
Das Breite Tor: Goslars mächtiges mittelalterliches Tor
Am östlichen Rand von Goslar wacht ein mittelalterliches Tor, das einst so wehrhaft war, dass es mancher eigenständigen Burg Konkurrenz machte. Das Breite Tor an der Breiten Straße ist das einzige der großen mittelalterlichen Stadttore Goslars, von dem noch wesentliche Teile der Befestigung erhalten sind.
Eine Festung, geboren aus Silber
Goslars immenser Reichtum als freie Reichs- und Hansestadt speiste sich vor allem aus den Silber- und Kupferminen des Rammelsbergs. Dieser Wohlstand machte die Stadt zur begehrten Beute für fremde Mächte, allen voran die benachbarten Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel. Erbitterte Machtkämpfe verlangten nach einer kompromisslosen Verteidigung.
Bereits im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, erzwang das Aufkommen frühneuzeitlicher Schießpulver-Artillerie um 1500 einen radikalen architektonischen Wandel. Goslar rüstete auf und baute den einfachen Mauerturm zu einer tief gestaffelten Torburg aus.
Die Architektur einer tödlichen Falle
Im 16. Jahrhundert wurde der Torkomplex zu einer regelrechten Mausefalle für Angreifer umgestaltet. Wer das äußere Tor durchbrach, fand sich in einem engen Zwinger zwischen Außenmauer und Innenportal wieder. Dort gerieten die Angreifer in ein verheerendes Kreuzfeuer aus den Flankierungstürmen und dem Werderhof, der einstigen Torkaserne und dem Garnisonsgebäude.
Die innere Verteidigungslinie, das 1443 neu errichtete Innere Tor, steht bis heute. Seine stämmigen Mauern aus Sandstein trotzen der Zeit, gespickt mit schmalen Schießscharten und Geschützöffnungen, die die östliche Zufahrtsstraße im Visier hatten.
Der imposante Rieslingsturm
Direkt neben dem engen steinernen Durchgang des Inneren Tores ragt der Rieslingsturm auf. Dieser gewaltige runde Geschützturm misst stolze 20 Meter im Durchmesser und 21 Meter bis zur Dachtraufe. Kurios am Rande: Während er heute traditionell Rieslingsturm heißt, taucht die Bastion in alten Inventaren auch als Danielsturm auf.
Während die inneren Bauten überdauerten, forderte die Zeit ihren Tribut. Das äußere Tor und ein zweiter Flankierungsturm fielen im 19. Jahrhundert der städtischen Modernisierung und dem wachsenden Verkehr zum Opfer.
Moderner Zugang und die grünen Wälle
Heute führen eine gepflasterte Straße und ein Fußweg mitten durch den Torbogen direkt in die historische Altstadt. Während du die beeindruckende Fassade jederzeit bestaunen kannst, öffnen sich die Innenräume der Festung nur im Rahmen offizieller Stadtführungen.
Das Breite Tor bildet zudem den östlichen Auftakt für den Spazierweg entlang der südlichen Wallanlagen. Dieser Pfad folgt den Spuren alter Wassergräben, Erdwälle und Geschützzwinger und verbindet das historische Tor mit der Kaiserpfalz und dem restlichen UNESCO-Welterbe der Altstadt.
FAQ
Welche Teile des Breiten Tors stehen heute noch?
Zu den erhaltenen Bauten gehören das spitzbogige Innere Tor, das Garnisonsgebäude Werderhof und der gewaltige, 20 Meter breite Artillerieturm Rieslingsturm. Das äußere Tor und ein zweiter Turm wurden im 19. Jahrhundert abgerissen.
Kann man das Breite Tor von innen besichtigen?
Das Äußere der Toranlage und die Durchgangsstraße sind frei zugänglich. Die Innenräume lassen sich allerdings nur im Rahmen offizieller Stadtführungen besichtigen.
Warum war das Breite Tor so stark befestigt?
Goslars Reichtum aus den Silber- und Kupferminen des Rammelsbergs machte die Stadt zur begehrten Beute fremder Mächte. Das Aufkommen von Schießpulver und Artillerie um 1500 veranlasste die Stadt schließlich dazu, das Tor zu einer gewaltigen, mehrfach gestaffelten Festung auszubauen.



