
Pfarrkirche St. Martin in Cochem: Geschichte und Kunst
Die Pfarrkirche St. Martin ist die katholische Hauptpfarrkirche von Cochem, geweiht dem Schutzpatron der Stadt, Martin von Tours. Der christlichen Überlieferung nach diente Martin in einem eisigen Winter als römischer Kavallerist in Amiens, als er vor den Toren der Stadt einem frierenden Bettler begegnete. Er zog sein Schwert, teilte seinen Soldatenmantel entzwei und gab eine Hälfte dem Armen. Später erschien ihm Christus in einer Vision, gehüllt in eben diesen halben Mantel. Wegen seiner traditionellen Verbindung zu Reisenden, Soldaten und der Stadtverteidigung wählte Cochem Martin zu seinem Beschützer und benannte die zentrale Pfarrkirche, Teile der Stadtbefestigung und den Marktbrunnen nach ihm.
Architekturgeschichte und Neuanfang nach dem Krieg
Eine Kirche an diesem Uferabschnitt wurde erstmals um 1130 urkundlich erwähnt. Zwischen 1456 und 1503 folgte ein bedeutender spätgotischer Neubau, aus dem der Alte Chor des 15. Jahrhunderts hervorging, bis heute der älteste erhaltene Teil des Bauwerks.
Am 5. Januar 1945 zerstörten alliierte Bombenangriffe das in den 1930er-Jahren errichtete Kirchenschiff und brachten den Turm zum Einsturz. Inmitten der Trümmer blieb allein der gotische Chor aus dem 15. Jahrhundert stehen. Zwischen 1950 und 1963 leitete der Kölner Architekt Dominikus Böhm den Wiederaufbau: Er schuf einen neuen Bruchsteinbau mit Zwiebelturm und bezog den erhaltenen gotischen Chor harmonisch in den modernen Entwurf ein.
Sakrale Schätze und zeitgenössische Kunst
Im Kircheninneren verbinden sich historische Relikte mit moderner Kunst. Im Alten Chor werfen acht moderne Buntglasfenster, 2009 von den britischen Künstlern Graham Jones und Patrick Reyntiens geschaffen, fließende, aquarellartige Pastelltöne auf die schlichten weißen Wände.
Der moderne Steinaltar im Altarraum, gestaltet von Christoph Anders, greift Motive der Moselreben und des Rebschnitts als Allegorie auf das Leiden Christi auf. Zu den historischen Kostbarkeiten zählt eine silberne Reliquienbüste des heiligen Martin aus dem 15. Jahrhundert, besetzt mit Rubinen, Saphiren, Beryllen und Topasen. Der Überlieferung nach geht dieses Meisterwerk auf einen Besuch von Kaiser Maximilian I. im Jahr 1512 zurück, als er auf dem Weg zum Reichstag nach Trier war.
Der Turmbogen und der Martinsbrunnen
Die Pfarrkirche St. Martin bildet ein wichtiges Bindeglied zwischen der Moselpromenade, den Geschäften der Bernstraße und dem historischen Marktplatz. Direkt in das Stadtgefüge eingewoben, birgt der Sockel des Kirchturms einen gewölbten öffentlichen Durchgang, der Fußgänger unter dem Glockenturm hindurch zwischen der Bernstraße und dem Marktplatz passieren lässt.
Die Martins-Ikonografie setzt sich auf dem Marktplatz am Martinsbrunnen fort. Mindestens seit 1459 steht hier ein dem Heiligen geweihter Brunnen. Nachdem die ursprüngliche Brunnenskulptur 1863 in die Nähe des Martinstors versetzt und später durch eine Terrakottafigur ersetzt worden war, schuf der Trierer Bildhauer Anton Nagel 1935 die heutige Reiterstatue aus Bronze. Das Denkmal zeigt Martin hoch zu Ross, wie er seinen Mantel für den Bettler teilt.
Heute dient die Pfarrkirche St. Martin der Pfarrei St. Maria Magdalena als lebendige Gebetsstätte. Hier finden katholische Messen, Sakramente und geistliche Konzerte statt, und tagsüber steht sie Besuchern offen.
FAQ
Warum ist der heilige Martin für Cochem so bedeutend?
Der heilige Martin von Tours ist der Stadtpatron von Cochem. Der Soldat des vierten Jahrhunderts, der später Bischof wurde, ist dafür berühmt, seinen Mantel mit einem frierenden Bettler geteilt zu haben. Cochem erkor ihn zur Schutzgestalt und benannte seine Pfarrkirche, den zentralen Brunnen und das historische Stadttor nach ihm.
Was ist das Besondere am Turm der Pfarrkirche St. Martin?
Im Sockel des Kirchturms befindet sich ein gewölbter öffentlicher Durchgang, sodass man direkt unter dem Turm hindurch zwischen der Bernstraße und dem Marktplatz spazieren kann.
Wie wurde die Pfarrkirche St. Martin nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut?
Nachdem alliierte Bombenangriffe am 5. Januar 1945 das Kirchenschiff aus den 1930er-Jahren und den Turm zerstört hatten, baute der Architekt Dominikus Böhm die Kirche zwischen 1950 und 1963 aus Bruchstein mit einem Zwiebelturm wieder auf und integrierte dabei den unversehrten gotischen Chor aus dem 15. Jahrhundert.
Welche bemerkenswerten Kunstwerke birgt die Kirche?
Zu den Höhepunkten im Inneren zählen acht Buntglasfenster von Graham Jones und Patrick Reyntiens aus dem Jahr 2009, ein von den Moselweinbergen inspirierter Steinaltar von Christoph Anders sowie eine edelsteinbesetzte silberne Reliquienbüste des heiligen Martin aus dem 15. Jahrhundert.



