Ziel

Die Mariensäule: Olmütz' barockes Pestdenkmal

Olomouc, Czechia

Bevor Václav Render Olmütz' gewaltiges UNESCO-Meisterwerk schuf, finanzierte er dieses kleinere, zutiefst persönliche Denkmal des Überlebens. Die Mariensäule (Mariánský sloup) ist ein barockes Pestdenkmal und bildet den architektonischen Anker des verkehrsberuhigten Unteren Rings. Erbaut zwischen 1715 und 1724, zeugt sie von mährischer Barockkunst und bürgerlicher Widerstandskraft.

Ein Monument der Dankbarkeit

Das Denkmal entstand aus einer Tragödie: Zwischen 1713 und 1715 wütete in Olmütz eine verheerende Pestepidemie, die mehr als 3.000 Menschen das Leben kostete. Nach dem Abklingen der Seuche mobilisierte der Steinmetzmeister Václav Render bürgerliche Unterstützung und steuerte eigenes Geld bei, um ein Dankesdenkmal zu errichten. Inspiriert von ähnlichen Pestsäulen in Wien und Prag schuf Render einen zentralen Platzraum, der zusammen mit dem benachbarten Oberen Ring eine durchgehende urbane Achse bildet.

Barocke Formensprache und Symbolik

Das Bauwerk besticht durch eine gewundene, kannelierte Steinsäule, die sich über einem gestuften Sockel erhebt. Auf ihrer Spitze thront eine gekrönte Statue der Maria Immaculata auf einer Erdkugel und zertritt die Schlange unter ihren Füßen. Im quadratischen Steinsockel öffnet sich eine markante, ovale Durchsicht mitten durch den Kern des Monuments. Umrahmt wird das Ganze von einer niedrigen Steinbalustrade mit Ziervasen und acht umlaufenden Pollern.

Die Hierarchie der Heiligen

Die von Jan Sturmer und Tobias Schütz geschaffenen Statuen folgen einer strengen theologischen Hierarchie. Die untere Ebene ist den klassischen Pestpatronen vorbehalten, darunter die Heiligen Rochus, Karl Borromäus, Franz Xaver und Sebastian. Auf der oberen Ebene thronen weibliche Heilige: Rosalia, Katharina von Siena, Barbara und Paulina, die wichtigste Schutzpatronin von Olmütz.

Überdauern und Vermächtnis

Die Mariensäule hat Jahrhunderte voller Konflikte und Wetterkapriolen überstanden. Während des preußischen Bombardements von 1758 trug das Bauwerk Artillerieschäden davon, sodass die ursprüngliche Figur des heiligen Sebastian ersetzt werden musste. Zwischen 1985 und 1992 wurde das Monument umfassend restauriert, wobei man den stark verwitterten originalen Säulenschaft gegen eine exakte Replik austauschte.

Interessanterweise fand Václav Render selbst, dass diese Säule der Frömmigkeit und dem Ruhm von Olmütz nicht vollends gerecht wurde. Aus dieser Unzufriedenheit heraus initiierte und finanzierte er die ungleich größere Dreifaltigkeitssäule auf dem nahegelegenen Oberen Ring. Heute steht die Mariensäule, die 1995 zum Nationalen Kulturdenkmal erklärt wurde, stolz zwischen den barocken Neptun- und Jupiterbrunnen und ist das ganze Jahr über frei zugänglich.

FAQ

Warum wurde die Mariensäule in Olmütz erbaut?

Sie wurde als Dankesdenkmal nach einer verheerenden Pestepidemie zwischen 1713 und 1715 errichtet, die in der Stadt über 3.000 Menschen das Leben kostete.

Wer hat die Mariensäule entworfen?

Das Denkmal wurde vom Steinmetzmeister Václav Render entworfen und initiiert, der das Projekt auch mit eigenem Geld mitfinanzierte. Die Bildhauer Jan Sturmer und Tobias Schütz schufen die Statuen.

Sind die Statuen an der Säule nach einer bestimmten Ordnung aufgestellt?

Ja, die Skulpturen folgen einer strengen Hierarchie. Auf der unteren Ebene stehen traditionelle Pestpatrone wie die Heiligen Rochus und Sebastian, während die obere Ebene weiblichen Heiligen gewidmet ist, darunter auch die Olmützer Stadtpatronin, die heilige Paulina.

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