
Västra Hamnen: Heimat der letzten Windjammer
Mariehamns Westhafen (Västra Hamnen) ist einer der beiden Haupthäfen der Stadt und für ihre maritime Identität von zentraler Bedeutung. Die Stadt selbst wurde per Dekret des russischen Kaisers Alexander II. am 21. Februar 1861 gegründet und nach seiner Frau, Kaiserin Maria Alexandrowna, benannt. Der Tiefwasserzugang des Hafens und seine Tendenz, im Winter eisfrei zu bleiben, machten ihn zu einem strategisch wichtigen Ort für die Schifffahrt.
Die letzte große Ära der Segelschifffahrt
Während Dampfschiffe Anfang des 20. Jahrhunderts den globalen Handel dominierten, entwickelte sich Mariehamn zum unwahrscheinlichen Zentrum der weltweit letzten großen kommerziellen Segelflotte. Dies war dem Reeder Gustaf Erikson zu verdanken, der sein Unternehmen 1913 hier gründete. Erikson widersetzte sich dem technologischen Trend, indem er Windjammer, oft zu niedrigen Preisen, erwarb und sie profitabel betrieb.
Zwischen 1913 und 1947 wuchs Eriksons Flotte auf 46 Segelschiffe an. Diese Schiffe waren hauptsächlich im anspruchsvollen Getreidehandel tätig und unternahmen lange Reisen von Australien nach Europa, oft auf der tückischen Kap-Hoorn-Route. Der Hafen wurde zu einem geschäftigen Knotenpunkt, an dem angehende Segler aus aller Welt eine Ausbildung auf diesen Hochseeschiffen suchten.
Die legendäre Pommern
Fest vertäut im Westhafen liegt die viermastige Bark Pommern, ein wichtiger Bestandteil von Eriksons Flotte. Das Schiff wurde 1903 in Glasgow gebaut und 1923 von Erikson erworben. Die Pommern wurde berühmt, als sie sowohl 1930 als auch 1937 das inoffizielle „Great Grain Race“ von Australien nach Europa gewann.
Das Schiff erwarb sich den Ruf eines „Glücksschiffs“, da es beide Weltkriege unbeschadet überstand und während seiner gesamten Karriere auf See nur vier Besatzungsmitglieder verlor. 1957 wurde die Pommern ein Museumsschiff, das eine greifbare Verbindung zur Ära der kommerziellen Segelschifffahrt bietet.
Der Hafen heute
Heute ist der Westhafen ein geschäftiger internationaler Hafen, der 2018 Finnlands drittmeistgenutzter für internationale Passagiere war. Fähren bieten tägliche Verbindungen nach Schweden, Estland und zum finnischen Festland. Ein wesentlicher Motor dieses Verkehrs ist Ålands Status außerhalb der EU-Zollunion, der zollfreie Verkäufe an Bord ermöglicht.
Neben der Pommern finden Besucher das Åland Maritime Museum, das die Seefahrtsgeschichte der Region detailliert darstellt. Zum Gelände gehört auch der ÅSS-Gästehafen, ein beliebter Treffpunkt mit dem Restaurant ÅSS Paviljongen, das vom renommierten Architekten Lars Sonck entworfen wurde. Der Hafen veranstaltet auch maritime Ereignisse wie The Tall Ships Races.
FAQ
Warum war Mariehamns Westhafen für Segelschiffe wichtig?
Der Westhafen war der Heimathafen von Gustaf Eriksons Flotte, der weltweit letzten großen kommerziellen Segelflotte. Sein Tiefwasserzugang und die meist eisfreien Bedingungen machten ihn zu einem strategisch wichtigen, ganzjährig nutzbaren Knotenpunkt für den globalen Getreidehandel.
Wer war Gustaf Erikson?
Gustaf Erikson war ein åländischer Reeder, der ab 1913 die weltweit letzte Flotte kommerzieller Windjammer zusammenstellte und profitabel betrieb, wodurch er sich dem Übergang der globalen Schifffahrtsindustrie zur Dampfkraft widersetzte.
Was ist die Pommern?
Die Pommern ist eine viermastige Bark, die Teil von Gustaf Eriksons Flotte war. Sie war berühmt für ihren Erfolg beim „Great Grain Race“ aus Australien. Seit 1957 ist sie ein Museumsschiff, das im Westhafen vor Anker liegt.
Was gibt es heute im Westhafen zu sehen?
Heute ist der Westhafen ein geschäftiger internationaler Fährhafen. Er ist auch eine wichtige Kulturstätte, mit dem Museumsschiff Pommern, dem Åland Maritime Museum, einem Gästehafen und Restaurants wie dem ÅSS Paviljongen.



