
Barfüßerkirche: Erfurts gotische Kirchenruine
Die Barfüßerkirche in Erfurt ist ein eindrucksvolles Zeugnis der mittelalterlichen Geschichte der Stadt und der Zerstörungen des Krieges. Ihre eindringlich schönen Ruinen erzählen eine Geschichte, die von der Ankunft der Franziskanermönche bis zu ihrer heutigen Rolle als einzigartiger Kulturort reicht.
Franziskanische Ursprünge und geistiges Zentrum
Die Geschichte der Kirche begann mit der Ankunft des Franziskanerordens, der Barfüßer, am 11. November 1224 in Erfurt. Dies war eine der frühesten Niederlassungen der Franziskaner in Deutschland. Bereits in den 1230er Jahren gründeten die Mönche ein Studienhaus, das sich zu einem bedeutenden geistigen Zentrum entwickelte. Ab 1392 wurde dieses „Generalstudium“ in die theologische Fakultät der neu gegründeten Universität Erfurt integriert und zog talentierte Ordensbrüder aus bis zu 14 verschiedenen europäischen Provinzen an, darunter Sizilien und Burgund.
Hochgotischer Bau
Nach einem Stadtbrand im Jahr 1291 begann der Bau der heutigen hochgotischen Kirche, die als dreischiffige Pfeilerbasilika konzipiert wurde. Der Chor wurde 1316 geweiht, der Turm um 1400 und das Langhaus um 1430 fertiggestellt. Besonders bedeutend sind die originalen Buntglasfenster der Kirche aus den Jahren 1230–1240. Sie enthalten einige der ältesten erhaltenen Darstellungen des heiligen Franz von Assisi im Gebiet des ehemaligen Heiligen Römischen Reiches und zeigen so eine direkte Verbindung zu den Ursprüngen des Ordens in Assisi.
Reformation und spätere Veränderungen
Die Barfüßerkirche spielte während der Reformation eine wichtige Rolle und wurde 1525 zur protestantischen Pfarrkirche. Am 11. Oktober 1529 predigte der Reformator Martin Luther in ihren Mauern. In den folgenden Jahrhunderten erfuhr der Ort tiefgreifende Veränderungen. Die nördlich gelegenen Klostergebäude wurden zwischen 1641 und 1648 von den Schweden abgerissen, um Material für die Stadtbefestigung zu gewinnen. 1838 erlitt die Kirche durch einen Blitzschlag schwere Schäden, die umfangreiche Restaurierungsarbeiten erforderlich machten.
Zerstörung im Krieg und Vermächtnis
Das verheerendste Ereignis in der Geschichte der Kirche ereignete sich am 27. November 1944. Ein Luftangriff im Zweiten Weltkrieg zerstörte das Langhaus und den Turm weitgehend und hinterließ sie als Ruinen. Auch der Chor wurde schwer beschädigt, aber später wiederhergestellt. Im strengen Winter 1945 wurde das halb zerstörte Kirchengestühl von der Bevölkerung als Brennholz genutzt. Heute dienen die erhaltenen Ruinen als eindringliches Mahnmal gegen den Krieg.
Die Kirche heute: Kunst und Kultur
Heute erfüllt die Barfüßerkirche eine doppelte Funktion als kultureller Ort. Der restaurierte Chor beherbergt eine Außenstelle des Angermuseums, die der mittelalterlichen Kunst gewidmet ist und die originalen Buntglasfenster der Kirche aus dem 13. Jahrhundert zeigt. Das dachlose Langhaus ist als Ruine erhalten geblieben und dient als einzigartige Freilichtbühne für kulturelle Veranstaltungen wie Theateraufführungen, Konzerte und Vorträge. Eine Organisation, der „Initiativkreis Barfüßerkirche“, setzt sich für den Erhalt des Monuments ein. Der Kirchturm wurde zwischen 2005 und 2007 saniert und ist seit 2009 zu bestimmten Anlässen für Besichtigungen zugänglich.
FAQ
Warum ist die Barfüßerkirche eine Ruine?
Die Kirche wurde am 27. November 1944 bei einem Luftangriff im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört. Das Langhaus blieb als Ruine zurück, während der Chor schwer beschädigt, aber später wiederhergestellt wurde.
Was bedeutet „Barfüßerkirche“?
Der Name leitet sich vom Franziskanerorden ab, dessen Mitglieder auch als „Barfüßer“ bezeichnet wurden. Sie gründeten das Kloster im Jahr 1224.
Wofür wird die Barfüßerkirche heute genutzt?
Die erhaltene Ruine des Langhauses dient als Freilichtbühne für kulturelle Veranstaltungen wie Theater und Konzerte. Der restaurierte Chor beherbergt eine Außenstelle des Angermuseums, die mittelalterliche Kunst und originale Buntglasfenster aus dem 13. Jahrhundert zeigt.
Hatte Martin Luther eine Verbindung zur Barfüßerkirche?
Ja, nachdem die Kirche während der Reformation 1525 zur protestantischen Pfarrkirche wurde, predigte Martin Luther dort am 11. Oktober 1529.



