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Basilika Sant’Ambrogio: Mailands romanisches Juwel

Milan, Italy

Die ungleichen Glockentürme über der Backsteinfassade der Basilika Sant’Ambrogio sind ein jahrhundertealtes Monument für den Kleinkrieg unter Mitbewohnern. Die Basilika gilt nach dem Dom als bedeutendste historische Kirche Mailands, setzt den Maßstab für die lombardische Romanik schlechthin und ist dem Schutzpatron der Stadt geweiht.

Auf Märtyrern gebaut

Erbaut zwischen 379 und 386 n. Chr. von Ambrosius, dem Bischof von Mailand, hieß die Kirche ursprünglich Basilica Martyrum. Sie entstand über einer antiken römischen Grabstätte für christliche Märtyrer, um die nizänische Orthodoxie gegen den Arianismus zu festigen. Nachdem Ambrosius 397 n. Chr. dort beigesetzt worden war, weihte man die Anlage zu seinen Ehren neu.

Lombardische Romanik

Das heutige Bauwerk entstand größtenteils zwischen 1080 und 1128. Auffällig ist die niedrige Giebelfassade mit zweigeschossiger Arkade und einem weitläufigen, vierseitig umschlossenen Säulenhof, dem sogenannten Quadriporticus. Die rötlichen Terrakotta-Backsteinbögen, die diesen ruhigen, schattigen Hof säumen, bilden einen reizvollen Kontrast zu einer freistehenden, verwitterten römischen Marmorsäule im Pflaster.

Der ikonische Baustil der Basilika strahlte weit über Italien hinaus. Er diente als Meistervorlage für die romanische Backsteinarchitektur und inspirierte im 20. Jahrhundert sogar die Entwürfe der Royce Hall und der Powell Library an der UCLA in Kalifornien.

Die Geschichte der ungleichen Türme

Die berühmte asymmetrische Silhouette der Basilika geht auf eine mittelalterliche Fehde zwischen zwei religiösen Parteien zurück, die sich den Komplex teilen mussten. Im 9. Jahrhundert errichteten die dort ansässigen Benediktinermönche den südlichen Glockenturm, weigerten sich jedoch stur, die Kanoniker, das reguläre Domkapitel, an ihre Glocken zu lassen. Als Antwort auf diesen Egoismus bauten die Kanoniker im 12. Jahrhundert kurzerhand ihren eigenen, deutlich höheren Nordturm.

Die Legende der Teufelssäule

Vor der Basilika steht eine antike römische Marmorsäule mit zwei tiefen Löchern am Sockel. Der Legende nach stammen diese Abdrücke von den Hörnern des Teufels höchstpersönlich: Ambrosius soll ihn bei einem Versuch der Verführung kurzerhand mit einem gezielten Tritt gegen den Stein befördert haben.

Diese Säule, im Volksmund Teufelssäule genannt, spielte auch in der Geschichte der Region eine symbolträchtige Rolle. Mittelalterliche Chroniken berichten, dass in Mailand gekrönte römisch-deutsche Kaiser die Marmorsäule umarmen mussten, um ihren Eid auf eine gerechte Herrschaft zu bekräftigen.

Moderne Restaurierung und heutige Nutzung

Obwohl die Basilika im August 1943 bei alliierten Luftangriffen schwer beschädigt wurde, konnte sie nach dem Zweiten Weltkrieg aufwendig rekonstruiert und in ihrer mittelalterlichen Form bewahrt werden.

Heute ist die Anlage eine aktive katholische Pfarrkirche und Basilica minor. Sie kann täglich kostenlos besichtigt werden. Besucher haben Zugang zur Schatzkammer und zur Krypta, in der die Reliquien des heiligen Ambrosius sowie der Märtyrer Gervasius und Protasius ruhen.

FAQ

Warum sind die Glockentürme der Basilika Sant’Ambrogio unterschiedlich hoch?

Die ungleichen Türme sind das Ergebnis einer historischen Fehde. Den kürzeren Südturm bauten im 9. Jahrhundert Benediktinermönche, die sich weigerten, ihre Glocken mit den ansässigen Kanonikern zu teilen. Die Kanoniker schlugen im 12. Jahrhundert zurück und bauten einfach einen höheren Nordturm.

Was hat es mit der Teufelssäule vor der Basilika auf sich?

Die Teufelssäule ist eine antike römische Marmorsäule auf dem Vorplatz, die zwei tiefe Löcher am Sockel aufweist. Der Mailänder Volksmund besagt, dass diese Abdrücke von den Hörnern des Teufels stammen, nachdem der heilige Ambrosius ihn mit einem Tritt gegen den Stein geschleudert hatte.

Wer liegt in der Basilika Sant’Ambrogio begraben?

In der Krypta der Basilika ruhen die Gebeine ihres Gründers, des heiligen Ambrosius, zusammen mit den frühchristlichen Märtyrern Gervasius und Protasius.

Ist die Basilika Sant’Ambrogio für die Öffentlichkeit zugänglich?

Ja, die Basilika ist täglich für kostenlose Besichtigungen geöffnet. Besucher können das Hauptschiff, die Krypta und das Schatzkammermuseum besichtigen, auch wenn sie nach wie vor eine aktive katholische Pfarrkirche mit regelmäßigen Gottesdiensten ist.

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