die Ruine S:ta Karin heute
Heute ist die Ruine S:ta Karin ein frei zugängliches öffentliches Wahrzeichen, das seit 1805 unter Denkmalschutz steht. Sie ist ein beliebter Veranstaltungsort für öffentliche und private Events wie Hochzeiten, Konzerte und Ausstellungen und bietet Platz für Hunderte von Menschen. Die vom Gotlands Museum verwaltete Ruine ist in der Regel von Mai bis September für Besucher geöffnet und umgeben von Cafés und Restaurants, die sie zu einem festen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens von Visby machen.
FAQ
Warum ist S:ta Karin eine Ruine?
Die Kirche wurde wahrscheinlich bei der Plünderung Visbys durch Lübeck im Jahr 1525 zerstört und nach der Reformation in den frühen 1530er-Jahren, die zur Schließung aller Klöster führte, offiziell aufgegeben.
Was war die Ruine S:ta Karin ursprünglich?
Ursprünglich war sie die Katharinenkirche (S:ta Karin), das zentrale Gebäude des ersten Franziskanerklosters von Visby, das 1233 gegründet wurde.
Kann man die Ruine S:ta Karin besichtigen?
Ja, die Ruine ist ein markantes und frei zugängliches Wahrzeichen in Visby. Sie ist für Besucher in der Regel von Mai bis September geöffnet.
Was ist das Besondere am Boden der Ruine S:ta Karin?
Der Boden innerhalb der Ruine ist voll von unberührten mittelalterlichen Gräbern. Berichten zufolge können menschliche Überreste, wie ein Zeh oder ein Schulterblatt, nur 30 Zentimeter unter der Oberfläche gefunden werden.



