
Der Grand Place in Lille: ein historischer Stadtplatz
Der Grand Place, offiziell Place du Général-de-Gaulle, ist das pulsierende Herz von Lille. Dieser zentrale Platz, ursprünglich ein mittelalterlicher Marktplatz, ist ein Zeugnis der Widerstandsfähigkeit der Stadt. Er ist umgeben von einer Mischung aus flämischer und französischer Architektur, die seine Geschichte als kultureller Knotenpunkt widerspiegelt.
Vom Sumpfland zum Marktplatz
Das Gebiet des Grand Place war ursprünglich ein Sumpfgebiet, das im Mittelalter trockengelegt wurde. Im 14. Jahrhundert wurde er offiziell zum Hauptmarktplatz der Stadt. Eine wesentliche Veränderung fand zwischen 1652 und 1653 mit dem Bau der Vieille Bourse (Alte Börse) statt. Dieses neue Bauwerk teilte den Bereich praktisch in zwei Hälften: den Grand Place und den angrenzenden Petite-Place, der heute als Place du Théâtre bekannt ist.
Die Belagerung von 1792 und die Säule der Göttin
Ein prägendes Ereignis in der Geschichte des Platzes war die Belagerung von Lille im September 1792. Während der Französischen Revolutionskriege bombardierte eine österreichische Armee die Stadt neun Tage lang und feuerte dabei rund 30.000 Kanonenkugeln ab. Trotz der gewaltigen Zerstörung, zu der auch die vollständige Vernichtung der Kirche Saint-Etienne auf dem Platz gehörte, weigerte sich Bürgermeister François André-Bonte bekanntermaßen, zu kapitulieren.
Um an diesen heldenhaften Widerstand zu erinnern, wurde am 8. Oktober 1845 im Zentrum des Platzes die Colonne de la Déesse (Säule der Göttin) eingeweiht. Das insgesamt 15,51 Meter hohe Denkmal besteht aus einer kannelierten Granitsäule, die vom Architekten Charles Benvignat entworfen wurde. Auf ihr thront eine Bronzestatue von Théophile Bra, eine allegorische Figur, die die Stadt Lille darstellt. Die trotzigen Worte von Bürgermeister André-Bonte sind in den Sockel der Säule eingraviert.
Architektonische Highlights
Der Grand Place wird von mehreren bedeutenden Gebäuden eingerahmt. Die Vieille Bourse, ein exquisites Beispiel für den flämischen Renaissancestil des 17. Jahrhunderts, wurde von Julien Destrée entworfen. Ihr Innenhof, der aus 24 identischen Häusern besteht, beherbergt heute Antiquariate, Blumenhändler und Schachspieler.
Ein weiteres bemerkenswertes Bauwerk ist die Grand'Garde, ein klassizistisches Gebäude, das 1717 von Thomas Joseph Gombert erbaut wurde. Es diente ursprünglich als Unterkunft für Soldaten und beherbergt heute das Théâtre du Nord. Eine subtile, aber eindrückliche Erinnerung an die Vergangenheit der Stadt findet sich an der Fassade des Gebäudes Rang du Beauregard, wo noch zwölf Kanonenkugeln aus der Belagerung von 1792 stecken.
Der Grand Place heute
Im September 1944 wurde der Platz zu Ehren des französischen Staatsoberhauptes, das 1890 in Lille geboren wurde, offiziell in Place du Général-de-Gaulle umbenannt. Heute ist er nach wie vor ein pulsierender Treffpunkt voller Cafés und Geschäfte. Auf dem Platz finden häufig kulturelle Veranstaltungen, Kunstausstellungen und der beliebte Weihnachtsmarkt statt. Eine Besonderheit für einen großen europäischen Platz ist das Fehlen einer zentralen Kirche, da die Kirche Saint-Etienne nach ihrer Zerstörung bei der Belagerung von 1792 nie wieder aufgebaut wurde. Die Stadt arbeitet weiterhin daran, den Bereich durch die Erweiterung der Fußgängerzonen aufzuwerten.
FAQ
Wie lautet der offizielle Name des Grand Place in Lille?
Der offizielle Name lautet Place du Général-de-Gaulle. Er erhielt ihn im September 1944 zu Ehren des in Lille geborenen Charles de Gaulle. Umgangssprachlich wird er auch Place de la Déesse genannt.
Warum steht in der Mitte des Grand Place eine Säule?
Die Colonne de la Déesse (Säule der Göttin) wurde 1845 eingeweiht, um an den heldenhaften Widerstand der Stadt während der österreichischen Belagerung von 1792 zu erinnern. Die Statue auf der Spitze der Säule ist eine Allegorie für die Stadt Lille.
Welche wichtigen Gebäude gibt es am Grand Place von Lille?
Zu den bemerkenswerten Gebäuden gehören die Vieille Bourse (Alte Börse) aus dem 17. Jahrhundert, heute ein Bücher- und Blumenmarkt, und die Grand'Garde, ein klassizistisches Gebäude von 1717, das heute das Théâtre du Nord beherbergt.
Gibt es am Grand Place auch versteckte Details zu entdecken?
Ja, in der Fassade des Gebäudes Rang du Beauregard stecken noch immer zwölf Kanonenkugeln von der österreichischen Belagerung 1792. Sie dienen als dauerhafte Erinnerung an dieses Ereignis.



