Marienkirche der Burg: Geschichte von Rhodos
Am Museumsplatz am unteren Ende der Ritterstraße steht die Marienkirche der Burg (Panagia tou Kastrou), die älteste und größte erhaltene mittelalterliche Kirche innerhalb der Stadtmauern von Rhodos. Sie markiert die Schwelle zwischen dem befestigten Collachium, dem Verwaltungsviertel des Johanniterordens, und der bürgerlichen Unterstadt. Dieser bauliche Stilmix aus gotischen Lanzettfenstern, wehrhaften Zinnen und mittelbyzantinischem Mauerwerk macht jeden einzelnen Herrscherwechsel auf der Insel unmittelbar sichtbar.
Eine Kathedrale wird zur Festung
Im 11. Jahrhundert als byzantinisch-orthodoxe Kirche gegründet, begann das Gebäude als klassische Kreuzkuppelkirche. Nachdem der Johanniterorden Rhodos erobert hatte, machten die Ordensritter daraus eine römisch-katholische Kathedrale namens Sancta Maria Castelli Rodi. Zwischen 1319 und 1334 bauten sie das Innere zu einer dreischiffigen gotischen Basilika mit Kreuzrippengewölbe um.
In einer für ein Gotteshaus einzigartigen Doppelrolle diente die Kirche gleichzeitig als aktive Festungsmauer. Ihre östliche Apsis und die Außenwand wurden direkt in die seeseitige Wehrmauer der Stadt integriert. Entlang der Dachkante verlaufen wehrhafte Zinnen, die eigens dafür konstruiert wurden, Belagerungen von See und Artilleriebeschuss standzuhalten.
Die osmanische und italienische Zeit
Nach der Eroberung von Rhodos durch Sultan Süleyman den Prächtigen im Jahr 1522 wandelte sich das Gebäude in eine islamische Gebetsstätte, die Enderun-Moschee. Die christlichen Fresken im Inneren wurden übertüncht, ein überdachter Vorbau kam hinzu und auf der östlichen Dachkante wuchs ein steinernes Minarett in die Höhe.
Eine weitere tiefgreifende Verwandlung erlebte der Bau im frühen 20. Jahrhundert unter italienischer Verwaltung des Dodekanes. Archivdokumente belegen, wie das osmanische Minarett und der Vorbau Stein für Stein abgetragen wurden, um die ursprüngliche mittelalterliche, byzantinisch-gotische Steinarchitektur darunter wieder freizulegen.
Architektonische Kuriositäten und Fresken
Die Außenfassade besteht aus verwitterten, sandfarbenen Kalksteinquadern, in die ritterliche Wappen gemeißelt sind. Um das zentrale Rundbogenfenster herum prangen noch heute die Wappen von Großmeister Hélion de Villeneuve und Papst Johannes XXII., flankiert von späteren Reliefs zu Ehren der Großmeister Antoni de Fluvian, Jean Bonpart de Lastic und Pierre d’Aubusson.
Im Inneren werfen hohe gotische Lanzettfenster schmale Streifen ägäischen Tageslichts auf nackte Steinböden und kreuzrippengewölbte Kirchenschiffe. Der hallende, karge Raum birgt Fragmente erhaltener Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert. Darunter befindet sich eine orthodoxe Darstellung der Jungfrau mit Kind, die in direktem Kontrast zu einem westeuropäischen Fresko der heiligen Lucia steht, das von Giottos italienischer Schule beeinflusst wurde.
Das Byzantinische Museum von Rhodos
Seit 1988 beherbergt das Gebäude das Byzantinische Museum von Rhodos, das der Antikenbehörde des Dodekanes untersteht. Die Räume zeigen eine ständige Ausstellung byzantinischer und nachbyzantinischer christlicher Kunst. Die Sammlung umfasst erhaltene Ikonen, mittelalterliche Steinskulpturen und gerettete Wandmalereifragmente aus ganz Rhodos und den umliegenden Dodekanes-Inseln.
FAQ
Wo befindet sich die Marienkirche der Burg?
Die Kirche liegt am Museumsplatz am östlichen, unteren Ende der Ritterstraße und markiert den Übergang zwischen dem Verwaltungsviertel der Ritter und der restlichen mittelalterlichen Altstadt von Rhodos.
Was befindet sich heute in der Marienkirche der Burg?
Seit 1988 beherbergt das Gebäude das Byzantinische Museum von Rhodos mit einer Dauerausstellung christlicher Ikonen, mittelalterlicher Steinskulpturen und geretteter Wandmalereifragmente aus dem gesamten Dodekanes.
Wie alt ist die Marienkirche der Burg?
Das ursprüngliche Gebäude wurde im 11. Jahrhundert als byzantinisch-orthodoxe Kathedrale errichtet. Damit ist sie die älteste und größte erhaltene mittelalterliche Kirche in der Altstadt von Rhodos.



