Der Krautmarkt und der Parnas-Brunnen in Brno
Zelný trh, auch bekannt als Krautmarkt, ist ein historischer, 0,6 Hektar großer, leicht abfallender Platz im Herzen der Altstadt von Brno. Er steht für mehr als 700 Jahre ununterbrochene Marktkultur: Während oben frische Waren den Besitzer wechseln, verbirgt sich im Untergrund ein geheimnisvolles Labyrinth aus mittelalterlichen Vorratskellern.
Ein Marktplatz im Wandel der Jahrhunderte
Die Geschichte des Platzes reicht ins 13. Jahrhundert zurück, als er als „Oberer Markt“ entstand, noch bevor Brno offiziell das Stadtrecht erhielt. Im 15. Jahrhundert setzte sich wegen des florierenden Obst- und Gemüsehandels die Bezeichnung Zelný trh durch. Der untere Teil des Platzes diente historisch auch als Ort der öffentlichen Gerichtsbarkeit und beherbergte einen Pranger.
Im Laufe der Jahrhunderte gab es mehrere offizielle Versuche, den Platz umzubenennen, darunter 1848 in „Platz der Brüderlichkeit“ und während der sozialistischen Ära in „Platz des 25. Februar“. Doch die Bevölkerung blieb stur und verpasste ihrem Markt schlicht den zeitlosen Spitznamen „Zelňák“.
Der barocke Parnas-Brunnen
Im Zentrum des Platzes ragt der Parnas-Brunnen empor, ein barockes Meisterwerk aus den Jahren 1690 bis 1696. Entworfen vom Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach und gestaltet von den Bildhauern Tobias Kracker und Antonín Riga, ersetzte er einen älteren Renaissance-Brunnen. Das Monument diente nicht nur der Repräsentation, sondern versorgte den Markt auch ganz praktisch mit Wasser. Noch heute verschmilzt das Plätschern des Wassers, das aus Delphinmäulern über eine Kalksteingrotte in ein sternförmiges Becken fließt, sanft mit der Kulisse des Platzes.
Seinen Namen „Parnas“ verdankt der Brunnen einem Irrtum lokaler Jesuitenstudenten: Sie glaubten fälschlicherweise, die allegorischen Statuen stellten die Musen des Berges Parnass dar. In Wirklichkeit symbolisieren die Figuren antike Weltreiche: Griechenland wird mit einem Lindwurm dargestellt, Babylonien mit Krone und geflügeltem Löwen und Persien mit Füllhorn und Bär.
Historische Wahrzeichen und verborgene Geschichte
Den Krautmarkt säumen mehrere bedeutende historische Bauwerke, darunter das Palais Dietrichstein, das Palais Hauspersky, der Gebäudekomplex Malý Špalíček und das Reduta-Theater. Das Reduta-Theater war Schauplatz historischer Sternstunden: Im Dezember 1767 gab hier der elfjährige Wolfgang Amadeus Mozart ein Weihnachtskonzert. Jahrzehnte später, am 10. Juni 1841, fertigte Professor Bedřich Franz aus einem der Fenster eine Daguerreotypie einer Fronleichnamsprozession über den Platz an. Diese Aufnahme gilt als eine der ältesten erhaltenen Reportagefotografien der Welt.
Unter der Oberfläche verbirgt sich eine weitere Zeitschicht. Schon im Mittelalter legten die Händler unter dem Markt mehrstöckige Keller und Tunnel an, um Lebensmittel zu lagern, Bier zu brauen oder in Kriegszeiten Schutz zu suchen. Seit 2011 ist dieses unterirdische Netz als „Labyrinth unter dem Zelný trh“ für historische Führungen zugänglich.
Der Markt heute
Heute wird der Zelný trh als täglicher Freiluftmarkt für frisches Obst, Gemüse und Blumen genutzt. Die renovierte Markthalle Tržnice Brno ergänzt die Stände im Freien durch spezialisierte Feinkostläden. Und im Winter weichen die täglichen Stände einer Hauptattraktion der Stadt: Brnos jährlichem Weihnachtsmarkt.
FAQ
Was ist der Parnas-Brunnen in Brno?
Der Parnas-Brunnen ist ein barocker Steinbrunnen im Zentrum des Krautmarkts, der zwischen 1690 und 1696 erbaut wurde. Er besticht durch allegorische Statuen, die die antiken Weltreiche Griechenland, Babylonien und Persien darstellen.
Was verbirgt sich unter dem Krautmarkt?
Unter dem Krautmarkt erstreckt sich ein Netz aus mehrstöckigen mittelalterlichen Kellern und Tunneln, das als Labyrinth unter dem Zelný trh bekannt ist. Ursprünglich zur Lebensmittellagerung, zum Bierbrauen und als Zufluchtsort genutzt, sind die Keller seit 2011 für historische Führungen zugänglich.
Warum heißt der Platz Krautmarkt?
Ursprünglich im 13. Jahrhundert als Oberer Markt entstanden, wurde der Platz im 15. Jahrhundert in Zelný trh (Krautmarkt) umbenannt, da der Handel mit Obst und Gemüse zur prägenden Aktivität vor Ort wurde.
