Barbakán in Pécs: Ungarns mittelalterliche Festung
Wehrhafte Architektur der Barbakán
An der nordwestlichen Ecke der Bischofsburg (Püspökvár) am Barbakán-Platz gelegen, ragt die Barbakán als eine der besterhaltenen freistehenden Barbakanen Ungarns auf. Erbaut um die Wende zum 16. Jahrhundert, höchstwahrscheinlich während des Episkopats von Bischof György Szatmári zwischen 1505 und 1521, entstand das Bollwerk aus lokalem jurassischem Mergelkalkstein. Seine Hauptaufgabe: den westlichen Zugang zum Bischofssitz kompromisslos abzuriegeln.
Die Festung besteht aus einem wuchtigen Rundturm, der in einem tiefen Trockengraben thront und über eine schmale Zwingermauer an die Burg anschließt. Statt einen bequemen Frontalangriff zu ermöglichen, war das Tor der Bastion bewusst abgewinkelt angelegt. Diese raffinierte Bauweise zwang anrückende Truppen in einen engen Korridor, wo sie parallel zu den Mauern im flankierenden Kreuzfeuer saßen. Bis heute sind die steinernen Schießscharten erhalten, ebenso wie die Seilwinden der einstigen Zugbrücke im Inneren und ein rekonstruierter hölzerner Wehrgang (gyilokjáró).
Von osmanischer Kapitulation bis Denkmalschutz
Eigentlich errichtet, um die südlichen Befestigungen gegen den Vormarsch der Osmanen zu verstärken, ereilte die Barbakán 1543 ein denkbar unspektakuläres Schicksal. Allen taktischen Raffinessen zum Trotz ergab sich die Festung kampflos Sultan Süleyman dem Prächtigen, schlichtweg weil dem Bistum die Soldaten fehlten, um sie überhaupt zu verteidigen.
Im 18. Jahrhundert hatte das Bauwerk seinen militärischen Wert längst verloren. 1787 wurden angrenzende Abschnitte der Wehrmauern durchbrochen, um die Esze Tamás utca anzulegen, und Teile des Grabens kurzerhand zugeschüttet. In den folgenden Jahrzehnten wuchsen eingeschossige Wohnhäuser direkt an die Wälle heran. Ein historischer Glücksfall: Diese zivilen Bauten schützten das spätmittelalterliche Mauerwerk unfreiwillig vor dem Abriss, bis die Häuschen in den 1960er- und 70er-Jahren geräumt wurden, um das spätgotische Denkmal wieder freizulegen. Zwischen 2018 und 2020 wurde die Anlage umfassend saniert. Metallverstrebungen sichern seither Holzstege, Treppen und die Brücke über den Graben, sodass du heute den Panoramablick über die alten Stadtmauern und die Domtürme völlig unbeschwert genießen kannst.
Die überraschende Wandlung des Burggrabens
Nachdem der Graben seinen militärischen Zweck eingebüßt hatte, übernahm er ganz andere Rollen im Stadtleben. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert verwandelte sich der Trockengraben zunächst in einen Garten, ehe die prominente Keramikdynastie Zsolnay dort private Sandtennisplätze anlegen ließ.
Die sportliche Nutzung hielt sich bis weit ins 20. Jahrhundert: In den 1950er-Jahren diente der tiefe Grabenboden dem Verein Pécs Vörös Meteor als Freiluft-Basketballplatz. In den Wintermonaten flutete man das Gelände regelmäßig und funktionierte es kurzerhand zur Schlittschuhbahn um.
Kuriositäten und Denkmäler im Grünen
Über Generationen hinweg sprach man vor Ort von der „Kinizsi-Bastei“. Der Volksmund schrieb den Bau irrtümlich dem legendären Feldherrn Pál Kinizsi nach dessen Inspektion der Wehranlagen in den 1490er-Jahren zu. Bauhistorische Gutachten haben diese Legende mittlerweile korrigiert und die Entstehung eindeutig Bischof Szatmári im frühen 16. Jahrhundert zugewiesen.
Die Barbakán liegt heute in einer gepflegten Gartenanlage (Barbakán-kert), die direkt an das Bischofspalais und das Domviertel anschließt. Mitten im Park steht eine Bronzeskulptur von Miklós Borsos aus dem Jahr 1972 zu Ehren von Janus Pannonius, dem gefeierten Renaissance-Humanisten, Dichter und Pécser Bischof des 15. Jahrhunderts. Da kein authentisches Porträt von ihm überdauert hat, modellierte der Bildhauer das Gesicht im tiefen Schatten eines breitkrempigen Klerikerhuts, der den Blick ganz auf das Buch in seinen Händen lenkt. Heute liegt der friedliche Graben unter dem Klang der Domglocken und bildet das Scharnier zwischen dem Barbakán-Platz, dem Szent-István-Platz und der frühchristlichen Cella Septichora.
FAQ
Wann wurde die Barbakán in Pécs erbaut?
Die Barbakán wurde um die Wende zum 16. Jahrhundert errichtet, sehr wahrscheinlich zwischen 1505 und 1521 während der Amtszeit von Bischof György Szatmári.
Warum wurde die Barbakán 1543 kampflos und ohne Zerstörung übergeben?
Trotz ihrer ausgefeilten Wehrtechnik ergab sich die Festung 1543 kampflos Sultan Süleyman dem Prächtigen, da dem Bistum schlicht die Truppen fehlten, um sie zu verteidigen.
Welche Freizeitaktivitäten fanden im trockengelegten Graben statt?
Vom späten 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts diente der Trockengraben der Familie Zsolnay als privater Sandtennisplatz, später dem Sportverein Pécs Vörös Meteor als Basketballfeld und im Winter als Eislaufbahn.
Warum sind die Gesichtszüge der Statue von Janus Pannonius im Barbakán-Garten nicht zu erkennen?
Der Bildhauer Miklós Borsos schuf die Bronzestatue von Janus Pannonius 1972 so, dass sein Gesicht im tiefen Schatten eines Klerikerhuts verborgen liegt, da kein historisch verbürgtes Porträt des Dichters überliefert ist.
