
Åland Schifffahrtsmuseum: Erbe der letzten Windjammer
Das Åland Schifffahrtsmuseum in Mariehamn zeugt von der tiefen Verbindung der Ålandinseln zum Meer. Dieses Museum von Weltrang bewahrt die einzigartige Geschichte, wie diese Region zur „Heimat der letzten Windjammer“ wurde und dem weltweiten Trend zur Dampfkraft bis weit ins 20. Jahrhundert hinein trotzte.
Das letzte Kapitel der Segelschifffahrt
Die internationale Bekanntheit Mariehamns ist eng mit dem Reeder Gustaf Erikson verbunden. Ab 1913 verfolgte Erikson ein einzigartiges Geschäftsmodell: Er erwarb große Segelschiffe, als der Rest der Welt bereits auf Dampfkraft setzte. Er baute die weltweit letzte große kommerzielle Segelschiffflotte auf und erwarb zwischen 1913 und 1947 66 Handelsschiffe. Seine Schiffe, darunter die berühmte Viermastbark Pommern, nahmen an den „Getreiderennen“ teil und transportierten Weizen von Australien nach Europa. Eriksons detaillierte Geschäftsarchive, die diese bemerkenswerte Ära dokumentieren, wurden 2023 in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen.
Museumsgeschichte und Architektur
Die Geschichte des Museums beginnt in den 1920er-Jahren mit Kapitän Carl Holmqvist, der maritime Objekte sammelte, um das Erbe Ålands zu bewahren, als das Zeitalter der kommerziellen Segelschifffahrt zu Ende ging. Dies führte 1935 zur Gründung des Åland Nautik-Clubs und 1954 zur offiziellen Eröffnung des Museums. Das ursprüngliche Gebäude, entworfen von Jonas Cedercreutz, ist eine Mischung aus Funktionalismus und Nordischem Klassizismus, mit einer Fassade, die symbolisch einen Schiffsbug darstellt, der ins Land schneidet. Ein größerer Erweiterungsbau, entworfen von Kangas & Vuorinen Architects, wurde 2012 fertiggestellt.
Ausstellungen und das Museumsschiff Pommern
Das Museum bietet eine Reihe interaktiver Ausstellungen, darunter einen Brückensimulator und einen Kletter-Mast. Ein Höhepunkt für jüngere Besucher ist das Kinderzimmer „Ruby und das Meer“ und eine Schnitzeljagd mit „Ruby, der Schiffsratte“. Eines der überraschendsten Artefakte des Museums ist eine authentische Piratenflagge aus dem 18. Jahrhundert, eine der weltweit einzigen, die angeblich vor der Küste der Barbarei gehisst wurde.
Draußen liegt dauerhaft das Museumsschiff Pommern vor Anker. Diese Viermastbark, die in den 1950er-Jahren von Gustaf Eriksons Kindern an Mariehamn gespendet wurde, ist ein zentraler Bestandteil des Museumserlebnisses. Das Schiff, das einst zweimal das Getreiderennen gewann und eine 110-tägige Nonstop-Reise absolvierte, kann mit einem Ticket erkundet werden, das oft mit dem Museumseintritt kombiniert wird.
Ein Zentrum für maritime Geschichte
Über seine öffentlichen Ausstellungen hinaus ist das Åland Schifffahrtsmuseum eine wichtige Ressource für Forscher, mit einer Bibliothek und E-Info-Punkten. Es bietet außerdem Bildungsprogramme, Workshops und Vorträge an. Die Institution ist ganzjährig geöffnet und verfügt über ein Auditorium mit 108 Plätzen für Konferenzen, was ihre Rolle als wichtiges Zentrum für die Bewahrung und Interpretation der kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen maritimen Geschichte Ålands weiter festigt.
FAQ
Wer war Gustaf Erikson?
Gustaf Erikson war ein Reeder aus Mariehamn, der zwischen 1913 und 1947 die weltweit letzte große kommerzielle Segelschiffflotte erwarb und profitabel betrieb, lange nachdem die Dampfkraft im globalen Schiffsverkehr dominant geworden war.
Was ist das Museumsschiff Pommern?
Die *Pommern* ist eine Viermastbark, die Teil von Gustaf Eriksons Flotte war. Nach ihrer letzten kommerziellen Reise im Jahr 1939 wurde sie der Stadt Mariehamn gespendet und 1957 ein Museumsschiff, wo sie als zentrales Ausstellungsstück dient.
Hat das Åland Schifffahrtsmuseum besonders seltene Artefakte?
Ja, die Sammlung des Museums umfasst eine der weltweit einzigen authentischen Piratenflaggen aus dem 18. Jahrhundert, die angeblich von einem Piratenschiff vor der Küste der Barbarei gehisst wurde.
Ist das Åland Schifffahrtsmuseum für Kinder geeignet?
Ja, das Museum ist familienfreundlich und bietet interaktive Ausstellungen wie einen Kletter-Mast, ein spezielles Kinderzimmer namens „Ruby und das Meer“ und eine Schnitzeljagd.



