Johannesturm: Erfurts historischer gotischer Glockenturm - Erfurt
© Wikimedia Commons | CC-BY-SA
Ziel

Johannesturm: Erfurts historischer gotischer Glockenturm

Erfurt, Germany

Der Johannesturm ist ein markantes gotisches Wahrzeichen Erfurts und der einzig erhaltene Teil der ehemaligen Johanneskirche. Seine Geschichte spiegelt Jahrhunderte städtischen Wandels wider, von religiöser Bedeutung über Kriegszerstörung bis hin zur modernen kulturellen Wiederbelebung.

Mittelalterliche Ursprünge

Die Geschichte des Johannesturms beginnt mit der Johanneskirche, deren Ursprünge bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen und die 1217 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Der heutige gotische Turm wurde später, zwischen 1469 und 1486, hinzugefügt. Er ist ein wesentliches Merkmal des „Erfordia Turrita“ („türmereiches Erfurt“), ein Beiname, den möglicherweise Martin Luther prägte, um die von zahlreichen Kirchtürmen geprägte Silhouette der Stadt zu beschreiben.

Von sakraler zu weltlicher Nutzung

Die Reformation und der Bauernkrieg brachten tiefgreifende Veränderungen mit sich. Im Jahr 1525 wurden die Gottesdienste in der Johanneskirche eingestellt und das Gebäude für weltliche Zwecke umgenutzt. Im Laufe der Jahre diente es als Militärdepot und als Lager für Heu und Stroh. Diese Phase der Umwandlung gipfelte 1819 im Abriss des Kirchenschiffs, sodass nur der Turm erhalten blieb.

Zerstörung und Wiederaufbau im 20. Jahrhundert

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Johannesturm schwer in Mitleidenschaft gezogen. 1942 wurden seine Glocken für die Rüstungsproduktion eingeschmolzen. Im April 1945 wurde der Turm durch amerikanischen Artilleriebeschuss schwer beschädigt. Infolge dieser Schäden stürzte im Dezember desselben Jahres die Turmspitze ein, ein tragisches Ereignis, bei dem ein Mensch ums Leben kam. Der Turm wurde schließlich 1972 wiederhergestellt.

Der Turm heute

Heute hat der Johannesturm eine neue Aufgabe und dient als Glockenturm für das nahegelegene Augustinerkloster, in dem Martin Luther einst als Mönch lebte. 1979 wurde ein Carillon mit 60 Bronzeglocken installiert, das damals das größte seiner Art in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik war. Als Teil des Stadtmuseums Erfurt ist der Turm für Besucher zugänglich und bietet einen Panoramablick über die Stadt.

FAQ

Was ist das Besondere an den Glocken im Johannesturm?

Der Johannesturm beherbergt ein 1979 installiertes Carillon mit 60 Bronzeglocken. Zum Zeitpunkt seiner Installation war es das größte Carillon in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR).

Warum ist von der Johanneskirche nur noch der Turm übrig?

Nach der Reformation wurde die Kirche 1525 für Gottesdienste geschlossen und für weltliche Zwecke, zum Beispiel als Lager, genutzt. Das Hauptgebäude der Kirche, das Kirchenschiff, wurde schließlich 1819 abgerissen, sodass nur der Turm übrig blieb.

Wurde der Johannesturm im Zweiten Weltkrieg beschädigt?

Ja, der Turm wurde im April 1945 durch amerikanischen Artilleriebeschuss schwer beschädigt. Seine Turmspitze stürzte im Dezember desselben Jahres ein, wobei tragischerweise ein Mensch ums Leben kam. Der Turm wurde 1972 wiederhergestellt.

Kann man den Johannesturm besteigen?

Ja, der Johannesturm ist für Besucher zugänglich und bietet im Rahmen der Initiative „Erfordia Turrita“ („türmereiches Erfurt“) einen Panoramablick über die Stadt.

Tours featuring Johannesturm

More places in Erfurt