Innerstädtische Pfarrkirche Mariä Lichtmess: Die Moscheekirche von Pécs
Architektonische Fusion am Széchenyi-Platz
Die innerstädtische Pfarrkirche Mariä Lichtmess, vor Ort schlicht Dzsámi oder Moschee des Paschas Gázi Kászim genannt (Gázi Kászim pasa dzsámija), thront am erhöhten nördlichen Ende des Széchenyi-Platzes in Pécs. Als markantester Orientierungspunkt der historischen Altstadt ist sie das größte erhaltene osmanische Bauwerk Ungarns und zählt zu den am weitesten nördlich gelegenen erhaltenen Moscheen Mitteleuropas.
Von außen besticht das Gebäude durch ein unverwechselbares Profil: Ein quadratischer osmanischer Steinsockel geht in einen achteckigen Tambour über, der eine rund 23 Meter hohe, grüne Kupferkuppel trägt. An der Kuppelspitze sitzt ein kurioser Hybrid: Ein lateinisches Christenkreuz ragt direkt aus einer islamischen Mondsichel empor, sinnbildlich für die vielen religiösen Umbrüche, die Pécs geprägt haben.
Von der mittelalterlichen Kirche zur Reichsmoschee und zurück
Ursprünglich stand an dieser Stelle die gotische Bartholomäuskirche aus dem 13. Jahrhundert. Nach der osmanischen Eroberung von Pécs im Jahr 1543 nutzten Christen und Muslime das mittelalterliche Gotteshaus für kurze Zeit gemeinsam. Zwischen 1543 und den 1560er-Jahren ließ Pascha Gázi Kászim die Kirche schließlich abtragen und ihre behauenen Steine für eine repräsentative Zentralmoschee wiederverwenden. Als der osmanische Reiseschriftsteller Evliya Çelebi die Stadt in den 1660er-Jahren besuchte, rühmte er das Bauwerk für seine monumentale Größe und die erhabene Lage.
Nach dem Rückzug der Osmanen im Jahr 1686 fiel das Gebäude an die Jesuiten, die es 1702 wieder als römisch-katholische Kirche weihten. Im 18. Jahrhundert schlug ein Blitz in das steinerne Minarett ein und beschädigte es schwer, woraufhin der Orden den restlichen Turm um 1766 kurzerhand abreißen ließ. Bei einer großen Renovierung im Jahr 1939 entfernte der Architekt Nándor Körmendy die barocken Umbauten späterer Epochen, um die ursprüngliche osmanische Struktur wieder freizulegen. Außerdem fügte er ein halberundes, modernistisches Langhaus an, um der katholischen Gemeinde ausreichend Raum zu bieten.
Verborgene Schichten und gerettete Relikte
Im zentralen Kuppelraum bricht sich warmes Tageslicht in Reihen osmanischer Kielbogenfenster, die in Dreier- und Vierergruppen angeordnet sind. Der Raum vereint islamisches und christliches Erbe auf faszinierende Weise: Weiß getünchte Wände nach türkischer Art und rot-weiß gemusterte Bogensteine treffen auf katholische Altäre und eine Orgel der renommierten Pécser Werkstatt Angster aus dem Jahr 1942.
In den Wänden sind bis heute bemerkenswerte Relikte eingelassen. Der originale osmanische Mihrāb, die nach Südosten Richtung Mekka gerichtete Gebetsnische, hat nahe dem katholischen Hochaltar im Mauerwerk überdauert. An den Wänden schimmern noch immer zarte Putzmalereien aus der Osmanenzeit mit floralen Motiven und arabischen Koranzitaten. Auch die Weihwasserbecken bei den Sakristeien erzählen eine Geschichte: Es handelt sich um echte Steinbecken, die aus Pascha Kászims nahem Thermalbad gerettet wurden. Fresken des Pécser Malers Ernő Gebauer aus dem 20. Jahrhundert schmücken den Innenraum und fangen historische Wendepunkte ein, darunter die Weihe Ungarns an die Gottesmutter durch König Stephan, den Sieg von Belgrad und eine stadtweite Bittprozession im Jahr 1945.
Lebendige Gemeinde und Geschichtsmuseum
Das Gebäude dient der römisch-katholischen Diözese Pécs bis heute als aktive Pfarrkirche mit regelmäßigen Messen und Feierlichkeiten. Außerhalb der Gottesdienste öffnet das Denkmal seine Pforten für reguläre Besucher. Im Untergeschoss und in der Krypta zeigt eine interaktive Ausstellung mit digitalen Animationen die architektonische Verwandlung des Ortes, von den römischen und mittelalterlichen Fundamenten über die osmanische Herrschaft bis in die Gegenwart.
FAQ
Was hat es mit Kreuz und Mondsichel auf der Kuppel auf sich?
Die Turmspitze vereint ein christliches lateinisches Kreuz mit einer islamischen Mondsichel. Das Motiv spiegelt die bewegte Doppelgeschichte des Baus wider, der im 16. Jahrhundert als osmanische Moschee entstand und im 18. Jahrhundert wieder als katholische Kirche geweiht wurde.
Was geschah mit dem ursprünglichen Minarett der Moschee?
Im 18. Jahrhundert schlug ein Blitz in das steinerne Minarett ein und beschädigte es schwer. Um 1766 ließen die Jesuiten den verbliebenen Turm schließlich abreißen.
Welche osmanischen Elemente gibt es im Kircheninneren zu entdecken?
Im Innenraum finden sich noch die originale, nach Südosten ausgerichtete Mihrāb-Nische, Reste koranischer Kalligrafie und floraler Wandmalereien sowie spitz zulaufende Kielbogenfenster. Selbst die Weihwasserbecken stammen ursprünglich aus dem Thermalbad des Paschas Kászim.
