
Goslars Marktplatz: Historisches Herz und UNESCO-Welterbe
Der charmante Marktplatz besticht durch seine geschichtsträchtige Atmosphäre und monumentale Bauten, die das bürgerliche Herz von Goslar bilden. Als Teil des 1992 verliehenen UNESCO-Welterbetitels verbindet der Marktplatz die wichtigsten Wahrzeichen der Stadt mit einem Geflecht aus rund 1.500 historischen Fachwerkhäusern.
Ein Erbe kaiserlichen Reichtums
Goslars historische Entwicklung war von jeher eng mit dem Reichtum des nahen Erzbergwerks Rammelsberg verknüpft. Als Freie Reichsstadt nutzte Goslar den Platz als Bühne für städtische Autonomie, Rechtsprechung und Handel, völlig unabhängig von den lokalen Feudalfürsten. Im 15. und 16. Jahrhundert finanzierten wohlhabende Kaufmannsgilden und der Stadtrat die monumentalen Stein- und Fachwerkbauten rund um das Areal. Dieses architektonische Muskelspiel war ein gezieltes Statement bürgerlichen Selbstbewusstseins gegenüber den regionalen Herzögen und der Kaiserkrone. Der mittelalterliche Grundriss und die historische Bausubstanz überstanden den Zweiten Weltkrieg ohne größere Bombenschäden, sodass der Platz bis heute der lebendige Mittelpunkt der Altstadt für Freiluft-Treffs und saisonale Märkte geblieben ist.
Zunfthäuser und bürgerliche Macht
Die Gebäude rund um den Platz spiegeln den einstigen Wohlstand der Stadt wider. Die Kaiserworth, 1494 als Gildehaus der Tuchmacher errichtet, fällt sofort durch ihre leuchtend rote Fassade ins Auge, geschmückt mit Statuen römisch-deutscher Kaiser. Heute wird das Haus als Hotel und Restaurant genutzt. Direkt gegenüber steht das Rathaus. Zwischen 1295 und 1326 begonnen und in den folgenden Jahrhunderten erweitert, beeindruckt es mit einer gotischen Arkade und beherbergt den spätgotischen Huldigungssaal. Das Rathaus erfüllt nach wie vor städtische Aufgaben und dient als Anlaufstelle für Gäste der Stadt.
Der Marktbrunnen aus mehreren Epochen
Mitten auf dem Platz thront der Marktbrunnen, gekrönt von einem vergoldeten Reichsadler, dem historischen Wappentier Goslars. Statt aus einem Guss zu stammen, ist der Brunnen ein mehrstufiges Kunstwerk aus Bronzeschalen, die zu ganz unterschiedlichen Zeiten entstanden sind. Die obere Schale stammt aus dem 13. Jahrhundert, während die untere bereits im 12. Jahrhundert gegossen wurde. Dieser untere Rand zeigt kuriose Drachenköpfe mit eselsähnlichen Ohren, von denen zwei offenbar kleine Menschenfiguren verschlingen.
Das Glockenspiel am Kaiserringhaus
An der Ostseite des Platzes verfügt das Kaiserringhaus über ein Glockenspiel mit 27 Glocken, das viermal täglich erklingt. Während die Melodien über das Kopfsteinpflaster hallen, öffnen sich mechanische Holztüren und geben den Blick auf rotierende Schnitzfiguren frei. Sie erzählen die traditionelle Gründungslegende von Goslars Erzreichtum rund um den Ritter Ramm, dessen Pferd mit den Hufen scharrte und so die erste Silberader freigelegt haben soll.
FAQ
Warum ist der Marktplatz in Goslar historisch so bedeutend?
Der Marktplatz bildet das historische Zentrum der Freien Reichsstadt Goslar und ist Teil des 1992 ernannten UNESCO-Welterbes. Im 15. und 16. Jahrhundert errichteten wohlhabende Kaufmannsgilden die monumentalen Bauten des Platzes, um ihre Unabhängigkeit und ihren Status gegenüber regionalen Herzögen und der Kaiserkrone selbstbewusst zu demonstrieren.
Wie alt ist der Brunnen auf dem Marktplatz?
Der zentrale Marktbrunnen wurde aus Elementen verschiedener Epochen zusammengesetzt. Seine untere Bronzeschale stammt aus dem 12. Jahrhundert, während die obere Schale im 13. Jahrhundert hinzukam. Gekrönt wird das Bauwerk von einem vergoldeten Reichsadler.
Was stellen die mechanischen Figuren am Kaiserringhaus dar?
Die Figuren, die beim Glockenspiel am Kaiserringhaus erscheinen, zeigen die traditionelle Gründungslegende von Goslars Erzreichtum. Zu sehen ist Ritter Ramm, dessen Pferd die erste Silberader im Boden freigescharrt haben soll.



