
Goslarer Glockenspiel: Figurenspiel und Bergbaugeschichte
Hoch über dem Marktplatz enthüllt ein mechanischer Umzug das unterirdische Fundament von Goslars historischem Reichtum. Angebracht im Zwerchgiebel des Kaiserringhauses an der Ostseite des zentralen Marktplatzes, blickt das Glocken- und Figurenspiel direkt auf das historische Rathaus. Es schlägt eine Brücke zwischen dem städtischen Herzstück und dem nahegelegenen Erzbergwerk Rammelsberg, und macht unmissverständlich klar: Der imperiale Glanz der Kaiserstadt ruht auf Jahrhunderten ununterbrochenen Abbaus von Silber, Kupfer und Blei.
Geschenk der Bergbautradition
1968 von der Preussag AG gestiftet, entstand das Kunstwerk anlässlich des 1.000-jährigen Jubiläums des Erzabbaus am Rammelsberg. Das Gebäude selbst war einst die städtische Kämmerei. Heute trägt es den Namen Kaiserringhaus, benannt nach dem renommierten Preis für moderne Kunst, der seit 1975 alljährlich in Goslar verliehen wird.
Der mechanische Aufzug
Setzt das Schauspiel ein, hallt der metallene Klang der Glocken über das Kopfsteinpflaster, gefolgt vom vernehmlichen Klacken dreier Kupferluken, die sich im Dach öffnen. Ein motorisierter Förderantrieb setzt einen Reigen bemalter Figuren vor der schiefergedeckten Giebelfassade in Bewegung. Die mechanischen Laufschienen, das Uhrwerk und die wartenden Figuren verbergen sich direkt hinter der Wand im Dachgeschoss des Hauses.
Die Figuren erzählen die Geschichte des Rammelsberger Bergbaus in chronologischer Folge. Alles beginnt mit der Sage um Ritter Ramm, dessen angebundenes Schimmelross mit den Hufen scharrte und dabei eine glänzende Silberader freilegte. Daraufhin setzt ein Kaiser, der Überlieferung nach Otto I. oder Heinrich, den offiziellen Bergbau in Gang. Es folgen Knappen mit mittelalterlichen Handwerkzeugen und Schlägeln. Mitten im Ensemble aus Mittelalter- und Renaissancebauten am Marktplatz überrascht das Finale: Bergleute des 20. Jahrhunderts mit modernen, motorisierten Bohrhämmern.
Glockenklang und Bergmannslieder
Das elektro-mechanische Glockenspiel untermalt den Aufzug mit traditionellen Bergbauliedern der Region, allen voran dem berühmten Steigerlied („Glück auf, der Steiger kommt“).
Das vollständige Figurenspiel läuft viermal täglich um 09:00, 12:00, 15:00 und 18:00 Uhr und lockt verlässlich Schaulustige auf den Platz. Um 08:30 Uhr erklingt ein Morgenlied und um 18:30 Uhr ein Abendlied als reines Glockenspiel ohne Figurenumzug. Zur Adventszeit stimmt das Spiel weihnachtliche Weisen und Festtagslieder an.
FAQ
Wann spielt das Goslarer Glockenspiel?
Das vollständige Glocken- und Figurenspiel findet viermal täglich um 09:00, 12:00, 15:00 und 18:00 Uhr statt. Reine Glockenspiel-Melodien ohne Figuren sind zusätzlich um 08:30 und 18:30 Uhr zu hören.
Welche Geschichte erzählen die Figuren?
Die Figuren veranschaulichen die chronologische Geschichte des Bergbaus am Rammelsberg. Die Szene beginnt mit der Sage von Ritter Ramms Pferd, das eine Silberader freischarrt, führt über den mittelalterlichen Abbau mit Handwerkzeugen und endet bei den Bergleuten des 20. Jahrhunderts mit modernem Bohrgerät.
Wo befindet sich das Glockenspiel in Goslar?
Es befindet sich am Zwerchgiebel des Kaiserringhauses (der ehemaligen Kämmerei) an der Ostseite des Goslarer Marktplatzes, direkt gegenüber dem historischen Rathaus.



