Kathedrale St. Peter und Paul: Brünns Wahrzeichen Petrov
Punkt elf Uhr morgens schlagen die Glocken der Kathedrale St. Peter und Paul zwölf Mal und verkünden damit den Mittag. Von den Einheimischen liebevoll Petrov genannt, thront diese aktive römisch-katholische Kathedrale auf dem Petrov-Hügel im Zentrum von Brünn. Sie prägt die Silhouette der Stadt wie kein anderes Bauwerk, direkt oberhalb des Krautmarkts (Zelný trh) und gegenüber der Festung Špilberk.
Die architektonische Entwicklung
Alles begann im 11. Jahrhundert mit einer kleinen romanischen Kapelle, die im 13. Jahrhundert zu einer Basilika erweitert wurde. Im 14. Jahrhundert folgte der Umbau im gotischen Stil. Ursprünglich als Kollegiatkirche genutzt, wurde der Bau 1777 offiziell zum Bischofssitz der Diözese Brünn erhoben.
Der Dreißigjährige Krieg setzte der Kathedrale schwer zu. Im 18. Jahrhundert gestaltete der Architekt Mořic Grimm das Innere im barocken Stil um. Die imposante Außenansicht mit den 84 Meter hohen neugotischen Doppeltürmen kam erst viel später hinzu. Diese wurden vom Architekten August Kirstein entworfen und zwischen 1901 und 1909 erbaut.
Die Legende vom Mittagsschlag um 11 Uhr
Die Kathedrale ist eng mit einer berühmten Brünner Legende aus der Zeit der schwedischen Belagerung im Jahr 1645 verwoben. Der schwedische General Lennart Torstenson schwor, den Rückzug anzutreten, sollte die Stadt nicht bis zum Mittag des 15. August fallen. Als der Verteidiger von Brünn, Jean-Louis Raduit de Souches, von diesem Schwur erfuhr, befahl er dem Küster, die Mittagsglocken einfach schon um 11:00 Uhr zu läuten. Die Finte gelang, und die Schweden brachen die Belagerung ab.
Diese Tradition lebt bis heute weiter. Noch immer ertönen im historischen Zentrum um Punkt 11:00 Uhr zwölf Glockenschläge. Auch die moderne, schwarze astronomische Uhr auf dem nahegelegenen Náměstí Svobody greift diesen Brauch auf. Sie spuckt täglich um genau elf Uhr eine Glaskugel als Souvenir aus, um an die Rettung der Stadt zu erinnern.
Die Kathedrale und ihre Krypta erkunden
Die Kathedrale St. Peter und Paul ist bis heute der Sitz des Bischofs von Brünn. Das Hauptschiff kannst du kostenlos besichtigen. Im Inneren erwartet dich eine prunkvolle Barockausstattung mit der berühmten „Kapistránka“-Kanzel. Sie erinnert an den Franziskanermönch Johannes Capistranus, der 1451 in Brünn predigte.
Mit einem kostenpflichtigen Ticket gelangst du auf die Türme der Kathedrale und wirst mit einer phantastischen Aussicht über die Stadt belohnt. Auch die unterirdische Krypta steht Besuchern offen. Dort kannst du die archäologischen Überreste der ursprünglichen romanischen Basilika entdecken.
Kulturelle Bedeutung
Neben ihrer religiösen und historischen Bedeutung ist die Kathedrale ein Wahrzeichen der tschechischen Kultur. Die unverwechselbare Silhouette von Petrov ziert sogar die Rückseite der tschechischen 10-Kronen-Münze, entworfen von Ladislav Kozák.
FAQ
Warum läuten die Mittagsglocken der Kathedrale St. Peter und Paul schon um 11 Uhr?
Während der schwedischen Belagerung von Brünn im Jahr 1645 schwor ein schwedischer General, sich zurückzuziehen, wenn die Stadt nicht bis zum Mittag des 15. August fiele. Ein Verteidiger der Stadt listete die Angreifer aus, indem er die Glocken der Kathedrale bereits um 11:00 Uhr zum Mittag läuten ließ. Die Schweden fielen darauf herein und brachen die Belagerung ab.
Kann man das Innere der Kathedrale St. Peter und Paul besichtigen?
Ja, das Hauptschiff der Kathedrale ist kostenlos zugänglich. Für den Aufstieg auf die Kathedraltürme und den Zugang zur unterirdischen Krypta mit den archäologischen Überresten der ursprünglichen romanischen Basilika wird eine Eintrittsgebühr erhoben.
Wie hoch sind die Türme der Kathedrale St. Peter und Paul?
Die neugotischen Doppeltürme der Kathedrale sind 84 Meter hoch. Sie wurden zwischen 1901 und 1909 nach Plänen des Architekten August Kirstein hinzugefügt.
