Glockenspiel Graz: Geschichte und Spielzeiten - Graz
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Glockenspiel Graz: Geschichte und Spielzeiten

Graz, Austria

Im Herzen der historischen Grazer Altstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, verzaubert das Glockenspiel mit seiner täglichen musikalischen Darbietung die Schaulustigen. Am Glockenspielplatz 4 gelegen, ist dieses kunstvolle Carillon eine beliebte Attraktion, die Menschenmassen anzieht, um das charmante Schauspiel der tanzenden Figuren und des melodischen Geläuts zu erleben.

Eine Geschichte von Handel und Kultur

Der Ursprung des Glockenspiels ist eine faszinierende Geschichte von cleverem Marketing. Es wurde vom Spirituosenhersteller Gottfried Maurer in Auftrag gegeben, der das Gebäude 1884 erwarb. Inspiriert von Glockenspielen, die er auf Geschäftsreisen in Belgien und Norddeutschland gesehen hatte, beschloss Maurer, eines in seinem eigenen Haus zu installieren, um Kunden für sein Wein- und Spirituosengeschäft zu gewinnen. Das Projekt wurde 1903 vom Stadtrat genehmigt.

Das Carillon erklang erstmals am Heiligabend 1905. Seine unmittelbare Beliebtheit war so groß, dass der Platz, der früher als „Fliegenplatzl“ (kleiner Fliegenplatz) bekannt war, 1908 offiziell in Glockenspielplatz umbenannt wurde. Als kluger Werbestratege entwarf Maurer auch die Jugendstilfassade des Gebäudes mit Reliefs und Mosaiken, die den Weinkonsum anregen sollten. Die männliche Tanzfigur im Glockenspiel scheint dem Publikum sogar zuzuprosten, indem sie ein Glas Wein erhebt.

Die tägliche Vorführung

Dreimal täglich, um 11:00, 15:00 und 18:00 Uhr, erwacht das Glockenspiel zum Leben. Etwa acht Minuten lang treten zwei vom Bildhauer Georg Winkler geschnitzte Holzfiguren in traditioneller steirischer Tracht aus dem Giebel hervor und tanzen zur Musik. Die Vorstellung endet damit, dass ein goldener Hahn seine Flügel ausbreitet und kräht. Dieser Hahn wurde einer ähnlichen Figur am Münchner Rathaus nachempfunden.

Die Musik wird von 24 Glocken erzeugt, wobei die Melodien auf einer massiven, 800 kg schweren mechanischen Walze programmiert sind. Um für Abwechslung zu sorgen, wird das Repertoire etwa fünfmal im Jahr durch das Umstecken von 800 Stahlstiften auf der Walze geändert. Die Auswahl umfasst rund 70 verschiedene Lieder, von alpenländischen Volksliedern und Jodlern bis hin zu Weihnachtsliedern und modernen Stücken.

Ein Symbol der Widerstandsfähigkeit

Die Geschichte des Glockenspiels spiegelt auch die Widerstandsfähigkeit der Stadt wider. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die ursprünglichen 24 Glocken entfernt und für Rüstungszwecke eingeschmolzen, was das Wahrzeichen zum Schweigen brachte. Erst 1956 wurde das Carillon vollständig mit neuen Glocken restauriert, sodass seine Musik wieder über den Platz hallen konnte.

Gottfried Maurer vermachte das Glockenspiel 1929 der Stadt Graz unter der Bedingung, dass es in Betrieb bleibt. Heute ist es ein bedeutendes kulturelles Wahrzeichen inmitten des belebten Gastronomieviertels, das als „Bermudadreieck“ bekannt ist, und begeistert weiterhin Einheimische wie Touristen gleichermaßen.

FAQ

Wann spielt das Glockenspiel in Graz?

Das Glockenspiel spielt dreimal täglich, um 11:00, 15:00 und 18:00 Uhr.

Warum wurde das Grazer Glockenspiel gebaut?

Es wurde ursprünglich vom Spirituosenhersteller Gottfried Maurer als clevere Werbestrategie für sein Wein- und Spirituosengeschäft erbaut, das sich im selben Gebäude befand.

Was passiert während der Vorführung des Glockenspiels?

Zwei geschnitzte Holzfiguren in traditioneller steirischer Tracht treten hervor und tanzen zur Musik von 24 Glocken. Die Vorführung endet mit dem Krähen eines goldenen Hahns.

Verstummte das Grazer Glockenspiel jemals?

Ja, das Glockenspiel verstummte während des Zweiten Weltkriegs, als seine ursprünglichen Glocken für Rüstungszwecke eingeschmolzen wurden. 1956 wurde es mit neuen Glocken wiederhergestellt.

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