
Wilde Mann: Brixens dreiköpfiger Wächter
Der rätselhafte Wilde Mann von Brixen
An der Fassade des Gasthauses „Zum schwarzen Adler“ in Brixen prangt der „Wilde Mann“, eine markante, dreiköpfige Holzskulptur. Die Schnitzerei im Stil der Spätgotik befindet sich an der Ecke von Kleiner und Großer Laubengasse und wird auf das späte 16. Jahrhundert datiert. Obwohl ihr Schöpfer unbekannt ist, gilt sie als ein herausragendes und bekanntes Kulturdenkmal in der historischen Altstadt.
Ein Wächter über drei Gassen
Das auffälligste Merkmal der Skulptur sind ihre drei Köpfe. Jeder Kopf ist so ausgerichtet, dass er in eine der drei Gassen blickt, die hier aufeinandertreffen. Man nimmt an, dass dieses mehrköpfige Design die Rolle der Skulptur als Wächter über das geschäftige Handels- und Stadtleben symbolisiert, das diese Gassen seit Jahrhunderten prägt. Die genauen Gründe für diese spezielle Gestaltung wurden nie aufgezeichnet, was ihre geheimnisvolle Aura noch verstärkt.
Vom Wirtshausschild zum Wahrzeichen
Der „Wilde Mann“ diente ursprünglich als unverwechselbares Aushängeschild für das Gasthaus, das er schmückt und das bis ins 17. Jahrhundert als „Herberge zum Wilden Mann“ bekannt war. Später wurde der Name in das heutige „Gasthaus Zum schwarzen Adler“ geändert. Die Figur des „Wilden Mannes“ selbst hat ihre Wurzeln in der europäischen Mythologie des Mittelalters und stellt ein Wesen jenseits der zivilisierten Welt dar, oft behaart und mit einer Keule bewaffnet. Das Gasthaus ist noch heute in Betrieb und bewahrt dieses Stück Lokalgeschichte. Es wird auch vermutet, dass Wolfgang Amadeus Mozart und sein Vater auf ihren Reisen nach Italien in dem Gasthaus übernachtet haben könnten.
Legenden und Überlieferungen
Eine skurrile lokale Legende besagt, dass der „Wilde Mann“ am Karfreitag um Punkt 12 Uhr mittags Goldstücke aus seinen Mündern spuckt. Doch ein lokaler Brauch macht dieses magische Ereignis auf spielerische Weise unmöglich. Am Karfreitag schweigen die Kirchenglocken, die traditionell die Mittagsstunde einläuten, und werden durch das Geräusch von Holzratschen ersetzt, sodass der genaue Zeitpunkt nie offiziell durch Glockengeläut verkündet wird.
Ein Kontrapunkt zur Pracht
Jahrhundertelang war Brixen die Hauptstadt eines mächtigen Fürstbistums, eine Geschichte, die sich in prächtigen Bauten wie dem Dom und der Hofburg widerspiegelt. Der „Wilde Mann“ steht dagegen für die lebendige Volkskultur und das Handelsleben, das auf Straßenebene blühte. Er dient als greifbare Verbindung zum folkloristischen und kommerziellen Herzen der bemerkenswert erhaltenen mittelalterlichen Altstadt und beleuchtet eine andere Ebene der historischen Erfahrung.
FAQ
Was ist der Wilde Mann in Brixen?
Der Wilde Mann ist eine dreiköpfige Holzskulptur aus dem späten 16. Jahrhundert, die sich an der Fassade des Gasthauses „Zum schwarzen Adler“ in Brixen befindet. Sie wird dem Stil der Spätgotik zugeordnet und diente ursprünglich als Wirtshausschild.
Warum hat der Wilde Mann drei Köpfe?
Die drei Köpfe der Skulptur sind so positioniert, dass jeder in eine der drei Gassen blickt, die an diesem Punkt zusammentreffen. Man nimmt an, dass dies seine Rolle als Wächter über das historische Geschäfts- und Stadtleben des Viertels symbolisiert.
Gibt es eine Legende über den Wilden Mann?
Ja, eine lokale Legende besagt, dass der Wilde Mann am Karfreitag um Punkt 12 Uhr mittags Goldstücke spuckt. Die Legende hat aber einen Haken: Da die Kirchenglocken an diesem Tag durch Holzratschen ersetzt werden, wird der genaue Mittagsschlag nie durch eine Glocke eingeläutet.
Hat Mozart den Wilden Mann gesehen?
Man vermutet, dass Wolfgang Amadeus Mozart und sein Vater auf ihren Reisen nach Italien in dem Gasthaus, das heute „Zum schwarzen Adler“ heißt, übernachtet haben. Es ist also gut möglich, dass sie diese einzigartige Skulptur gesehen haben.



