
Nikolaikirche und Niguliste-Museum in Tallinn
Die Nikolaikirche, heute das Niguliste-Museum, zeugt von der reichen Hansegeschichte Tallinns und der Widerstandsfähigkeit der Stadt im Wandel der Jahrhunderte. Zwischen 1230 und 1275 von westfälischen Kaufleuten gegründet, wurde die Kirche dem Heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Fischer und Seefahrer, geweiht. In den Anfangsjahren, bevor die Stadt vollständig befestigt war, diente die Kirche auch als Wehranlage, ausgestattet mit schweren Riegeln, Schießscharten und Verstecken.
Eine geschichte des überlebens
Die Geschichte der Kirche ist von dramatischen Ereignissen geprägt. Während der protestantischen Reformation in den 1520er-Jahren versuchte ein bilderstürmender Mob, die religiösen Kunstwerke der Kirche zu zerstören. In einem bemerkenswerten Akt der Rettung soll die Gemeinde geschmolzenes Blei in die Schlösser der Kirche gegossen haben. So hinderte sie den Mob am Eindringen und bewahrte die unschätzbaren Kunstschätze. Im 16. Jahrhundert wurde das Gebäude in eine lutherische Kirche umgewandelt und überstand 1533 einen Brand sowie 1577 einen Beschuss.
Zerstörung und wiedergeburt
Den schwersten Schlag erlitt die Nikolaikirche am 9. März 1944, als sie bei einem sowjetischen Bombenangriff auf Tallinn schwer beschädigt wurde. Der Angriff zerstörte ihr Dach, den Turmhelm und einen Großteil des Innenraums. Glücklicherweise waren viele ihrer wertvollsten Kunstschätze bereits zuvor in Sicherheit gebracht worden. Von 1953 bis 1981 fand eine umfassende und sorgfältige Restaurierung statt. 1984 erlebte das Gebäude seine Wiedergeburt und wurde nicht als Kirche, sondern als Museum und Konzertsaal wiedereröffnet.
Das Niguliste-museum heute
Heute wird die Nikolaikirche als Niguliste-Museum betrieben, eine Zweigstelle des Estnischen Kunstmuseums. Es beherbergt die wertvollste Sammlung mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Sakralkunst des Landes. Das Gebäude ist zudem für seine hervorragende Akustik bekannt und daher ein beliebter Veranstaltungsort für Orgel- und andere Konzerte. Ein moderner Glasaufzug im historischen Turm bringt Besucher zu einer Aussichtsplattform, die einen 360-Grad-Panoramablick auf die Tallinner Altstadt bietet.
Meisterwerke und kuriositäten
Die Sammlung des Museums umfasst mehrere bedeutende Werke. Ein Höhepunkt ist ein Fragment des „Totentanzes“ (Danse Macabre) des Lübecker Meisters Bernt Notke. Dieses ursprünglich rund 30 Meter breite Werk ist der weltweit einzige erhaltene mittelalterliche „Totentanz“, der auf Leinwand gemalt wurde. Ein weiteres Meisterwerk ist der von Hermen Rode geschaffene Hochaltar, einer der größten norddeutschen Altaraufsätze aus dem 15. Jahrhundert. Das Museum zeigt außerdem einen vier Meter hohen, siebenarmigen Messingleuchter aus dem Jahr 1519, der als einer der größten in Europa gilt.
FAQ
Warum ist die Nikolaikirche ein Museum?
Nachdem die Kirche 1944 bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt worden war, wurde sie langwierig restauriert. 1984 wurde sie als Niguliste-Museum wiedereröffnet, eine Zweigstelle des Estnischen Kunstmuseums, um mittelalterliche Sakralkunst zu bewahren und auszustellen. Sie dient nicht mehr als Gemeindekirche.
Was ist der „Totentanz“ im Niguliste-Museum?
Der „Totentanz“ ist ein berühmtes Gemälde von Bernt Notke. Das im Museum ausgestellte Fragment ist von großer Bedeutung, da es sich um den weltweit einzigen erhaltenen mittelalterlichen „Totentanz“ auf Leinwand handelt. Das Werk thematisiert die Vergänglichkeit des Lebens.
Wie hat die Nikolaikirche die protestantische Reformation überstanden?
Während des Bildersturms in den 1520er-Jahren soll die Gemeinde geschmolzenes Blei in die Schlösser gegossen haben. So wurde ein zerstörungswütiger Mob daran gehindert, einzudringen und die Kunstsammlung der Kirche zu vernichten.
Kann man auf den Turm der Nikolaikirche?
Ja, ein moderner Glasaufzug im Turm bringt Besucher zu einer Aussichtsplattform. Von dort genießt man einen 360-Grad-Panoramablick auf die Tallinner Altstadt.



