Goslars Dukatenscheißer: Geschichte der Figur an der Kaiserworth - Goslar
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Goslars Dukatenscheißer: Geschichte der Figur an der Kaiserworth

Goslar, Germany

Hoch oben an der tiefroten Fassade der Kaiserworth am Goslarer Marktplatz sitzt ein kleines, amüsantes architektonisches Detail: der Dukatenscheißer. Die 1494 geschaffene Schnitzfigur zeigt genau das, was der Name verspricht, einen hockenden Mann mit blankem Hintern, der Goldmünzen von sich gibt. Bis heute ziert die Figur ihren ursprünglichen Platz an der Fassade am Marktplatz 3 und ist eine beliebte Kuriosität in der zum UNESCO-Welterbe zählenden Altstadt.

Ein satirisches Symbol für Kaufmannsreichtum

Das spätgotische Gildehaus Kaiserworth wurde einst für Goslars wohlhabende Gewandschneider und Fernhändler errichtet. Um ihren immensen Reichtum auf dem wirtschaftlichen Höhepunkt der Stadt zur Schau zu stellen, schmückte die Gilde das Gebäude mit stattlichen Statuen von Kaisern und mythologischen Figuren. Der Dukatenscheißer sitzt an einer Konsole an der Nordostecke, ganz bewusst direkt unter einer größeren Statue der Abundantia, der römischen Göttin des Überflusses und Wohlstands.

Historiker deuten die kleinere, entblößte Figur als satirischen Kommentar zum enormen Vermögen der Kaufleute, zu mutmaßlich fragwürdigen Geldgeschäften und zum uralten Menschheitstraum, mühelos Reichtum anzuhäufen.

Das demütigende Ritual des Butarschens

Der lokalen Überlieferung nach waren die Figur und der darunterliegende Steinsockel mit einem drastischen Verfahren bei Zahlungsunfähigkeit verknüpft. Säumige Schuldner, die ihre Außenstände bei der Kaufmannsgilde nicht begleichen konnten, mussten sich einem demütigenden Ritual unterziehen: dem sogenannten „Butarschen“.

Dabei mussten die Betroffenen angeblich ihre leeren Taschen nach außen stülpen, um ihre Zahlungsunfähigkeit zu beweisen, die Hosen herunterlassen und sich mit nacktem Hintern auf den Steinblock unter dem Dukatenscheißer setzen. Zwar waren sie damit rechtlich von ihren Schulden befreit, doch die öffentliche Zurschaustellung kostete die Schuldner für immer ihre bürgerliche Ehre.

Ein Erbe deftigen Volkshumors

1831 wurde das ehemalige Gildehaus zu einem Gasthof umgebaut und beherbergt heute das Hotel Kaiserworth. Durch diesen Wandel blieben die Fassadenskulpturen erhalten, sodass auch der Dukatenscheißer die Jahrhunderte unbeschadet überstand.

Die Figur steht in einer langen Tradition schelmischer, bisweilen derber Fassadenkunst der Spätgotik und Renaissance in Goslar. Ähnlich wie die berühmte Butterhanne am nahegelegenen Brusttuch beweist der Dukatenscheißer, dass der enorme Wohlstand aus Bergbau und Fernhandel stets von einer gehörigen Prise respektlosem Volkshumor begleitet wurde.

FAQ

Wo befindet sich der Dukatenscheißer in Goslar?

Die Figur befindet sich an einer Konsole an der Nordostecke des Hotels Kaiserworth (Marktplatz 3), direkt am zentralen Marktplatz von Goslar. Sie sitzt unmittelbar unter einer Statue der römischen Göttin Abundantia.

Wofür steht die Figur des Dukatenscheißers?

Die 1494 angebrachte Figur ist ein satirischer Kommentar zum immensen Reichtum der Goslarer Gewandschneidergilde. Sie nimmt zwielichtige Geldleihgeschäfte ebenso aufs Korn wie den menschlichen Traum, mühelos Goldmünzen zu produzieren.

Was war das Ritual des „Butarschens“?

Der Sage nach war das Butarschen ein öffentliches Insolvenzritual: Zahlungsunfähige Schuldner mussten ihre leeren Hosentaschen nach außen kehren und sich mit nacktem Hintern auf den Steinblock unter der Figur setzen. Das erließ ihnen zwar rechtlich die Schulden, kostete sie aber dauerhaft ihr bürgerliches Ansehen.

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