
Zum Breiten Herd: Ein Renaissance-Juwel in Erfurt
An der Nordseite des historischen Erfurter Fischmarkts steht das Haus zum Breiten Herd, ein prachtvolles Renaissance-Bürgerhaus. Es wurde 1584 erbaut und ist ein lebendiges Symbol für den Wohlstand und Einfluss der Kaufleute der Stadt in einer Zeit großen wirtschaftlichen Wachstums, das zum Teil auf dem Handel mit Waid, einem wertvollen blauen Farbstoff, beruhte.
Ein Meisterwerk der Renaissance-Architektur
Im Auftrag des Stadtvogts und Ratsmeisters Heinrich von Denstedt erbaut, gilt das Haus zum Breiten Herd als eines der prächtigsten Renaissancegebäude Erfurts. Seine Fassade, geschaffen von der Werkstatt Hans Friedemanns des Älteren, ist ein Prachtbeispiel deutscher Renaissance-Architektur und besticht durch aufwendige Stuckdekorationen und farbenfrohe Reliefs.
Im ersten Stock sind Personifikationen der fünf Sinne – Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen – dargestellt, nach Entwürfen des Antwerpener Künstlers Frans Floris. Die Fassade ist außerdem mit fratzenhaften Köpfen, den sogenannten Gaffköpfen, in den Giebeln der oberen Fenster und der Statue eines Söldners, eines Landsknechts, an der Spitze des Hauses geschmückt. Die leuchtenden Farben, die man heute sieht, sind das Ergebnis einer polychromen Rekonstruktion von 1968, wobei die Kunstwerke 2005 erneut restauriert wurden.
Ein Zeuge der Geschichte
Der Name „Zum Breiten Herd“, der sich mit „Der weite Herd“ übersetzen lässt, symbolisiert Wärme und Gastfreundschaft und deutet auf seine Rolle als Zentrum für Zusammenkünfte und Geschäfte hin. Das Haus spielte eine Rolle bei einem bedeutenden europäischen Ereignis während des Erfurter Fürstenkongresses 1808. König Friedrich August I. von Sachsen residierte in dem Gebäude und empfing einen formellen Besuch von Napoleon Bonaparte und seinen Marschällen.
In einer faszinierenden Verbindung von Geschichte und Moderne markiert das Gebäude auch einen technologischen Meilenstein für die Stadt. Die Eisenwarenhandlung Walther, die sich einst im Haus zum Breiten Herd befand, war der Ort, an dem Erfurts erstes elektrisches Licht eingeschaltet wurde, was den Grundstein für die Stromversorgung der Stadt legte.
Architektonische Schichten und heutige Nutzung
Zur Geschichte des Gebäudes gehören mehrere Umbauten. 1727 wurde im Hof von dem braunschweigischen Gesandten, Geheimrat Christoph Schulze, ein barockes Gartenhaus mit Saal angebaut. 1734 wurde das Haus mit dem benachbarten Gasthaus „Zum Stötzel“ zusammengelegt.
Seit 1925 dienen das Haus zum Breiten Herd und das angrenzende Gildehaus der Handwerkskammer Erfurt als Hauptsitz. Am belebten, verkehrsberuhigten Fischmarkt gelegen, bleibt das Gebäude ein markantes Wahrzeichen. Während das Haupthaus von der Kammer genutzt wird, befindet sich im Erdgeschoss des angeschlossenen Gildehauses ein italienisches Restaurant. Hinter der Hauptfassade wird das versteckte barocke Gartenhaus gelegentlich für Führungen zugänglich gemacht.
FAQ
Was ist das Haus zum Breiten Herd?
Das Haus zum Breiten Herd ist ein reich verziertes Renaissance-Bürgerhaus, das 1584 am Fischmarkt in Erfurt erbaut wurde. Es ist berühmt für seine architektonische Schönheit und historische Bedeutung.
Was stellen die Figuren an der Fassade des Hauses zum Breiten Herd dar?
Die Fassade zeigt personifizierte Reliefs der fünf menschlichen Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten), fratzenhafte Köpfe, sogenannte „Gaffköpfe“, und an der Spitze die Figur eines Söldners (Landsknecht).
Wer stattete dem Haus zum Breiten Herd einen berühmten Besuch ab?
Während des Erfurter Fürstenkongresses 1808 wohnte König Friedrich August I. von Sachsen in dem Haus und empfing einen formellen Besuch von Napoleon Bonaparte.
Wofür wird das Gebäude heute genutzt?
Seit 1925 sind das Haus zum Breiten Herd und das angrenzende Gildehaus der Sitz der Handwerkskammer Erfurt. Es ist nach wie vor eine bedeutende Sehenswürdigkeit am Fischmarkt der Stadt.



