Mariensäule in Brünn: Geschichte und Überblick
In der Mitte von Brünns Hauptplatz ragt ein mächtiges Versprechen aus dem 17. Jahrhundert in den Himmel, abgelegt von einem verzweifelten Stadtrat, um die Bürger vor der Pest zu bewahren. Auf dem Náměstí Svobody (Freiheitsplatz) gelegen, ist die marianische Pestsäule ein unübersehbares öffentliches Gelübde und ein eindringliches Denkmal für Überlebenswillen und tiefe Frömmigkeit.\n\n## Ursprung und Baugeschichte\n\nAls zwischen 1679 und 1680 eine schwere Pestepidemie wütete, legte der Brünner Stadtrat in der St.-Jakobs-Kirche ein feierliches Gelöbnis ab: Sollte die Stadt überleben, würde man ein Denkmal errichten. Am 28. September 1679 offiziell in Auftrag gegeben, nahm sich das Monument die frühbarocke Mariensäule auf dem Wiener Platz Am Hof zum Vorbild. Bis zur Fertigstellung im Jahr 1689 verging allerdings ein ganzes Jahrzehnt.\n\nVom Glück verfolgt war das Bauprojekt wahrlich nicht. Der leitende Bildhauer Ferdinand Pfaundler starb 1681 kurz nach Arbeitsbeginn. 1686 bekam die Hauptsäule einen Riss und musste komplett ausgetauscht werden. Zu allem Überfluss entbrannte auch noch Streit zwischen dem Stadtrat und den lokalen Zünften, weil die Ratsherren einen italienischen Gesellen namens Jakub Conenall anheuerten, um das Kapitell der Säule fertigzustellen.\n\n## Architektur und Symbolik\n\nBaumeister Jan Křtitel Erna übernahm die Steinmetzarbeiten für das barocke Monument. Er verwendete weißgrauen Marmor aus den Pernštejn-Brüchen und Eggenburger Kalkstein für die Statuen. Kunsthistoriker schätzen besonders, wie die Säule zwei Kunstepochen verbindet: Der architektonische Kern bewahrt die reinen Barockformen des 17. Jahrhunderts, während die umgebenden Heiligenfiguren bereits den Stilwandel des 18. Jahrhunderts widerspiegeln.\n\nTief im Sockel befindet sich eine aufwendig gemeißelte Grotte. Darin ruht die steinerne Liegefigur der heiligen Rosalia, eingebettet in kunstvoll geformtes Faltenwerk. Auf vier Ecksockeln der Balustrade wachen die Pestheiligen: der heilige Sebastian, der heilige Rochus, der heilige Karl Borromäus und der heilige Franz Xaver. An der Spitze verschmilzt die Statue der Maria mit dem Jesuskind auf einzigartige Weise drei verschiedene Traditionen der Mariendarstellung: die Immaculata (die unbefleckt Empfangene), die Assumpta (die in den Himmel Aufgenommene) und die Virgo lactans (die stillende Muttergottes).\n\n## Moderne Restaurierungen und Stadtkontext\n\nDer Náměstí Svobody bildet seit jeher das historische Zentrum Brünns. Eine lokale Legende besagt, dass die Säule genau dort oder direkt neben dem mittelalterlichen Pranger der Stadt errichtet wurde. Heute setzt sich der kühle, weißgraue Marmorschaft markant vom modernen Granitpflaster des Freiheitsplatzes ab. Hier trifft die Frömmigkeit des 17. Jahrhunderts auf moderne städtische Akzente wie die schwarze Astronomische Uhr aus Granit von 2010 und den Skácel-Bronzebrunnen.\n\nBei einer umfassenden Sanierung des Platzes im Jahr 2006 ergaben statische Prüfungen, dass die zentrale Säule keine schwere neue Steinfigur tragen konnte. Die Restauratoren wählten daher einen leichteren Hohlguss der Muttergottes und korrigierten bei der Gelegenheit gleich die Haltung ihrer rechten Hand. Am 15. Oktober 2006 wurde die restaurierte Säule vom Bischof von Brünn gesegnet. Bis heute steht das geschützte Kulturdenkmal als historischer Ankerpunkt auf dem Platz, den du völlig frei erkunden kannst.
FAQ
Wann wurde die Mariensäule in Brünn erbaut?
Die Säule wurde am 28. September 1679 vom Stadtrat in Auftrag gegeben und im Wesentlichen zwischen 1679 und 1689 errichtet.
Welche Statuen befinden sich auf der Mariensäule?
An der Spitze des Denkmals steht eine Statue der Maria mit dem Jesuskind. Im Sockel befindet sich eine Grotte mit der heiligen Rosalia von Palermo, und an den vier Ecken stehen die Pestheiligen Sebastian, Rochus, Karl Borromäus und Franz Xaver.
Warum wurde die Marienstatue an der Spitze 2006 ersetzt?
Bei einer Restaurierung im Jahr 2006 ergaben statische Prüfungen, dass die zentrale Säule keine schwere Steinfigur mehr tragen konnte. Daher installierten die Restauratoren einen leichteren Hohlguss der Marienstatue.
