
Marktplatz Cochem: Geschichte, Rathaus und Highlights
Das historische Herz von Cochem
Der Cochemer Marktplatz bildet das pulsierende Zentrum der historischen Altstadt. Von den Einheimischen liebevoll als „Gute Stube“ bezeichnet, schlägt hier das bürgerliche Herz der Gemeinde. Ein dichter Kranz aus schmalen, mehrstöckigen Fachwerkhäusern mit spitzen Giebeln rahmt das Kopfsteinpflaster ein. Ganz nach moseltypischer Bautradition sind die steilen Dächer und oberen Fassaden großflächig mit dunklem, heimischem Moselschiefer verkleidet.
Heute ist der Platz eine reine Fußgängerzone und voller Leben. Zwischen Straßencafés, urigen Weinstuben, Eisdielen und kleinen Fachgeschäften spielt sich der Alltag ab. Gleichzeitig bildet der Marktplatz die zentrale Bühne für stimmungsvolle Open-Air-Feste und den winterlichen Weihnachtsmarkt.
Barockes Rathaus und Martinsbrunnen
Zwei architektonische Wahrzeichen prägen das Bild des Platzes. An der Nordseite steht das barocke Rathaus, das 1739 nach Entwürfen des Architekten Ravensteyn als kurtrierisches Amtshaus errichtet wurde. Das markante Bauwerk beeindruckt mit 1,3 Meter dicken, rötlich verputzten Steinmauern, Türgewänden aus Mayener Basalt, einem imposanten Mansarddach und einem zentralen Steinbalkon über dem pilastergeschmückten Portal. Bis heute wird im Rathaus fleißig regiert: Es beherbergt das Büro des Bürgermeisters, den Trausaal des Standesamts, das Stadtarchiv und die Stadtbücherei.
In der Mitte des Platzes zieht der Martinsbrunnen die Blicke auf sich. Städtische Urkunden erwähnen bereits 1459 einen Marktbrunnen an genau dieser Stelle, doch das mittelalterliche Bauwerk verfiel und wurde 1863 abgetragen. Das heutige achteckige Steinbecken stammt aus dem Jahr 1906. Aus seiner Mitte ragt eine Steinsäule empor, gekrönt von einem bronzenen Reiterstandbild aus dem Jahr 1935: Geschaffen vom Trierer Bildhauer Anton Nagel, zeigt es Sankt Martin, der seinen Mantel mit einem Bettler teilt.
Mittelalterliche Wurzeln und Drehscheibe des Weinhandels
Das Markttreiben in Cochem begann offiziell, als die Stadt unter dem Trierer Erzbischof und Kurfürsten Balduin von Luxemburg (1307–1354) die Stadtrechte erhielt. Zunächst auf den Samstag beschränkt, wurden die Marktprivilegien 1454 um den Dienstag erweitert. Frühere Verwaltungsbauten aus dem Jahr 1388 standen einst hier, wurden jedoch 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg zusammen mit weiten Teilen der Stadt durch französische Truppen zerstört.
Nach dem Wiederaufbau im 18. Jahrhundert entwickelte sich der Marktplatz zur administrativen Schaltzentrale des regionalen Weinbaus. Während unten an der Moselpromenade Schiffe be- und entladen wurden, handelten Winzer, städtische Amtleute und Kaufleute auf dem Marktplatz ihre Geschäfte aus und verkündeten offizielle Verordnungen.
Die Tradition des Weinfestes
Wie tief der Weinbau in der DNA der Stadt verwurzelt ist, zeigt sich jedes Jahr Ende August beim Cochemer Heimat- und Weinfest. Zu diesem Anlass wird dem Martinsbrunnen kurzerhand das Wasser abgedreht. Eine unterirdische Rohrleitung verbindet die Brunnenrohre direkt mit einem massiven Eichenfass im Ratskeller unter dem Rathaus. Statt Quellwasser fließt dann bester Moselwein direkt aus dem Denkmal in die Gläser der Feiernden.
Historische Pforten und Wege nach oben
Der Marktplatz dient zudem als zentrales Scharnier: Er verknüpft die Uferpromenade und alte Handelsgassen wie die Bernstraße mit den Wegen hinauf zur Reichsburg. Einer der markantesten historischen Zugänge führt direkt unter dem Glockenturm der katholischen Pfarrkirche St. Martin hindurch, gefasst von einem offenen Tonnengewölbe. Gleich neben dem Platz windet sich zudem eine schmale, steinerne Treppe den Hang des Klosterbergs hinauf. Oben thront ein um 1630 erbautes Kapuzinerkloster, das heute als städtisches Kulturzentrum neues Leben atmet.
FAQ
Warum wird der Cochemer Marktplatz als „Gute Stube“ bezeichnet?
Einheimische nennen den Platz wegen seiner behaglichen, geschützten Atmosphäre „Gute Stube“: Eingerahmt von historischen Fachwerkhäusern, Cafés und altehrwürdigen Baudenkmälern fühlt man sich hier fast wie im heimischen Wohnzimmer.
Fließt aus dem Martinsbrunnen wirklich Wein?
Ja. Während des Cochemer Heimat- und Weinfests Ende August wird das Brunnenwasser abgestellt. Eine unterirdische Leitung speist den Brunnen direkt aus einem Eichenfass im Ratskeller, sodass echter Moselwein aus den Hähnen fließt.
Welche Geschichte steckt hinter dem Rathaus am Marktplatz?
Das barocke Rathaus wurde 1739 nach Entwürfen des Architekten Ravensteyn erbaut. Es ersetzte ein früheres Verwaltungsgebäude, das 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört worden war. Bis heute dient es als Sitz der Stadtverwaltung.



